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Unschärfe für die abgehangenen Bilder - "Fotografen kommen nicht zurecht"

"Fotografen kommen mit meinen Bildern nicht zurecht", gibt Ernst Volland zu. "Sie haben Probleme mit der Unschärfe". Doch gerade das ist es, was Volland auszeichnet. Er nennt seine Werke "Eingebrannte Bilder" und so heißt auch die Ausstellung, die bis zum 21. Februar im Mittelteil der Orangerie zu sehen und in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung entstanden ist.
Die Schau, die bereits in Berlin und Stuttgart gezeigt wurde, erlebt seine Wirkung jedoch zum ersten Mal in einem Kunstmuseum, "ein wertfreier Raum, kein historischer, und das gefällt mir gut", gesteht Ernst Volland zur Ausstellungseröffnung.
Der Betrachter sieht sich mit 13 großformatigen Fotografien konfrontiert, die er zunächst als verschwommen wahrnimmt, doch rückt der Hintergrund ihm immer deutlicher ins Bewusstsein. Es sind Bilder, die in das Gedächtnis eingebrannt sind: das jüdische Mädchen Anne Frank zum Beispiel, der Zaun von Auschwitz, das Brandenburger Tor nach dem Mauerfall oder das berühmte Foto von Marilyn Monroe. Durch unzählige Veröffentlichungen erhielten sie einen hohen kollektiven Bekanntheitsgrad, wie auch jener Schnappschuss von dem Soldaten der Sowjetarmee, der die rote Fahne auf den Berliner Reichstag gehisst hat, der von dem russischen Fotografen Jewgeni Chaldej stammt. Ihn lernte Ernst Volland 1991 kennen. Das war der Anlass für den Künstler, sich mit historischen Fotos zu befassen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Er reproduzierte sie immer wieder, machte Abzüge mit unterschiedlichen Graduierungen - zunächst in der Dunkelkammer, später digital - bis sie eine neue künstlerische Bewertung erhielten. Durch die gezielt eingesetzte Unschärfe verfremdet und erweitert Ernst Volland die Bildinhalte um eine neue Bedeutungsebene. Fotos von aktuellen Anlässen, wie zum Beispiel jetzt von dem großen Leid in Haiti, könnte er niemals ästhetisch verändern. "Ein Bild muss abgehangen sein", sagt er.
Ernst Volland (Jahrgang 1946) bezeichnet sich selbst als politischen Künstler. "Ich halte mich für einen freien und unabhängigen Künstler, der nur das macht, was er für richtig hält", ist eine Aussage von ihm. Dabei brachten ihn gesellschaftskritische Plakate, Karikaturen und Fotomontagen oft mit der Justiz in Konflikt, es gab Prozesse, und Werke von ihm wurden beschlagnahmt. Er arbeitete für die satirische Zeitschrift "Pardon". 1982 erfand er den französischen Maler "Blaise Vincent", dessen Bilder er selbst malte und damit Aufsehen erregte.1987 gründete er die Fotoagentur "Voller Ernst", die skurrile und komische Fotos sammelt und anbietet. Ernst Volland ist in vielen Medien zu Hause. Er bestätigt sich als Maler, Filmemacher, Schauspieler, Publizist, Verleger und Herausgeber von Büchern zum Thema Fotografie. Jetzt ist er dabei, ein Buch zu schreiben und großformatige Bilder mit Buntstiften zu zeichnen.


( Helga Schubert, 22.01.2010 )

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