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Lichtblick für Gestrauchelte der leichten Art

Ein humoristisch veranlagter Knastbruder hat an der Tür mit dem Schildchen "Strafabteilung" eine Karikatur angebracht. Sie zeigt einen Gestrauchelten in Gefängniskluft hinter Gittern, darunter als Text "Rast im Knast". Na gut, ein Gefängnis ist wohl kein Rasthaus, aber wer ein klein wenig nicht rasten und ruhen möchte, ist in einer speziellen Abteilung an der richtigen Adresse. Eine Gruppe Strafgefangener der leichten Art führt uns vor, wie sie sanierungsbedürftige Fenster einer Verjüng-ungskur unterziehen.
Der Leiter der Geraer Justizvollzugsanstalt (JVA) Oberregierungsrat Jürgen Frank erläutert uns: Das Projekt nennt sich "Lichtblick" und stützt sich auf das im Thüringer Justizwesen bewährte Motto "Schwitzen statt Sitzen". Konkret geht es nicht um schwere, sondern um quasi leichte Jungs, die ge-meinnützige Arbeit leisten.
Für den geschlossenen Vollzug ist das bisher einmalig. Diejenigen, die sich für einen guten Zweck nützlich machen, das sind Inhaftierte, die eine Ersatzfreiheitsstrafe abbrummen. Als Beispiel: Da will einer seine Schulden nicht bezahlen. Als "Ersatz" gibt’s eine (meist nicht allzu hohe) Haftstrafe. Oder als "Währungseinheit": sechs Stunden gemeinnützige Arbeit - marode Fenster sanieren ist nur eine von vielen Möglichkeiten - bedeuten einen Tag weniger Haft. Das ist natürlich freiwillig, aber eben eine Möglichkeit, die Strafe zu verkürzen. Zudem verschafft es Erfolgserlebnisse, fördert handwerkliches Können und es bildet. Ein "Lichtblick" fürs weitere straffreie Leben.
Roswitha Malarski outet sich uns als Betreuerin für die mit Farbe, Spachtel, Hobel und Hammer hantierenden Häftlinge. Sie ist Schulleiterin des gemeinnützigen Unternehmens "Grone - Bildungszentren Thüringen GmbH" mit Niederlassung in Weimar, tätig u.a. in Thüringens Haftanstalten. Grone verfügt als Bildungsträger über reiche Erfahrungen. "Wir vermitteln fachliches Wissen, das dazu beiträgt, die Weichen für die Wiedereingliederung, also die Resozialisierung, von Leuten zu stellen, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind." Da fällt uns ein Gedanke ein, den der gute alte Karl Marx zum Thema Straftäter mal geäußert hat: Deren einziges Besserungsmittel sei die produktive Arbeit.
Das Projekt "Lichtblick" startete Anfang April und ist zunächst für ein Jahr gedacht. Geras Sozialdezernentin Christiane Neudert verweist auf den Ursprung. OB Dr. Norbert Vornehm beriet Ende 2007 mit der JVA (derzeit 146 Gefangene und 92 Bedienstete) über mögliche Betätigungsfelder für Gefangene zur gemeinnützigen Arbeit. Und keine Bange: Das Vorhaben ist mit der Handwerkskammer abgesprochen. Den einheimischen Handwerkern sollen keine Aufträge weggenommen werden.
Marcus Wilbert, Referatsleiter im Thüringer Justizministerium, versichert uns, dass der Freistaat auf vielerlei Weise Maßnahmen, besonders im Bereich Bildung, zur Resozialisierung Gestrauchelter (vor allem Jugendlicher) unterstütze. Dazu gehört auch das Projekt "Lichtblick". So hätten Verurteilte 2008 durch gemeinnützige Arbeit dem Landeshaushalt rund zwei Millionen Euro an Kosten erspart.

( Harald Baumann, 15.05.2009 )

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