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Über den kollektiven Erfolgsdruck

Nun ist es wieder soweit. Die Fußball WM steht vor der Tür und die kollektive Anspannung der deutschen Bevölkerung steigt unweigerlich an. Wie immer ist Deutschland ein Mitfavorit, wie sollte es denn auch anders sein. Die Deutschen sind gefürchtet, weniger wegen ihrer Technik, als vielmehr wegen ihres Kampfgeistes. Und so darf man als Fußballfan hoffen, dass es auch ohne Michael Ballack etwas wird.
Gleichzeitig bringt das Spektakel auch immer diverse Nebenerscheinungen mit sich. Zum einen wäre da der plötzlich aufkommende Nationalstolz. Männer, Frauen und Kinder besinnen sich in diesen Tagen auf ihre Nationalität, ja sind sogar stolz auf diese. Mit dem Nationalstolz ist es ja bei den Deutschen so eine Sache, ein äußerst ambivalentes Thema. Doch bei einer WM steigt der Verkauf von Deutschandfahnen ungemein. So wird man auch dieses Jahr wieder viele kleine Fähnchen an den bundesdeutschen PKWs bewundern dürfen. Die Bevölkerung sieht Schwarz, Rot, Gold. Auch im Supermarkt werden nun etliche Artikel als WM-Artikel angepriesen. Jeder möchte einen Teil vom WM-Kuchen abhaben, denn letztlich ist es ja auch ein Geschäft. Vom Schokoladenriegel, über T-Shirts bis hin zu diversen Fast Food Produkten, alles wird in diesen Tagen das WM-Label tragen.
Natürlich trägt das Fernsehen auch seinen Teil dazu bei, wie sollte es auch anders sein. Schon seit einigen Wochen werden die unvermeidlichen WM-Klassiker wiederholt und analysiert. Das Gründungsmythos der BRD (das Wunder von Bern), die offene Rechnung mit den Engländern (Wembley Tor), dass innerdeutsche Duell (Danke Jürgen), die Schmach von Cordoba ("I wer` narrisch"), so wie die Finalsiege gegen Holland (74) und Argentinien (90). Da Deutschland bei jeder WM dabei war, gibt es auch genug zu recherchieren, ja sogar soviel, dass das DSF fast wieder als Sportsender betrachtet werden kann. So bleibt die Berichtserstattung von Herbert Zimmermann von 1954 ein absoluter Meilenstein, welche bis heute Maßstäbe setzt, samt Gänsehautgarantie ("aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen"/ "aus, aus, Deutschland ist Weltmeister"). Welche symbolische Bedeutung die Übertragung, als auch die WM von 1954 besaß, zeigte 1979 Rainer Werner Fassbinder und nutzte beides für das filmische Finale seines Wirtschaftswunderepos "Die Ehe der Maria Braun". Paul Breitner wiederum wird erzählen, dass ihm heute noch schlecht wird bei dem Gedanken an seinen Elfmeter (danke für die Schwalbe Herr Hölzenbein) im Finale 1974; und der "Lothar" wird sich wieder herausreden und erklären, warum der "Andy" den Elfmeter gegen Argentinien 1990 geschossen hat (ja, ja, der kaputte Schuh).
Auch musikalisch hat so eine WM eine Menge zu bieten. Neben den offiziellen Songs werden auch die WM-Klassiker gerne gespielt. Dazu gehören auch jene etwas holprigen und unfreiwillig komisch wirkenden Co-Produktionen der Nationalmannschaft mit diversen Künstlern. Aber auch Xavier Naidoo, die Sportfreunde Stiller, Herbert Grönemeyer, Ricky Martin, Stefan Raab wird man nun wieder öfter hören.
Zu guter letzt hat so eine WM noch einen geschlechterspezifischen Nebeneffekt: Frauen schauen Fußball. So wird man seiner Frau oder Freundin auch dieses Jahr wieder erklären müssen, was denn ein "Abseits" ist. Und weil Frauen nun einmal Frauen sind, interessieren sie sich vielmehr für den hübschesten Spieler, als auch für die Trikots der Jungs. Dennoch können auch sie sich der Macht eines solchen Massenphänomens nicht entziehen. Und so wird die ganze Nation am 13. Juni angespannt vor ihren Fernsehgeräten sitzen und der Nationalmannschaft kollektiv die Daumen drücken. Was Lena in Oslo schaffte, muss nun die Nationalmannschaft in Südafrika wiederholen. Die nächsten Wochen gehören der Nationalmannschaft. Viel Erfolg, wir glauben an Euch!

( Marcus Schulze, 10.06.2010 )

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