Partner

gebr_frank.jpg
verlag_dr_frank_gmbh.jpg
onicom.de.jpg
gera.jpg
RPG_Logo_1.jpg


Hinweise

acrobat_reader.jpg

Button_E_paper.png

Schlagzeilen der Woche

zurück

Otto Dix und sonst nix?

Seitdem Gera mit dem Slogan der Otto-Dix-Stadt auftritt und nun auch mit dem Ankauf des Landeszentralbankgebäudes ein "Kunsthaus" im Zeichen des Geraer Künstlers etablieren will, drängt sich die Frage "Otto Dix und sonst nix?" förmlich auf. Um auch von den Stadtobersten und Vertretern der Kulturlandschaft Geras dazu ein Statement zu bekommen, hatten der DAKT Verein und der Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen in Gera zur Podiumsdiskussion geladen. Zum Gespräch über die Zukunft der Geraer Kulturpolitik hatten sich neben Oberbürgermeister Dr. Norbert Vornehm auch der Generalintendant von Theater&Philharmonie Thüringen, Prof. Matthias Oldag, Volker Tauchert vom Verein "Ja - für Gera" sowie Daniel Zein, von der Agentur artfullsounds im Haus der Pioniere zusammengefunden. Moderator Frank Karbstein hatte einiges zu tun, die angeregte Diskussion zu lenken. Rund 40 Zuhörer saßen am Freitagabend im Saal, doch aus dem Kulturbereich der Stadt hatte sich niemand hierher verirrt, um zu erfahren, was Diskussionsteilnehmer und Bürger zum Thema zu sagen hatten. Lediglich der Fachdienstleiter Kultur, Dr. Frank Rühling, war im Publikum auszumachen.
Selbstverständlich bekam der OB die erste Frage zugeworfen und konnte Dix als großes Marketingprodukt definieren. "Wer das Ziel nicht kennt, für den sind alle Wege falsch", hieß so auch sein Standpunkt. Dix sei Zielpunkt, der Gera nach außen bekannt macht - die Wege dorthin könne man freilich flexibel gestalten.
Auch Prof. Oldag steht fest hinter der Dix-Idee. Seiner Meinung nach müsse eine Stadt, genau mit dem punkten, was sie einzigartig macht. Doch Dix dürfe "kein Marketinggag sein, sondern ein Bekenntnis einer Stadt zu einem kulturellen Ereignis", so seine wichtige Anmerkung.
Ob man auch ohne Dix zurecht komme, wurde Daniel Zein gefragt. "Ja!", seine knappe Antwort. Man brauche Dix und auch das Kunsthaus sei wichtig, doch müsse man dem Bürger noch begreiflich machen, das alles als Ganzes die Kultur der Stadt widerspiegelt. Auch Volker Tauchert machte darauf aufmerksam, dass sich womöglich nicht jedermann mit dem Künstler identifizieren könne. Dieser Wunsch sei schlicht unrealistisch. Außerdem empfinde er es immer als riskant, nur auf eine Sache zu setzen. "Es ist gut mit Dix zu arbeiten, aber die Vielfalt einer Stadt zu zeigen, ist wichtiger", so Tauchert.
Wie man überhaupt darauf komme, dass die Geraer eine neue Art der Identifikation mit ihrer Stadt nötig hätten, fragte Karbstein schließlich. "Wir merken, dass seit unserer Dix-Strategie immer mehr Leute stolz auf ihre Stadt sind. Das ist auch die Voraussetzung dafür, damit Gera nach Außen positiv wahrgenommen werden kann.", darauf der OB. Oldag konnte hier anknüpfen: "Im Theater spüre ich bei den Leuten einen starken Bürgerstolz. Und das hat nicht nur mit dem sanierten Theaterhaus zu tun", versicherte er. Seiner Meinung nach gäbe dies die Chance, genau diese Euphorie auch mit dem geplanten Kunsthaus zu schaffen. "Es ist absolut notwendig, in Kunst und Kultur zu investieren, um die eigenen Bürger, aber auch überregional zu begeistern", so seine deutliche Ansage. Schließlich würde man auch heute Städte und Länder früher Zeiten danach bemessen, was die sich ihre Kultur haben kosten lassen.
