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Unsere Rolle in der Gesellschaft

„Noch einmal zum letzten Cue”, „Lutz ist raus”, „Alle auf Position, Moment das Kabel hängt.” „Licht an bei Lutz.” 

Es ertönt die Musik von La Traviata. Ein Mann fährt Fahrrad. Bäume ziehen an ihm vorbei, immer schneller und schneller. Auf einmal ziehen Häuser auf, er stoppt. Er ist angekommen. Er ist am Ziel. Szenenwechsel. Es leuchtet ein Schild mit der Aufschrift „Post” auf. Der Mann steckt einen Umschlag in den Briefkasten. Die Mütze, die Tasche, alles deutet darauf hin, dass er ein Postbote ist. 

Das alles passiert hinter einer weißen Wand. Nur schwarze Konturen sind zu sehen. Ein Schattentheater. 

Es handelt sich um das Stück „Herr Jensen steigt aus” nach dem Roman von Jakob Hein. 

Doch es sind weder Schauspieler, noch Amateurkünstler, die das Stück am 13. Juni in der Bühne am Park inszenieren werden. Sie alle, elf an der Zahl, sind Bürger von Gera. Nie zuvor standen sie auf einer Bühne. 

Vor fast zehn Monaten trafen sich elf Bürger, sie alle über 50, alle aus Gera, alle Laien auf dem Gebiet der Theaterkunst. Sie alle wollten, mussten fortan gemeinsam Theater machen. „Ich war neugierig, was mich erwarten wird. Es kann ja nur besser werden, dachte ich. Wenn ich in Arbeit kommen will, muss ich offen sein für alles”, erzählt Silvia Hemmann. 

„Ich war ziemlich skeptisch am Anfang. Wieder eine Maßnahme und dann Theater? Das war nun gar nicht mein Ding”, erinnert sich Birgit Freiwald zurück. Heute bereut sie es nicht, sich dafür entschieden zu haben. „Es ist vielmehr schade, dass es bald endet”, sagt Birgit Freiwald wehmütig. 

Trotzdessen, dass sie sich alle vorher nicht kannten, haben sie alle eins gemein. Sie sind seit längerer Zeit arbeitslos und aus diesem Grund nicht von ungefähr vor zehn Monaten in der Tonhalle aufeinander getroffen. Im Rahmen des Aktivierungsangebotes der Initiative „Coop50plus”, ist dieses Theaterprojekt ein Pilot für Thüringen. Gefördert und finanziert über die „Perspektive 50plus – Beschäftigungspakte für Ältere in den Regionen“, vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Es ist eine Koproduktion zwischen der TheaterFABRIK von Theater & Philharmonie Thüringen und der Initiative Coop50plus. „Sinn und Zweck dieses Theaterprojektes ist die Vermittlung, Wiedererlangung und Optimierung notwendiger Schlüsselkompetenzen, wie z.B. Durchsetzungsvermögen, Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein sowie die Auseinandersetzung mit sich selbst und dem eigenen Umfeld”, erklärt der Leiter der TheaterFABRIK Peter Przetak, dass Theaterarbeit und Pädagogik hilft und unterstützt das verloren gegangene Selbstwertgefühl wieder zu entwickeln und für sich zu gewinnen.  

Unter der Leitung von Peter und dessen Ehefrau und Choreografin Nanna Przetak wurde trainiert, geprobt, das Bühnenbild selbst gestaltet und „wie nebenbei das Vertrauen in die Tatsache gestärkt, dass jeder Mensch gebraucht wird. Anfangs haben wir mit einfachen Stimm-, Körper- und Schauspielübungen begonnen, kleinere Szenen erarbeitet und diese im Dezember erstmals aufgeführt. Schritt für Schritt gingen wir so ans Werk”, erklärt Nanna Przetak die aufregende Arbeitsreise der elf Teilnehmer, auf der sie nicht allein unterwegs waren. 

Der erfolgreiche Schattentheaterspieler, Puppenspieler, Regisseur und Sprecher Stefan Wey hat die Regie übernommen. Seit gut 13 Jahren ist er mit der Schattentheaterinszenierung „Der standhafte Zinnsoldat” auf Tour. Für ihn ist es ebenfalls ein Pilotprojekt. „Es ist das erste Mal, dass ich mit Laien zusammen arbeite. Es ist unheimlich interessant, lehrreich, lebenshaltiger als manche Arbeit mit Profis”, würdigt er. Seit September letzten Jahres ist für alle eins klar. Der Weg ist das Ziel, und das ist am Mittwoch, 13. Juni, erreicht: es wird in einer ersten und einzigen Vorstellung in der Bühne am Park gipfeln. 

Beginn ist 19.30 Uhr. Karten für „Herr Jensen steigt aus“ gibt es bei Theater&Philharmonie Thüringen. 

Allein am Standort Gera konnten 2011 über 200 Langzeitarbeitslose in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse vermittelt werden.

( Fanny Zölsmann, 01.06.2012 )

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