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Lokaler Aktionsplan: "Toleranz fördern - Kompetenzen stärken"

Wie tolerant ist Geras Innenstadt? Mit dieser Ausgangsfrage im Hinterkopf führten die Frauen vom Demokratischen Frauenbund (dfb) eine Befragung im Zentrum der Otto-Dix-Stadt durch. "Wir haben uns auf das Stadtzentrum konzentriert, weil wir hier mit unserem dfb-Büro und Frauenkommunikationszentrum ansässig sind. Das Ziel dieser Umfrage war es, herauszufinden inwieweit es noch Handlungsbedarf gibt und wir daraufhin aktiv werden müssen. Die Fragebögen haben wir u.a. in der Stadtverwaltung, Ehrenamtszentrale, im Art Club, in der Evangelischen Gemeinde und im Zabelgymnasium verteilt. Des Weiteren haben wir unsere eigenen Mitarbeiter vom Frauenkommunikationszentrum befragt. Rund 150 Personen haben sich den Fragen zum Thema Toleranz, Migration und Frauen in Gera gestellt", erklärt Constance Bachmann, Leiterin des dfb-Frauenkommunikationszentrums und gemeinsam mit Jana Walosczyk Initiatorin dieser Studie. Für eine optimale Fragestruktur und eine professionelle Auswertung holten sie sich Dr. Rainer Willms mit ins Boot. "Den Begriff der Toleranz kann man nicht erfragen. Jeder würde auf die Frage, ob er tolerant sei, mit ja antworten", erklärte er. Also galt es auf subtile Art und Weise die Personen zu befragen.
14 Fragen sollten den Initiatoren Aufschluss über die Akzeptanz anderer Glaubensrichtungen sowohl in der Öffentlichkeit als auch im Arbeitsleben, gemischter Schulklassen, kinderreichen Familien im eigenem Wohnumfeld und Chancenungleichheit zwischen Frau und Mann geben. Die Zielgruppen waren eben so breit gefächert wie die Inhalte. Unter den 150 nicht ganz willkürlich befragten Personen waren die Altersgruppen bis 30 Jahre, zwischen 30 bis 50 Jahre und 50plus vertreten.
Heraus kam laut Umfrageergebnis u.a., dass die Hälfte der Befragten andere Glaubensrichtungen in der Öffentlichkeit akzeptieren, jedoch im Berufsleben eher ablehnen, wobei gut die Hälfte einen Migranten in ihrem Unternehmen, sofern sie eins hätten, beschäftigen würden. Zwei Drittel und mehr würden ihr Kind in eine gemischte Klasse geben und sich auch von qualifizierten Migranten unterrichten lassen. Insgesamt sollten neun der 14 Fragen zum Thema Migration Aufschluss geben. Fünf andere widmeten sich ausschließlich dem Thema Frau und Familie. Das Ergebnis zeigte u.a., dass 90 Prozent der Befragten eine weibliche Chefin akzeptieren, rund 60 Prozent eine behinderte Frau einstellen und 70 Prozent kinderreiche Familien im Wohnumfeld Willkommen heißen würden. Nur eine Frage versetzten nicht nur die Initiatoren ins Staunen. Auch die 15 zur Präsentation eingeladenen Personen, Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Vereinen und Organisationen ansässig im Zentrum der Stadt, waren verblüfft. Denn auf die Frage, ob die unterschiedliche Chancengleichheit zwischen Mann und Frau akzeptiert werde, splittete sich die Meinung. 32 Prozent sagten ja, ein weiteres Drittel sagte "man sollte dagegen etwas tun" und 27 Prozent antworten mit nein. "Anhand dieser Frage wird deutlich, wie zwingend notwendig eine ausgetüftelte Fragestellung im Rahmen eine Umfrage sein muss, um keine Zweideutigkeit in der Frage selbst aufkeimen zu lassen", erklärte Dr. Willms. So seien Fragebögen die subjektive Widerspiegelung einer selbst, die erst in der Summe das Objektive widergeben.
Trotz alledem wollen Jana Walosczyk und Constance Bachmann dieses Ergebnis zur Grundlage nehmen, um weiterhin im Standzentrum aktiv zu sein. "Noch haben wir keine genauen Ziele und Handlungsfelder definiert, wollen aber auf dieses Ergebnis aufbauen", so Jana Walosczyk, die im Rahmen des Lokalen Aktionsplans "Toleranz fördern - Kompetenzen stärken" das Projekt koordiniert. Auch wenn noch keine konkreten Ideen gefasst sind, so wollen sie mit zwei weiteren Bausteinen zum Lokalen Aktionsplan beitragen. "Wir beteiligen uns zum Straßenfest am 6. August mit einem Fest entlang der Heinrichsstraße 38 und organisieren am 28. September im Rahmen der Interkulturellen Woche einen Tag der offenen Tür", blickt Constance Bachmann in die Zukunft.

( Fanny Zölsmann, 14.07.2011 )

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