Um solch langfristigen Erfolg zu schaffen, betrachtete Dr. Vornehm das Kunsthaus als eines von vielen Projekten der Kulturlandschaft. "Das Kunsthaus muss als zusätzlicher Mosaikstein profiliert werden, um die Stadt insgesamt attraktiver zu machen", so seine Aussage. Daneben nannte er auch den Hofwiesenpark mit seiner Veolia-Bühne, die Tonhalle und private Initiativen wie das Haus der Pioniere und das vom Kabarett Fettnäppchen betriebene Hofgut. Hier reagierte der junge Unternehmer Daniel Zein und machte auf einen Missstand deutlich: "Das Marketingkonzept beinhaltet nicht einen Absatz zu bereits bestehenden Kulturprojekten. Der Goldene Spatz, Balletttage oder Höhlerbiennale finden nirgends Erwähnung. Auch die Geraer Songtage kommen nicht vor." Man habe die existierenden Punkte bewusst nicht in das Papier aufgenommen, erklärte OB Dr. Vornehm. Selbstverständlich sollen diese weiter entwickelt werden, doch habe man sich auf die noch zu schaffenden Mosaiksteine konzentriert.
Zein forderte "Die Zusammenarbeit der Stadt mit den Geraer Machern muss deutlicher werden", denn manchmal müsse man noch feststellen, mit den Zuständigen im Kulturbereich nicht in gleicher Sprache zu sprechen. Zustimmung gab es dazu aus dem Publikum: In Gera gäbe es genügend professionelle Firmen, denen man Aufträge für städtische Kulturprojekte zutragen könne. "Fremdeinkäufe machen es den Geraer Veranstaltern nur schwer. Zumal die Geraer selbst in der Lage sind, Events in hoher Qualität auf die Beine zu stellen. Noch dazu bleibt dann das Geld, dass von der Stadt in Kultur gesteckt wird auch bei den Geraer Kulturschaffenden", so die Meinung, die spontanen Applaus erntete. Dr. Vornehm versprach, sich künftig mit den für Veranstaltungen relevanten Parteien an einen Tisch zu setzen.
Auf den Vorwurf, innerhalb der Stadtverwaltung derzeit eher ein Wirrwar von Zuständigkeiten und Ansprechpartnern im Bereich Kultur zu haben, konterte er: "Die Umstrukturierung ist ja gerade die Antwort auf das Wirrwar. Derzeit sind wir dabei mit der Kultur GmbH eine Anlaufstelle zu schaffen." Auch in Bezug auf das Kunsthaus komme man voran. Noch im Juni diesen Jahres erwarte man das Konzept des Architekten David Chipperfield, der einst das Gebäude der Landeszentralbank gestaltete. Sein Entwurf soll sorgfältig geprüft werden. Aber auch private Sammler und die Dix-Stiftung säßen mit im Boot. Damit hätte man beste Voraussetzungen für ein Gelingen dieses großen Projektes, so der OB.
Auf die Frage, ob die finanzielle Kraft der Stadt überhaupt ausreiche, neben dem kostenintensiven Kunsthaus alle anderen ‘Mosaiksteine’ weiter am Leben zu halten, antwortete Dr. Vornehm optimistisch: "Mit dem großen Stern Kunsthaus werden es alle anderen leichter haben. Zwar haben wir damit einen Mehraufwand von rund 200.000 Euro pro Jahr zu bewältigen, doch haben wir auch ein Konzept erarbeitet, das es nun gilt Schritt für Schritt abzuarbeiten." Hier knüpfte gleich wieder Karbstein an und machte auf die zahlreichen anderen Kultur-Baustellen Geras aufmerksam. Das Stadtmuseum habe eine unfertige Dauerausstellung und auch mit der Suche nach einem übergreifenden Museumsdirektor sei man nicht weit gekommen. Dr. Vornehm bekannte sich zu diesen Baustellen. Er forderte alle Bürger, Künstler und Veranstalter auf, sich mit Ideen und Kritik einzubringen. "Das Marketingkonzept ist schließlich nur ein Entwurf", so sein Kommentar.
Sofort kamen Meldungen aus dem Auditorium: Aktionen von Jugendlichen würden seitens der Stadtverwaltung kaum wahrgenommen oder unterstützt und die fehlende Wertschätzung verwirke das Potential, das die Jugendlichen mit einem kulturellem Engagement in die Stadt einbringen könnten. Hier sprang der Geraer Künstler Sven Schmidt ein und forderte die Geraer Macher auf, nicht die Stadtverwaltung als Heilsbringer zu sehen, sondern kulturelles Handeln selbst in die Hand zu nehmen. "Dix ist die Vision. Einfach machen!", so seine Devise. Auch Volker Tauchert bestärkte die Bürger darin, selbst auf die Straße zu gehen und das kulturelle Leben der Stadt zu gestalten.

( Christine Schimmel, 15.05.2009 )

zurück