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Geraer haben nicht locker gelassen

Bis zu Menschen aus Gera, Jena, Weimar, Erfurt und anderen Bundesländern haben es geschafft, am vergangenen Sonnabend ein deutliches Zeichen gegen das Nazi-Rock-Konzert auf der Spielwiese zu setzen. Damit überstieg die Zahl der Demonstranten deutlich die der Rechten. Das erst seit Februar diesen Jahres existierende Aktionsbündnis "Gera gegen Rechts", die enorme Medienpräsenz sowie der heftig frequentierte Internetauftritt des Bürgerbündnisses hat also Wirkung gezeigt: Die noch im letzten Jahr von 4.000 Nazis besuchte Propagandaveranstaltung hat in diesem Jahr nur rund ein Viertel seiner Anhänger anziehen können. Im Gegenzug dazu sind zu den 2009 auf die Straße gegangenen 700 Geraern diesmal deutlich mehr Menschen zu den Protesten gekommen. Das Aktionsbündnis wertet diese Entwicklung als "erfolgreiches breites zivilgesellschaftliches Engagement gegen Rechts".
Allein zum Friedensgebet in die St. Trinitatiskirche waren mehr als 350 Geraer gekommen, teilt der Evangelisch-Lutherische Kirchenkreis Gera mit. Nicht alle fanden in der überfüllten Kirche Platz, in der u.a. Stadtjugendpfarrer Michael Kleim zu einem ökumenischen Gebet gegen Nazipropaganda, kriminelle Energie und Hass eingeladen worden war. Probst Reinhard Werneburg, Regionalbischof Westthüringen, forderte die Menschen auf, sich nach dem Motto "Nächstenliebe verlangt Klarheit" in die Gesellschaft einzumischen. Niemals sollten sie Rassismus und Gewalt schweigend hinnehmen, sondern stattdessen den Mut finden gemeinsam dagegen aufzustehen.
Der anschließende Gang zur Heinrichsbrücke machte die große Zahl der protestierenden Bürger deutlich. Zeitweise war die gesamte Heinrichstraße zwischen Kirche und Comma mit Menschen gefüllt. Neben dem zentralen Protestbereich rund um die Heinrichsbrücke hatten sich zudem mehrere hundert Bürger vor dem Eingang zum Nazi-Konzert an der Spielwiese, am abgesperrten Schlachthof-Steg sowie am Hinterausgang des Südbahnhofes zusammen gefunden. Auf dem Sachsenplatz verfolgten viele Geraer die Kundgebung "Gera - bunt, tolerant, weltoffen - Kein Platz für Nazis!". Hierzu hatten der Runde Tisch, die Stadt Gera, Stadtratsfraktionen, Institutionen, Gewerkschaften und Verbände eingeladen.
Laut Polizeiangaben sind die Protestaktionen gegen die NPD-Veranstaltung insgesamt "sehr friedlich" verlaufen, so Einsatzleiter Polizeidirektor André Röder. Für den Großeinsatz waren Beamte der Polizeidirektion Gera und Thüringens, der Bereitschaftspolizei Thüringen sowie aus Bundespolizei sowie Landespolizei Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Sachsen nötig gewesen. Eine genaue Zahl der eingesetzten Polizeikräfte wollte man auf Anfrage jedoch nicht kundgeben. Da zur Nazi-Demo in Erfurt am 1. Mai 2010 für knapp 400 Nazis und 1.200 Gegendemonstranten zirka 1.000 Polizisten vor Ort waren, kann man aber auch in Gera von etwa 1.000 Polizeikräften ausgehen.
Besondere Anerkennung erhielt Geras Oberbürgermeister, der sich sowohl zum Friedensgebet in St. Trinitatis, als auch auf Heinrichsbrücke und Sachsenplatz zeigte. Auch auf der spontanen Demo vor den Gera Arcaden am Nachmittag wurde die klare und entschiedene Haltung Dr. Vornehms von allen Seiten befürwortet. "Ich bin stolz, dass sich so viele Menschen zusammengefunden haben, um zu zeigen, dass wir diese ‚Gäste‘, die seit Jahren im Juli unsere Spielwiese bevölkern, in unserer Stadt nicht haben wollen. Ich plädiere dafür, erneut ein Verbot der NPD anzugehen. Eine verbotene Partei kann auch keine Kundgebungen mehr durchführen. Wir werden nicht locker lassen, bis uns unsere Spielwiese wieder allein gehört. Die Zeichen, die wir am 10. Juli gesetzt haben, sind so unübersehbar, dass ich gute Chancen dafür sehe", so der OB.
Nach Aussage der Stadtverwaltung hat die NPD noch keine Kundgebung für 2011 in Gera angemeldet. Bleibt zu hoffen, dass es die Geraer gemeinsam schaffen, in den kommenden Jahren das Nazi-Konzert in Gera zu verhindern - gemäß der Vision "Keine Spielwiese für Nazis!".

( Christine Schimmel, 15.07.2010 )

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