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Schattige Plätzchen für jedes Tier

Frettchen müsste man sein. Dann hätte man ein Häuschen im Grünen, Zimmer mit Ausblick, einen sprudelnden, kleine Kaskaden überwindenden Bach vor der Tür. Keine Untermieter. Na gut, einen. Aber das ist nur ein Waschbär, der ziemlich friedlich den Tag verdöst. So kann man die heißen Sommertage aushalten.
Wenn die Quecksilbersäule auf 30 Grad klettert, dann sind schattige Plätzchen gefragt. Die Bewohner des Geraer Tierparkes haben daran keinen Mangel. Hohe Bäume mit dichtem Laubwerk mindern die heißen Sonnenstrahlen. Die Tiere können aber auch ihre Stallungen aufsuchen. "Außerdem sind es die meisten unserer Tiere gewöhnt, mit Hitze fertig zu werden", versicherte Tierparkleiter Ulrich Fischer bei unserem Besuch. Was machen denn nun aber die Rentiere? Für die aus dem hohen Norden stammenden Tiere ist diese extreme Sommersonne doch eher ungewöhnlich. Da weiß der technische Leiter Reiner Tischendorf Rat. "Ihr Gehege befindet sich an der Nordseite des Tierparkes. Dort gibt es genügend schattige Plätze. Außerdem erhalten sie täglich frisches Laubwerk". Ja, das lassen sie sich schmecken. Auch die beiden Kleinen knabbern daran munter herum. Sie sind zwar immer dicht bei ihrer Mutter, aber auch als wir uns zum Fotografieren ziemlich nahe heranwagten, holten sie sich ohne Scheu ihre Laubration. Die Rentierkinder sind die Lieblinge der Besucher, aber auch die Tierparkbesatzung ist stolz auf den Zwillings-Nachwuchs. "Eigentlich waren es drei, aber ein Junges ist gleich an einem Parasit gestorben", erzählt Reiner Tischendorf. "Da sind wir machtlos, das Muttertier lässt auch niemanden an die Jungen heran". Bis jetzt sei immer noch unklar, was für ein Geschlecht die Rentierkinder haben, aber sie hätten sich prächtig entwickelt. Stimmt. Das sieht man.
Und wie kommen die anderen Insassen über den Sommer? Die Wildschweine verschaffen sich in ihrer Schlammsuhle Kühlung. Auch die Rothirsche brauchen eine Suhle, um sich gut mit Schlamm "einzuölen". Die Rehe und Damhirsche befinden sich im Waldgebiet, und die anderen Haustiere könnten sich sowieso verkriechen. Besonders achten die Tierparkmitarbeiter aber darauf, dass das Wasserangebot ständig frisch und auch in den Nachmittagsstunden noch vorhanden ist. In der neuen vom Verein der Freunde und Förderer des Tierparks errichteten Frettchenanlage funktioniert das von allein. Ist es ihnen zu heiß, wieseln sie einfach mal den Bach entlang. "Das machen sie sonst nicht", ist vom Fachmann zu erfahren.
