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Tag der deutschen Einheit

Gera (NG/chs). 20 Jahre deutsche Wiedervereinigung. Das sind 20 Jahre, die Deutschland und die Welt verändert haben. 20 Jahre Demokratie, Rechtsstaat und bürgerliche Freiheit in beiden Teilen Deutschlands. Vieles wurde in dieser Zeit erreicht, die Erfolge bei der Erneuerung der Städte und der Infrastruktur sind unübersehbar.
Die Festveranstaltung für die Geraer findet am Sonntag, 3. Oktober, 14 Uhr (ab 13.30 Uhr Sektempfang) im Konzertsaal der Bühnen der Stadt Gera statt. Oberbürgermeister Dr. Norbert Vornehm wird die Gäste begrüßen und zu ihnen sprechen. Als Festredner konnte der Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Dr. h. c. Wolfgang Thierse, gewonnen werden. Das Grußwort der Kirchen überbringt der Jenaer Pfarrer Ansgar Pohlmann. Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung durch den Aequalis-Frauenchor Gera und das Kammerorchester der Musik- und Kunstschule Gera. Kostenfreie Eintrittskarten gibt es im Vorfeld im StadtService H35.
Das Stadtmuseum Gera lädt im Anschluss, 16 Uhr, zu einer Lesung ein. Professor Dr. Erika Maier liest aus ihrem neuesten Buch "Einfach leben - hüben wie drüben". Bei der Vorstellung von zwölf Doppelbiografien aus Ost und West zeigt die Autorin auf, dass die gesellschaftlichen Bedingungen das Leben der Menschen beeinflusst haben, aber sie lässt die Menschen auch über sich selbst sprechen. Ärztinnen und Handwerker, Lehrerinnen und Autobauer und weitere erzählen über ihren Alltag und über viel Persönliches - hüben wie drüben.
Auch die Anfang der Woche eröffnete Ausstellung "OstMenschen - WestMenschen" im Geraer Museum für Angewandte Kunst rückt das Thema in den Mittelpunkt. Die Exposition vereint rund 120 außergewöhnliche Arbeiten der Fotografen Dieter Demme aus Erfurt und Pitze Eckart aus Kassel (siehe Foto v.l.). Die gegenübergestellten Aufnahmen überraschen, denn Eckarts "Westmenschen" und Demmes "Ostmenschen" sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Weder bei der Kleidung noch bei den Frisuren lassen sich eindeutige Unterscheidungsmerkmale ausmachen. Oftmals lässt sich der Westen nur an Zigaretten-, Cola- und Bierwerbung erkennen.
Die Ausstellung der beiden Fotografen rüttelt an Klischees, mit denen sich die Menschen auch heute, zwei Jahrzehnte nach der deutschen Wiedervereinigung, noch für den Alltag wappnen. Die Ausstellung ist bis 30. Januar 2011 zu besichtigen.

