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Die Strafe folgt auf dem Fuße

Erziehung ist eine Aufgabe, die in vielen kleinen und großen Momenten des Alltags geschieht. Sie passiert dort wo Kinder leben, lernen, spielen und erleben. Erziehende sind in erster Linie die Eltern. Die Erziehung soll Kinder in vielerlei Hinsicht stark machen: ihr Leben zu bestimmen, Herausforderungen zu begegnen, Beziehungen einzugehen, Rückschläge zu verkraften, sich eine Meinung zu bilden und andere Meinungen zu akzeptieren. Doch was ist wenn die Erziehung der Kinder nicht erfolgreich verläuft?
Seit zehn Jahren kämpfen Jugendgerichtshilfe, Polizei und Staatsanwaltschaft gegen Kinderdelinquenz und Jugendkriminalität in Gera. "Und das ist uns partiell gelungen", so Thüringens Justizminister Dr. Holger Poppenhänger während der Festveranstaltung zu zehn Jahren Jugendstation Gera. "Während es zu Beginn unserer Tätigkeit noch rund 40 Prozent der Jugend unter 21 Jahren Straftaten ausübten, sprechen wir heute von weniger als 25 Prozent", so der Minister.
Im Jahr 2000 wurde die Jugendstation Gera auf Initiative des Thüringer Justizministeriums ins Leben gerufen, mit dem Ziel staatliche Reaktionen auf Straftaten junger Menschen zu beschleunigen und Jugendkriminalität nachhaltig zu senken.
Unmittelbar nach Eingang der Anzeige wird die Staatsanwaltschaft von der Polizei benachrichtigt. Daraufhin werden in Abstimmung zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft weitere Ermittlungsschritte festgelegt und die Jugendgerichtshilfe informiert. So haben die Jugendlichen nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen die Möglichkeit mit der Jugendgerichtshilfe Kontakt aufzunehmen. "Es folgt sprichwörtlich die Strafe auf dem Fuße und das ist gerade bei jungen Heranwachsenden eine wichtige Maßnahme", betont Innenminister Professor Dr. Peter-Michael Huber. Denn es ist die Aufgabe aller Träger und Kooperationspartner, dazu gehören Schulen, Fachdienste, Institutionen sowie freie Träger der Jugendhilfe, Verbände und Vereine, die Jugendlichen schnellstmöglich wieder in die Gesellschaft zu integrieren, damit sie nicht wieder auf die schiefe Bahn geraten. Und so ist es vielmehr die Hilfe, die auf dem Fuße folgt.
Die Jugendgerichtshilfe übernimmt die sozialpädagogische Begleitung der jungen Straftäter bei der Ausführung der durch die Staatsanwaltschaft oder das Gericht angeordneten Maßnahmen, z.B. Arbeitsstunden, Täter-Opfer-Ausgleich, Drogenseminar, sozialer Trainingskurs, Entschuldigung beim Opfer, Betreuungsweisung oder Verkehrserziehung. So wird auch versucht, die Verfahren überwiegend mit der Diversion zu beenden, d.h. eine ohne Strafurteil erfolgende Sanktionierung. Es habe sich, laut Dr. Poppenhänger, bewährt, vor zehn Jahren einen experimentellen Weg mit alternativen Sanktionierungsmaßnahmen zu gehen.
So bleibt dennoch die Frage im Raum, warum junge Menschen überhaupt ins kriminelle Abseits geraten. Denn es ist das eine, die Tat aufzuklären, aber vor allem das andere, die Ursachen für diese Tat zu ergründen. "Die Ursachen liegen im gesellschaftlichen Umfeld. So rufen Defizite in der vorpubertären Phase Unsicherheit in den Heranwachsenden hervor, welches das Übertreten gesellschaftlicher Normen zur Folge haben könnte. So zählen u.a. mangelnde Kommunikation, beengte Wohnverhältnisse, eine gewaltvolle Erziehung gepaart mit Filmen oder Videospielen, die den Gebrauch von Gewalt verherrlichen, zu den Risikofaktoren. Diese können dann Markenwahn, Alkoholkonsum, Computerwahn oder Delinquenz hervorrufen", verdeutlicht Thomas Villwock, designierter Leitender Oberstaatsanwalt für die Staatsanwaltschaft Gera, dass eine mangelnde Erziehung normwidriges Verhalten auslösen kann. Es sei daher ein wesentlicher Schritt, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, da nicht jeder Jugendliche die Ursachen für seine Straftat kennt oder erkennt.
Die Jugendstation ist ein Vorzeigeprojekt, denn es ist bis dato das einzige seiner Art in Thüringen. Für den Erfolg dieses Models sprechen nicht nur die Zahlen. Im kommenden Jahr soll eine weitere Jugendstation in Jena aufgebaut werden.

( Fanny Zölsmann, 08.10.2010 )

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