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270 Thüringer leben mit AIDS

Freddie Mercury, Frontmann der weltberühmten Band Queen, unterrichtete am 23. November 1991 die Öffentlichkeit von seiner Krankheit. Er verstarb nur knapp ein Tag später an der Immunschwächekrankheit AIDS aufgrund einer Lungentzündung. Bereits vier Jahre zuvor soll er auf HIV positiv getestet worden sein. Trotz der Diagnose widmete er sich weiterhin mit aller Kraft der Musik. Freddie Mercury war die erste berühmte Persönlichkeit, die an AIDS starb. Mit seinem Tod rückte das Bewusstsein für HIV weiter in den Vordergrund.
Am 1. Dezember 1981 wurde AIDS als eigenständige Krankheit erkannt. Sieben Jahre später wurde der Welt-Aids-Tag erstmals durch die Weltgesundheitsorganisation ausgerufen. Mit der "Mach’s mit"-Kampagne macht die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung seit 1993 auf die Gefahren der HIV-Infektion und AIDS aufmerksam. Seit 1996 organisiert die AIDS-Organisation der Vereinten Nationen (UNAIDS) den internationalen Tag und ruft zur Solidarität mit HIV-Infizierten, AIDS-Kranken und deren nahestehenden Menschen auf.
Auch wenn AIDS schon lange nicht mehr Tabuthema Nummer Eins ist, sondern offen darüber gesprochen wird, bleibt die Hemmschwelle der Akzeptanz und Auseinandersetzung mit dieser Krankheit. "78 Prozent aller Jugendlichen im Alter von 14 bis 21 Jahren kennen sich mit dem Virus aus, kennen Ursachen und Folgen, doch nur jeder Zehnte benutzt ein Kondom", erklärt Britta Gerlach von der AIDS-Beratungstelle in Gera.
Seit zehn Jahren engagiert sie sich in unserer Stadt, um junge Menschen vor einer möglichen Ansteckung zu schützen, steht beratend zur Seite, führt anonyme Tests durch und gibt erkrankten Menschen Rückhalt. "Leider ebbt die Beratungs- und Testbereitschaft junger Menschen durch die Aufklärung und den Wissensaustausch über das Internet ab", resümiert sie. "Das ist jedoch nicht von Vorteil. Im Gegenteil, im Internet steht viel Falsches und in manchen Fällen suggeriert das Internet dem Leser, dass Medikamente vor Ansteckung schützen. Leider ist dem noch nicht so, auch wenn die Forschung täglich daran arbeitet" , so Gerlach weiter. Hinzu komme bei jungen Menschen eine Verharmlosung und gelegentliche Faszination von Gefahren, die bei manchen zu bewusst risikoreicherem Verhalten, dem sogenannten "Barebacking", führe und die dadurch z.B. bei einem Geschlechtsakt aus Leichtsinn oder bewusst auf ein Kondom verzichten.
Im letzten Jahr verzeichnete das Robert-Koch-Institut 3.000 Neuinfizierungen, insgesamt leben in Deutschland 63.500 Menschen mit AIDS. In Thüringen leben derzeit 270 Menschen mit der Immunschwäche. "Auch wenn für Thüringen die Zahlen noch sehr gering erscheinen, sollte das nicht zu einem falschen Bewusstsein führen. Die Dunkelziffer ist zehnmal höher, da sich nicht alle testen lassen. Klar, es kann auch an guten Präventionsmaßnahmen liegen, aber v.a. auch daran, dass die Erkrankten sich in die Anonymität von Großstädten flüchten", erklärt Britta Gerlach.
In den letzten vier Jahren stand der Welt-AIDS-Tag unter dem Motto "Gemeinsam gegen AIDS. Wir übernehmen Verantwortung - für uns selbst und andere". Damit will die UNAIDS neben der HIV-Infektion auch auf den kontinuierlichen Anstieg anderer sexuell übertragbarer Krankheiten hinweisen, die ebenfalls zu schweren Folgeschäden führen, wie z.B. Unfruchtbarkeit bei Chlamydien oder Krebs bei HPV oder Hepatitis B. Auch auf diese Krankheiten macht Britta Gerlach in ihren Beratungen u.a. in Schulen oder bei der Bundeswehr aufmerksam. "Gegen Hepatitis B sollte sich jeder impfen lassen. Und junge Mädchen, die noch keinen Geschlechtsverkehr hatten, rate ich zur HPV-Impfung, die von der Krankenkasse bis zum 21. Lebensjahr übernommen wird."
Britta Gerlach ist nicht nur am kommenden Dienstag, 1. Dezember, zum Welt-AIDS-Tag präsent. Das gesamte Jahr über gibt sie Seminare, organisiert Veranstaltungen und Ausstellungen und ist in ihrer Beratungsstelle, Gaga-rinstraße 68, Zimmer 203, für persönliche Gespräche mit Hilfesuchenden da. Am Sonnabend, 28. November, wird sie in der Diskothek Musicpark mit ihrem Team Kondome verteilen und am Mittwoch, 16. Dezember, ihren alljährlichen Besuch bei der Bundeswehr auf dem Hain absolvieren und die knapp 200 Bundeswehrneulinge aufklären.

( Fanny Zölsmann , 27.11.2009 )

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