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Steinerne Urtiere, Sägeblätter und Kringel

Was verbirgt sich in den Tiefen der Magazine eines Museums wie das Museum für Naturkunde in Gera? Relikte aus Urzeiten unserer Erde? Schätze von hohem Wert? Wissenschaftliche Sensationen? Natürlich wissen Mitarbeiter um die Sammlungsbestände, dennoch stoßen sie immer wieder auf Entdeckungen, die vielleicht für die Allgemeinheit weniger spektakulär, aber für die wissenschaftliche Bewertung neue Aspekte ans Tageslicht befördern.
So erging es auch dem wissenschaftlichen Mitarbeiter des Naturkundemuseums Frank Creutzenburg, und dem freien Mitarbeiter des Fachdienstes Kultur Frank Hrouda bei der Vorbereitung auf eine Ausstellung zu der Fotografin Aenne Biermann und dem Geraer Heimatforscher und Freizeitgeologen Rudolf Hundt. "Aenne Biermann hat uns zu ihm geführt", bekannte Frank Hrouda, denn die ersten Detailfotos hat Aenne Biermann 1927 für Publikationen von Rudolf Hundt gemacht. "Mit Steinen und Versteinerungen und gemeinsamen Exkursionen hat es begonnen", hätte dieser den Weg der späteren berühmten Kunstfotografin geschildert. Der 1961 verstorbene Geologe hat sich sein ganzes Leben mit Graptolithen beschäftigt, millimetergroße Tiere, die vor Millionen von Jahren Kolonien bildeten und auf Schiefer ihre Abdrücke hinterließen. Er war ein Sammler aus Leidenschaft und hinterließ rund 40.000 Graptolithen. Und Aenne Biermann fotografierte einen Teil der steinernen Urtiere, Sägeblätter, Kringel oder Spiralen auf schwarzen Schiefer.
Frank Hrouda hatte den Ehrgeiz, beides zusammenzubringen: Hundtsche Graptolithen und die dazugehörige Fotografien von Aenne Biermann. In der Freiburger Sammlung wurde er fündig. Hier passen mindestens ein Foto und ein Fossil zusammen. Doch es ging noch um mehr. In der Ausstellung soll verdeutlicht werden, wie die Fundstücke, die zumeist aus der Hohenleubener Ecke stammen, heute bewertet werden und wie bedeutend sie für die Wissenschaft von heute sind. Dazu benötigten die Geraer Museumsleute einen Experten. Frank Hrouda begab sich zunächst bei Universitäten in Deutschland auf die Suche, doch Google macht’s möglich, er fand den international anerkannten Forscher in Sachen Graptolithen in Kanada. Hier lehrt Prof. Jörg Maletz, der gebürtiger Soltauer ist und mehr als acht Jahre in New York tätig war, an der St. Francis Xavier University in Antigonish. Er war begeistert von der Idee, die Hundtsche Sammlung zu bewerten und da er sich zu einem Weihnachtsurlaub in Deutschland aufhielt, kam er nach Gera.
Drei Tage brachte er im Keller des Naturkundemuseums zu und war fasziniert. Vor ihm lägen in den Kästen die Ergebnisse eines großen Sammlers, meinte der Professor, doch in der Wissenschaft habe Hundt keine Rolle gespielt. Das müsse sich ändern, ist er überzeugt. "Wenn man annimmt, dass Graptolithen gänzlich ausgestorben sind, so stimmt das nicht", behauptet Prof. Maletz. In ähnlicher Lebensform existierten sie noch. Graptolithen oder Schriftsteine seien deswegen so faszinierend, dass sie Auskünfte über Plattentektonik und die Geografie des Erdaltertums geben. "Für den Laien sind sie natürlich nicht so aufregend wie Dinosaurier, die die Fantasie beeindrucken", lächelt der Wissenschaftler, doch er habe sich schon als Student für die Abdrücke der winzigen Tiere im Schiefer interessiert. Wenn im Juli die Ausstellung über die zwei Geraer Persönlichkeiten eröffnet wird, will Prof. Maletz versuchen, dabei zu sein.
(Im Zusammenhang mit der Ausstellung werden Personen gesucht, die Rudolf Hundt noch kannten oder etwas aus seinem Leben wissen, denn es gibt keine gültige Biografie über den Geraer Heimatforscher. Kontakt über Tel. 520 03.

( Helga Schubert, 14.01.2010 )

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