Die Statistischen Ämter der Länder haben zum 20. Jahrestag der Wiedervereinigung am 3. Oktober 2010 die Entwicklungen in den 16 deutschen Ländern anhand statistischer Daten und Fakten unter die Lupe genommen. Entstanden ist die Gemeinschaftsveröffentlichung "Von Bevölkerung bis Wahlen - 20 Jahre Deutsche Einheit in der Statistik". Im Fokus steht die Frage, wie sich die Lebensverhältnisse im wiedervereinigten Deutschland entwickelt haben:
Hohe Abwanderung und kräftige Geburtenrückgänge führten v.a. in den 90ern in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Sachsen zu einer deutlichen Verringerung der Einwohnerzahlen. In diesen Ländern ist die Bevölkerungszahl heute zwischen 10 und 16 Prozent kleiner als vor 20 Jahren. Speziell in Thüringen betrug im Jahr 2008 der Bevölkerungsrückgang 11,8 Prozent des Standes von 1991. Bayern, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein profitierten Anfang der 90er am stärksten von Zuwanderungen.
In allen Bundesländern ist die demografische Alterung spürbar. In den neuen Ländern ist dieser Effekt jedoch stärker. Zu Beginn der 90er war der Anteil der jungen Menschen dort vergleichsweise hoch, in der Folgezeit sind aber besonders viele junge Menschen aus den neuen Ländern abgewandert. In Thüringen sank der Anteil junger Menschen unter 20 Jahren von knapp 25 Prozent im Jahr 1991 auf nur noch 15 Prozent im Jahr 2008. Zugleich erhöhte sich der Anteil der Älteren ab 65 Jahren von 14 auf über 22 Prozent. Auch der kräftige Einbruch der Geburtenrate hat zur stärkeren Alterung der Gesellschaft in den neuen Ländern beigetragen. Hinsichtlich der Geburtenrate ist 20 Jahre nach der Wiedervereinigung kein Unterschied mehr zwischen den alten und den neuen Bundesländern festzustellen.
Zwischen 1991 und 2009 stieg das Bruttoinlandsprodukt um 23 Prozent. Aufgrund des geringen Ausgangsniveaus und des Aufholprozesses waren die Wachstumsraten in den neuen Ländern in den 90ern besonders hoch. In den neuen Bundesländern legte der Wert der produzierten Waren und Dienstleistungen mit 77 Prozent deutlich stärker zu als in den alten Ländern (plus 19 Prozent; jeweils ohne Berlin). Das stärkste Wachstum verzeichnete in dieser Zeit Thüringen; hier hat sich das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt nahezu verdoppelt. Insgesamt hat sich der Anteil der neuen Länder am deutschen Bruttoinlandsprodukt im Betrachtungszeitraum von sieben auf knapp zwölf Prozent erhöht.
In Deutschland gab es im Jahr 2009 insgesamt knapp 40,3 Millionen Erwerbstätige, das waren 1,64 Millionen bzw. 4,3 Prozent mehr als 1991. Die Entwicklung in den Ländern verlief jedoch sehr unterschiedlich. Während Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Bayern mit jeweils etwa 11 Prozent deutliche Zuwächse verzeichnen konnten, sank die Zahl der Erwerbstätigen in Sachsen-Anhalt und Thüringen (minus 17 Prozent) deutlich. Zusammengefasst verloren die neuen Bundesländer als Folge des enormen Strukturumbruchs seit 1991 etwa 1 Million Arbeitsplätze, in den alten Ländern (jeweils ohne Berlin) kamen bis 2009 dagegen knapp 2,7 Millionen Arbeitsplätze hinzu.
Seit 1991 ist das verfügbare Einkommen in den neuen Ländern wesentlich stärker gestiegen als in den alten Ländern. Dadurch haben sich die extremen Unterschiede, die es kurz nach der Wiedervereinigung noch gab, deutlich verringert. Im Jahr 1991 lag das Einkommen, das die Menschen für Konsum- und Sparzwecke zur Verfügung haben, in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen noch um über 40 Prozent unter dem damaligen Durchschnittswert der 16 Länder (12.509 Euro/Einwohner); bis 2008 ist der Abstand vom Durchschnitt (18.974 Euro/Einwohner) auf 21 Prozent und weniger zurückgegangen. Für Thüringen bedeutete dies eine Verdopplung des verfügbaren Einkommens im Betrachtungszeitraum von durchschnittlich 7.150 auf fast 15 300 Euro je Einwohner.
Im Bundesdurchschnitt wurde 2009 für jedes fünfte Kind unter drei Jahren die Betreuung in einer Kindertageseinrichtung oder in der öffentlich geförderten Kindertagespflege in Anspruch genommen. Weit über diesem Durchschnittswert lagen Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Thüringen, Berlin und Sachsen mit Werten zwischen 40 und 55 Prozent. Für die 3- bis unter 6-Jährigen lag die Betreuungsquote 2009 bundesweit bei 92 Prozent. Rheinland-Pfalz wies in dieser Altersgruppe mit 96,2 Prozent die höchste Quote aus, dicht gefolgt von Thüringen (95,9 Prozent). Die niedrigsten Betreuungsquoten wurden in Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen und Niedersachsen ausgewiesen.
An der Wahl zum 12. Deutschen Bundestag beteiligten sich 1990 von den mehr als 60 Millionen Wahlberechtigten im Durchschnitt in allen Ländern knapp 78 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern nutzten damals die wenigsten Wahlberechtigten ihr Stimmrecht und im Saarland die meisten. Bei der Wahl zum 17. Bundestag im Jahr 2009 beteiligten sich deutschlandweit nur noch knapp 71 Prozent und damit so wenige wie noch nie bei einer Bundestagswahl. In Thüringen ging die Wahlbeteiligung in diesem Zeitraum von 76,4 auf 65,2 zurück.

( 30.09.2010 )

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