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Gera ist Drehkreuz für Gefangene

Seit längerem ist der geplante JVA-Neubau ein viel und heiß diskutiertes Thema. Gebaut werden soll, sofern Gera den Zuschlag erhält, in Aga. Vor gut eineinhalb Jahren bewarb sich Gera mit fünf möglichen Standorten. „Als damals das Thema aufgekommen ist, haben wir als Stadt alle Möglichkeiten, ohne die Anforderungen genau zu kennen,  dem Thüringer Justizministerium angeboten. Mit der Zeit stellte sich heraus, dass nicht alle der fünf Flächen geeignet sind”, erklärte OB Dr. Norbert Vornehm in einer Podiumsdiskussion, zu der die Fraktionen SPD und Linke und Vertreter der Grünen geladen hatten. Gemeinsam mit  Thüringens Justizminister Dr. Holger Poppenhäger, SPD-Landtagsabgeordneter Wolfgang Lemb, Linke-Landtagsabgeordneter Dieter Hausold und dem Leiter der Geraer Justizvollzugsanstalt Jürgen Frank stellte sich Dr. Vornehm den Fragen des Publikums. 

Rund 25 Hektar Fläche werden für den JVA-Neubau benötigt. Doch nicht nur Gera bewirbt sich für den Zuschlag. Neben einem Gebiet in Korbußen/Großenstein im Landkreis Greiz, ist auch die Stadt Zwickau mit zwei möglichen Standorten im Rennen. „Sowohl in Thüringen als auch in Sachsen haben sich jeweils acht Gemeinden um den Standort beworben. Gera hat es bis auf‘s Treppchen geschafft”, ist Thüringens Justizminister erfreut und hofft auf den Zuschlag für Thüringen. In Kooperation mit Sachsen soll eine neue gemeinsame JVA gebaut werden. Bis 1. Juli soll die Entscheidung fallen. 

Im geplanten Neubau werden rund 1.000 Gefangenen- und 400 Arbeitsplätze geschaffen. „Für die infrastrukturelle Entwicklung Geras ist es wichtig, dass die Justizvollzugsanstalt in Gera bleibt. Neben den neu geschaffenen Arbeitsplätzen und den daraus resultierenden Zuwanderungen, plus die zu verwahrenden Strafgefangenen, können wir als Stadt mit höheren Schlüsselzuweisungen vom Land rechnen. Zudem würde der Neubau auch zu einer Verbesserung der Logistik in und um Aga beitragen”, nennt der OB nur einige Vorteile. Auch wenn die Vorteile überzeugen müssten, so sind es in Aga vor allem die Ängste und Sorgen vieler Eltern um ihre Kinder, die zu Unmut, Ablehnung und Skepsis führen. „Es ist die fehlende Transparenz, der Mangel an öffentlicher Beteiligung, der zu diesem Ärger in der Bevölkerung führt. Zudem erwarten die Agaer ebenfalls, dass sie von dem Neubau profitieren, auch und vor allem im Hinblick auf die Debatte um die  Schulstandortschließung”, mahnt Ortsteilratsmitglied von Aga, Ludwig Geiger an. Schulelternsprecher der Grundschule Aga, Veit Kola, stellte die Frage in den Raum, wie mit den Freigängern umgegangen werde. „Es dauert lange, bis ein Gefangener in den offenen Vollzug kommt. Dem voraus gehen viele Gutachten, z.B. das strafrechtliche Vorleben, das Verhalten im Vollzug und ein psychologisches Gutachten”, erklärte Leiter der JVA, Jürgen Frank. Wer einmal in den Genuss des Freigangs komme, sei von oben bis unten geprüft, hieß es aus dem Publikum. Anke Freitag pflichtete dem bei. Seit 18 Jahren ist sie Bewährungshelferin und Initiatorin des neu gegründeten Vereins Zusammenhalt e.V., der sich um die Wiedereingliederung von ehemaligen Häftlingen kümmert. „Ängste gibt es auf beiden Seiten”, weiß sie. „Alle Thüringer Standorte sind sicher. Die Sicherheit ist ein Garantiepunkt”, betont Bernd Schulz, Bediensteter in Hohenleuben. 

Derzeit hält der Justizvollzug im ehemaligen Gebäude der Riebeck Brauerei am Stadtgraben rund 150 Plätze bereit. „Neben dem Vollzug der Untersuchungshaft, dem Vollzug der Freiheitsstrafen bis sechs Monate, dem Vollzug der Ersatzfreiheitsstrafen, vollziehen wir auch die Durchgangshaft an männlichen und weiblichen Transportgefangenen in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern. Gera ist das Drehkreuz für bis zu 3.000 Transporte jährlich, das gilt es zu wahren”, so Jürgen Frank. Zudem ist es dem Team um Jürgen Frank gelungen,  ein soziales Netzwerk aufzubauen, das für die Resozialisierung von Strafgefangenen wichtig und beispielhaft ist. 

In naher Zukunft ist ein öffentlicher Gesprächsabend in Aga geplant, um weitere Fragen und Bedenken klären zu können.

( Fanny Zölsmann, 27.04.2012 )

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