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Sport beim Rundgang im Stadtmuseum

Ehrlich gesagt, es begann mit einem "Westpaket". Dann wollte ich es genauer wissen: Sport erlebt man im Stadtmuseum mehr als man für eine Dauerausstellung annehmen mag. Man muss nur gezielt Ausschau halten. Denn Turnen, Gymnastik und später das Wort Sport haben auch so ihre eigene Geschichte oder Gersche "Helden". Bei der zweifachen Weitsprung-Olympiasiegerin Heike Drechsler ist uns die Einmaligkeit ihrer Leistungen wohl noch recht geläufig.
Auch wenn die Erinnerung vielleicht schon blasser wird, sollte man sie auch als Sprinterin und Mehrkämpferin, vor allem aber als Mensch einschätzen. Jedenfalls war die Ehrenbürgerin der Stadt großzügig und suchte in ihrem Fundus nach Medaillen von Spartakiade- bis Olympiade-Zeiten, fand DDR-Rekord- und Weltrekordplaketten zum 200-Meter-Lauf und Weitsprung (7,45 m / Tallin 1986). Sie bot u.a. Trikots und sehr persönliche Erinnerungsstücke an einige Stationen langen Sportlerseins für Teil zwei der Exposition "Die Geschichte Geras von 1914 bis heute" an. Das alles landete in einem dicht gepackten Paket aus Karlsruhe, dem heutigen Wohnsitz Heikes, auf dem Tisch der Museumsmitarbeiter und stellte die vor eine angenehme Qual der Wahl. Auch Mario Oehme, der Paralympics-Sieger im Bogenschießen, stiftete Anzug und Pfeil. Olaf Ludwigs Rennrad und ein Siegerkranz von der Friedensfahrt fanden neue Halterungen. Die Marketingleutchen der "Stadt des Sports" dürften zudem ihre Freude an Plakaten zum Boxen oder einer noch jungen Chroniken der Leichtathletikgeschichte haben. Aber sie werden auch erinnert an Aktive und Leistungen, die in jüngerer Vergangenheit kaum ein Rolle spielten:
Dr. med. Bruna Wendel-Plarre (1903 in Gera geboren) war in der Nacht vom 24. zum 25. August 1938 bei nur 14 Grad Celsius Wassertemperatur die erste deutsche Ärmelkanal-Bezwingerin. Jetzt kann man sie in einem früheren Radiointerview noch einmal selbst über ihre Erlebnisse dabei, über das Helferteam, Umstände ihres zweifachen Antretens bis hin zur Dauerschwimmer-Ernährung mit Milchkakao, Bananen und Schokolade hören. Statt 33 Kilometer Luftlinie zog sie in 15 Stunden und 23 Minuten einen riesigen Bogen von 70 Kilometern zur englischen Kreideküste bei Dover, d.h. unter Einrechnung der Strömung bei überwundenen Wechseln von Ebbe und Flut. Wußten Sie, wie so eine Querung funktioniert?
Aus noch früherer Zeit fanden filmische und fotografische Zeugnisse Eingang in die jetzige Exposition des Stadtmuseums: Da war z.B. die Stadtsommerbad-Eröffnung 1924. Mode scheinen damals Ringen, Kraftsport wie einarmiges Gewichtheben oder Disziplinen der Leichtathletik in den späten Zwanziger hier gewesen zu sein. Von 1904 stammt ein Foto des ersten Geraer Fußballvereins in Pforten. Ute Heckmann erklärt dazu, dass der Gedanke an Wettkämpfe und anderes als Leibesübungen erst so um die Jahrhundertwende entstand.
Folge waren Gründungen von Spezialvereinen wie für Radfahrer, Ballspiele und Schwimmer.
Und so rutscht man immer tiefer in die Geschichte. Schließlich war Geras Lokal Reichskrone 1893 Gründungsort des nationalen Arbeiter-Turner-Bundes. "Frei Heil" seine Parole. Auch das ...Logo sieht anders aus, als man es nach Turnvater Jahns frisch, fromm, fröhlich, frei kennt.
‚Eine Ausnahme mögen die Schützen gewesen sein, deren Wehrhaftigkeit sich früher zum wettbewerblichen Vergnügen der Bürgerschaft wandelte. 1660 ist eine Jahreszahl in diesem Zusammenhang und wird 2010 zu einer Sonderausstellung führen. Darin sollen u.a. Schützenscheiben aus dem 19. Jahrhundert Platz finden, die kunstfertig von den Hofmalern Heinrich und Theodor Fischer geschaffen wurden. Und schließlich war vermutlich auch ein Büchsenmacher Geras erster Weltmeister: Richard Fischer gewann 1908 / 1909 zwei Mal Gold im Pistolenschießen. Damit schlösse sich der Rundgang, ohne erschöpfend berichtet zu sein. Wollen sie die Gedankenwanderung nicht selbst einmal probieren?

( Thomas Triemner, 11.02.2010 )

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