Zu denen, denen es total gut geht, die die Wärme lieben, gehören die vier Nandus. Sie haben noch nicht lange ihr Heim im Geraer Tierpark bezogen. So fehlt es noch am nötigen Sandbad. "Das erhalten sie noch in Kürze", versprach Reiner Tischendorf. Eingelebt haben sie sich jedenfalls jetzt schon sehr gut, und neugierig recken sie ihre fein gefiederten Köpfchen über den Zaun. Vorsicht, gehen Sie nicht so nah heran. Die Tiere untersuchen gern Knöpfe und alles, was klappert oder glänzt. Auf der faulen Haut liegen die Löwen. Als Tiere aus der heißen Zone dürfte ihnen die Sommerhitze nichts ausmachen. "Sie brauchen Wärme, das stimmt", meint Reiner Tischendorf, doch müssten sie auch Schatten haben. Den Besuchern muss leider immer wieder ans Herz gelegt werden, die Tiere nicht zu füttern. "Das ist ganz wichtig", sagt der langjährige Tierparkmitarbeiter mit Nachdruck. "Jede Tierart bekommt ihr spezielles Futter, artfremdes kann nicht verdaut werden, und es kommt zu Erkrankungen oder noch Schlimmerem", erklärt er. In der Futterküche weiß man genau, welcher Speiseplan für wen zutrifft. Täglich wird eine halbe Tonne frisches Gemüse verarbeitet, hinzu kommen 50 Kilogramm Wurzelgemüse und eine halbe Tonne Grünfutter. Wöchentlich werden 200 kg Fleisch verabreicht. Auch Gefrorenes wird eingelagert: Mäuse, Ratten, Kaninchen und Tageskücken. Jedes Tier bekommt sein Extra-Menü. Da werden Bananen geschält, Möhren und Tomaten zerkleinert, Nudeln und Reis gekocht. Für die Wintermonate werden rund 80 Tonnen Heu eingelagert. "Das gewinnen wir von gepachteten Flächen bei Ernsee und es muss von Oktober bis Mai reichen", meint Reiner Tischendorf.
Rund 600 Tiere in 80 Arten beherbergt der Geraer Tierpark. Mitunter finden sich auch Gastbesucher ein. "Einwohner bringen uns verletzte Tiere. Jungvögel, die aus dem Nest gefallen sind, verlassene Rehkitze oder Hasenkinder", zählt er auf. Doch da sei Vorsicht geboten. Oft sei das Alttier in der Nähe. Das Junge mitzunehmen, sei falsche Tierliebe, warnt er. Neuester Gast im Tierpark ist ein Bussard, der sich an der Hochspannungsleitung den Flügel verletzt hat. Er wird gesund gepflegt und dann, wie die anderen, in die Freiheit entlassen, ohne Häuschen im Grünen.
Helga SchubertSchattige Plätzchen für jedes Tier Bewohner des Geraer Tierparkes brauchen keine Angst vor der Sommerhitze zu haben Frettchen müsste man sein. Dann hätte man ein Häuschen im Grünen, Zimmer mit Ausblick, einen sprudelnden, kleine Kaskaden überwindenden Bach vor der Tür. Keine Untermieter. Na gut, einen. Aber das ist nur ein Waschbär, der ziemlich friedlich den Tag verdöst. So kann man die heißen Sommertage aushalten.
Wenn die Quecksilbersäule auf 30 Grad klettert, dann sind schattige Plätzchen gefragt. Die Bewohner des Geraer Tierparkes haben daran keinen Mangel. Hohe Bäume mit dichtem Laubwerk mindern die heißen Sonnenstrahlen. Die Tiere können aber auch ihre Stallungen aufsuchen. "Außerdem sind es die meisten unserer Tiere gewöhnt, mit Hitze fertig zu werden", versicherte Tierparkleiter Ulrich Fischer bei unserem Besuch. Was machen denn nun aber die Rentiere? Für die aus dem hohen Norden stammenden Tiere ist diese extreme Sommersonne doch eher ungewöhnlich. Da weiß der technische Leiter Reiner Tischendorf Rat. "Ihr Gehege befindet sich an der Nordseite des Tierparkes. Dort gibt es genügend schattige Plätze. Außerdem erhalten sie täglich frisches Laubwerk". Ja, das lassen sie sich schmecken. Auch die beiden Kleinen knabbern daran munter herum. Sie sind zwar immer dicht bei ihrer Mutter, aber auch als wir uns zum Fotografieren ziemlich nahe heranwagten, holten sie sich ohne Scheu ihre Laubration. Die Rentierkinder sind die Lieblinge der Besucher, aber auch die Tierparkbesatzung ist stolz auf den Zwillings-Nachwuchs. "Eigentlich waren es drei, aber ein Junges ist gleich an einem Parasit gestorben", erzählt Reiner Tischendorf. "Da sind wir machtlos, das Muttertier lässt auch niemanden an die Jungen heran". Bis jetzt sei immer noch unklar, was für ein Geschlecht die Rentierkinder haben, aber sie hätten sich prächtig entwickelt. Stimmt. Das sieht man.
