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Reichen Katzen und Hunde nicht aus, muss erst ein Kind überfahren werden

Es scheint nun doch: "Schluss mit lustig!" Die Bürger von Unterröppisch sind es leid, sich mit leeren Versprechungen abspeisen zu lassen. Die Ortsdurchfahrt Richtung Gorlitzsch gestaltet sich zu einer Rennstrecke und das, obwohl sie auf 30 km/h und auf 3 Tonnen beschränkt ist. "Da hält sich ja keiner dran und in der Nacht ist es noch schlimmer", so der Einwand einer Anwohnerin. "So mancher Hund und manche Katze wurden Opfer dieser Raserei. Muss erst ein Kind überfahren werden, bis an den verantwortlichen Stellen der Stadt reagiert wird?", gibt eine weitere Bürgerin zu bedenken.
Der Volkszorn sitzt tief, und während sich die Teilnehmer an den kürzlich anberaumten Vor-Ort-Termin mehr und mehr Luft machten, fiel auch so manches harte Wort, von dessen Umsetzung Stefan Prüger, Fachdienstleiter Verkehr der Stadt Gera warnt. Auch wenn es nicht immer so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird, für Stefan Prüger und den Leiter des Fachgebiets Straßenverkehr, Andreas Bromme, durchaus nachvollziehbare Einwende, die die 20 Anwohner vorbrachten. Es ist Stefan Prügers psychologischen Geschick anzurechnen, dass er die erhitzten Gemüter immer wieder beruhigen konnte, denn der vorbeifahrende Verkehr während der gut 60-minütigen Gesprächsrunde ließ tief blicken, was die Anwohner täglich zu ertragen haben.
Dass der gefühlte Eindruck nicht immer dem tatsächlichen Sachverhalt entspricht, diese Erkenntnis konnte der Fachdienstleiter seinen Zuhörern nicht ersparen. Denn im Vergleich zu den Verkehrszählungen 2003 in Gorlitzsch hat sich die Zahl der durchfahrenden Fahrzeuge nicht wesentlich erhöht. 2.000 bis 2.400 täglich seien es jetzt in einer einwöchigen Messung gewesen. Lkw waren es im Schnitt 30 pro Tag und Schwerlastzüge gar nur zwei pro Tag. Und das Durchschnittstempo habe nicht erheblich über den 30 km/h gelegen.
Nüchterne Zahlen, die einerseits von den Bürgern akzeptiert werden müssen, andererseits wenig zur Lösung der anstehenden Probleme beitragen und schon gar nicht für den Abbau des über Jahre angesammelten Frusts. "Selbst als Erwachsener ist man sich seines Lebens nicht mehr sicher. Nirgends gibt es einen Gehweg", sagt ein Anwohner. "Und nicht selten bekommt man von den Autofahrern noch den Vogel gezeigt, weil er abbremsen muss", ergänzt ein weiterer Bürger.
So fürchten die Unterröppischer nicht nur um ihr eigenes Leben, sonder auch um den Erhalt ihrer Häuser. Durch die hohe Frequentierung zeigen sich immer mehr Risse in der Straßendecke, verbunden mit einem Absenken, was auch nicht ohne Wirkung auf die angrenzenden Häuser bleibt.
Hoffnung auf eine Lösung des Problems könnte der Neubau der Landstraße von Liebschwitz bis zur B 92 sein, die eine Verbindung für Autos von Lusan zur B 92 enthalten soll. Gewiss ein Thema für den nächsten Entwurf des Flächennutzungsplans der Stadt Gera. Doch was sich die Unterröppischer wünschen sind Sofortlösungen. Doch genau hier ist, wie meistens, der Hund im Detail begraben. "Die Straße Richtung Gorlitzsch zuschließen", so ein Vorschlag, den aber Stefan Prüger eher für nicht realisierbar hält, da es sich um eine Kreisstraße handelt und hier der Landkreis Greiz ein gewichtiges Wort mitzusprechen hätte. Auch den Vorschlag, Bodenwellen als Tempobremse einzubauen, kann der Fachdienstleiter nicht so zustimmen. Abgesehen von den nicht ganz eindeutig geklärten Rechtsfragen, wer die Kosten bei möglichen Beschädigungen an den Fahrzeugen trägt, verweist Stefan Prüger darauf, dass mit den Bodenwellen letztlich noch mehr Lärm geschaffen wird. Auch vor möglichen Akten der Selbstjustiz warnt der Stadtvertreter.
Was also bleibt zu tun? Eine Möglichkeit, mehr Kontrollen durch die Polizei. "Die dürfen sich dann aber nicht so hinstellen, dass man sie schon von Weitem sieht", berichtet eine Anwohnerin aus eigener Beobachtung. Und weiter: "Und was ist in der Nacht?" Ein Hoffnungsschimmer könnte sein, wenn die Stadt selbst blitzt. Nach Aussage von Stefan Prüger gehört die 30 km/h Zone in Unterröppisch zu den Gebieten, die dann zu überwachen sind. Wie ernst es den Anwohnern mit ihren Sorgen ist, zeigte sich auch daran, dass sie trotz des immer wieder einsetzenden Regens ausharrten. "Wir wollen als Bürger der Stadt Gera, auch wenn wir am Rande liegen, von der Stadt ernstgenommen werden. Seitdem wir Stadt sind, ist unser Dorf ein Sauhaufen", empört sich eine Bewohnerin.
Ob die Teilnehmer nach dem Vor-Ort-Termin aufgeklärter und beruhigter nach Hause gegangen sind - eher nicht. Es war ein Anfang mit einer Lösung ohne Zeitangabe. So wird die Geduld der gut 200 Bewohner von Unterröppisch weiter auf die Probe gestellt, in guter Hoffnung, dass die Stadt bald blitzt.

( Reinhard Schulze, 30.07.2009 )

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