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Kulturelles Herz muss weiter schlagen

„Wenn das Mehrspartentheater stirbt, stirbt das ganze Haus.“ 

(Dr. Birgit Klaubert, Vizepräsidentin des Thüringer Landtages, in Altenburg)

Man kann es drehen und wenden wie man will: Wenn das Theater &Philharmonie Thüringen (TIP) das kommende Jahr in der jetzigen Form überleben will, braucht es noch eine Finanzspritze von 2,1 Millionen Euro. Zwei Varianten wären die Alternative: Entweder werden Schauspiel und Puppentheater aufgelöst und das Orchester verkleinert oder das künstlerische Personal gibt sich weiter mit dem so genannten Haustarif zufrieden, der ihnen schon seit zwölf Jahren 16 Prozent weniger Gehalt beschert als der Flächentarif vorsieht. 40 Stellen wurden schon abgebaut, nur durch eine Vielzahl von Überstunden, wird der Spielbetrieb in beiden Häusern garantiert. „Das ist eine unzumutbare Erpressung, empörte sich ein Schauspieler auf einem Diskussionsabend im Altenburger Theater. Widersprochen hat ihm niemand.

Der große Theatersaal war voll gefüllt, viele Gäste kamen auch aus Gera. Die Gesprächspartner durften im Rampenlicht der Bühne sitzen: Generalintendant Kay Kuntze, Altenburgs Landrat Sieghardt Rydzewski, Oberbürgermeister Michael Wolf, Mike Huster, Geraer Mitglied des Aufsichtsrates, sowie der Chefs mehrerer Sparten des Theaters, und als Vertreter des Deutschen Bühnenvereins Holk Freytag, Intendant der Bad Hersfelder Festspiele.

Die Finanzierungslücke ist natürlich nicht neu, zumal die Beiträge der Theater-Träger schon seit 1995 von Jahr zu Jahr rückläufig sind. In gleichem Maße wurden den kommunalen Körperschaften, Mittel in erheblichem Umfang gestrichen. Fast eine Ironie: Oberbürgermeister Wolf informierte, dass allein der Stadt Altenburg 2,1 Millionen Euro gestrichen wurden. Also haargenau 2,1 Millionen, die dem Theater fehlen. Man muss es den Kommunalpolitikern zu Gute halten, dass sie sich unisono für den Erhalt des einzigen Fünf-Sparten-Hauses ausgesprochen haben. Kultusminister Matschie wurde sinngemäß zitiert: Wenn die Träger erhöhen, gehen wir mit. Landrat Rydzewsky: „Das Maß aller Dinge ist das Publikum, die Politik muss die Rahmenbedingungen schaffen... Wir sind spät dran, aber wir müssen einen Weg finden, wie es weiter geht.” Auch im Geraer Stadtrat haben sich alle Fraktionen für den Erhalt des Fünf-Sparten-Hauses ausgesprochen. OB Wolf: Bund und Land klinken sich immer mehr aus der Verantwortung. Trotzdem will die Stadt nochmals ihren Anteil etwas erhöhen. So konkret ist kein anderer geworden.

Einhellig wurde aber von mehreren Rednern festgestellt, dass es die Landesregierung versäumt habe, weitere Kreise, so Saale-Holzland und Greiz in die Finanzierung einzubeziehen. Durch die Beförderung des Ballett-Ensemble zum „Staatsballett“ habe es zwar eine kleine Entlastung gegeben, aber die technische Betreuung des Ensembles, Beleuchtung, Ausstattung und vieles andere liegen nach wie vor beim Theater, und das kostet Geld.

Die Entwicklung in Gera/Altenburg wird offenbar in ganz Deutschland mit Interesse verfolgt. „Die Fusion der beiden Häuser Gera und Altenburg war eine ganz tolle Leistung, da hat ganz Deutschland zugeschaut... Die fünf Sparten sind ein Gesamtkonzept, die kann man nicht auseinander dividieren. Das muss ein Tabu werden!“ meinte Bühnenvereins-Vertreter Holk Freytag und unterstützte damit auch die These der Kaufmännischen Geschäftsführerin des Theaters, Andrea Schappmann: Wir haben keine Theaterkrise, aber wird haben eine massive Finanzierungskrise.

Nach gut zwei Stunden Diskussion auf der Bühne, erhielten die Gäste das Wort. Schauspieler verlasen Statements von namhaften Kollegen, Besucher versicherten immer wieder, wie sehr ihr Herz am Theater hängt, stellten aber auch viele Fragen. Der Generalintendant war bei ihrer Beantwortung nicht zu beneiden. Ein kleiner Ausschnitt: In Gera wurde „Die Zauberflöte“ nur zweimal vor ausverkauften Haus gespielt. Warum nicht öfter? Antwort: Wir hätten zwei weitere Abende planen können, die Nachfrage war so groß. Aber für die acht Sänger im Musiktheater war es nicht möglich, sie brauchen auch Zeit für Proben, zumal manches nur durch Überstunden machbar ist. Insgesamt wären weitere Vorstellungen teurer als die Einnahmen. „Was kann das Theater selbst noch einsparen?“ Antwort: Wir sparen rund eine Million Euro jährlich ein, mehr ist einfach nicht drin. Früher wurden viel mehr Gäste verpflichtet, das hat Besucher angezogen...“ Antwort: Auch das ist finanziell einfach nicht machbar. „Warum gibt es an Sonnabenden keine Veranstaltungen in Altenburg?“ Antwort: Auch dazu fehlen die erforderlichen Möglichkeiten und Mittel.“ Unbeantwortet blieb eine Frage eines Geraers an die Kommunalpolitiker: „Wann haben Sie den nächsten Termin beim Finanz- und dem Kulturminister? Offenbar kann Hilfe nur durch eine Umschichtung der Mittel erreicht werden?!

Fast ein Schlusswort: „Wollen wir es uns wirklich leisten, dass Schauspieler und Techniker beim Existenzminimum angekommen sind? Was ist mit einem gezielten Sponsorentum und einer privaten Teilfinanzierung? Das wollte ein Altenburger Unternehmer wissen. Niemand konnte auch ein schlüssiges Argument für die Feststellung eines weiteren Besuchers geben: Warum hat ein Staat, der Unternehmen  und Banken großzügig rettet, für die Kultur so wenig Geld?“ Kann man ein Schauspielhaus ohne Lessing, Goethe und Schiller im Spielplan, ohne moderne Dramen auf der Bühne aber auch ohne das Puppenspiel für die nächste Generation der Besucher überhaut noch Theater nennen? „Theater ist Teil der Wertevermittlung; Theater heißt, sich ins Leben einmischen und auch einmal provokant zu sein“. (OB Michael Wolf).

Die Altenburger wollten sich einmischen und Demokratie in Kommune und Land einfordern.

( Reinhard Schubert, 05.04.2012 )

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