Und wie kommen die anderen Insassen über den Sommer? Die Wildschweine verschaffen sich in ihrer Schlammsuhle Kühlung. Auch die Rothirsche brauchen eine Suhle, um sich gut mit Schlamm "einzuölen". Die Rehe und Damhirsche befinden sich im Waldgebiet, und die anderen Haustiere könnten sich sowieso verkriechen. Besonders achten die Tierparkmitarbeiter aber darauf, dass das Wasserangebot ständig frisch und auch in den Nachmittagsstunden noch vorhanden ist. In der neuen vom Verein der Freunde und Förderer des Tierparks errichteten Frettchenanlage funktioniert das von allein. Ist es ihnen zu heiß, wieseln sie einfach mal den Bach entlang. "Das machen sie sonst nicht", ist vom Fachmann zu erfahren.
Zu denen, denen es total gut geht, die die Wärme lieben, gehören die vier Nandus. Sie haben noch nicht lange ihr Heim im Geraer Tierpark bezogen. So fehlt es noch am nötigen Sandbad. "Das erhalten sie noch in Kürze", versprach Reiner Tischendorf. Eingelebt haben sie sich jedenfalls jetzt schon sehr gut, und neugierig recken sie ihre fein gefiederten Köpfchen über den Zaun. Vorsicht, gehen Sie nicht so nah heran. Die Tiere untersuchen gern Knöpfe und alles, was klappert oder glänzt. Auf der faulen Haut liegen die Löwen. Als Tiere aus der heißen Zone dürfte ihnen die Sommerhitze nichts ausmachen. "Sie brauchen Wärme, das stimmt", meint Reiner Tischendorf, doch müssten sie auch Schatten haben. Den Besuchern muss leider immer wieder ans Herz gelegt werden, die Tiere nicht zu füttern. "Das ist ganz wichtig", sagt der langjährige Tierparkmitarbeiter mit Nachdruck. "Jede Tierart bekommt ihr spezielles Futter, artfremdes kann nicht verdaut werden, und es kommt zu Erkrankungen oder noch Schlimmerem", erklärt er. In der Futterküche weiß man genau, welcher Speiseplan für wen zutrifft. Täglich wird eine halbe Tonne frisches Gemüse verarbeitet, hinzu kommen 50 Kilogramm Wurzelgemüse und eine halbe Tonne Grünfutter. Wöchentlich werden 200 kg Fleisch verabreicht. Auch Gefrorenes wird eingelagert: Mäuse, Ratten, Kaninchen und Tageskücken. Jedes Tier bekommt sein Extra-Menü. Da werden Bananen geschält, Möhren und Tomaten zerkleinert, Nudeln und Reis gekocht. Für die Wintermonate werden rund 80 Tonnen Heu eingelagert. "Das gewinnen wir von gepachteten Flächen bei Ernsee und es muss von Oktober bis Mai reichen", meint Reiner Tischendorf. Rund 600 Tiere in 80 Arten beherbergt der Geraer Tierpark. Mitunter finden sich auch Gastbesucher ein. "Einwohner bringen uns verletzte Tiere. Jungvögel, die aus dem Nest gefallen sind, verlassene Rehkitze oder Hasenkinder", zählt er auf. Doch da sei Vorsicht geboten. Oft sei das Alttier in der Nähe. Das Junge mitzunehmen, sei falsche Tierliebe, warnt er. Neuester Gast im Tierpark ist ein Bussard, der sich an der Hochspannungsleitung den Flügel verletzt hat. Er wird gesund gepflegt und dann, wie die anderen, in die Freiheit entlassen, ohne Häuschen im Grünen.

( Helga Schubert, 14.08.1999 )

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