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Trendwende: Handwerk sucht Auszubildende

Es gab Jahre, da interessierte sich Mario Oehme, Geras zweifacher Paralympicssieger im Bogenschießen, zunehmend für Rollstuhl-Badminton oder -tanz; und er hätte gar zu gern oder verrückter weise ein Eishockeyteam mit Behindertensportlern in der Region gegründet. Aller Sport im Alltag bedeutet ihm nach seinem folgeschweren Absturz im Wismut-Bergbau den Erhaltung seines Fitnesszustandest. So ist der gebürtige Weimarer (43) dem früheren Langbogenschützen Bernd Tappert überaus dankbar, ihn ab Herbst 1989 in Leumnitz zu einem Schießsport geholt zu haben, der Spannung aber vor allem Kräftigung der Muskulatur im ganzen Oberkörper versprach.
Seit 15 Jahren fühlt Oehme sich intensiv dabei. Da wurde er ins Nationalteam berufen. 1996 war er mit der Mannschaft siegreich in Atlanta. 2004 triumphierte er im Athener Einzelwettbewerb. Er ist Weltrekordler und seit zwei Jahren Weltranglistenspitzenreiter über die 70-Meter-Distanz. Eine erfolgreiche lange Laufbahn, die einen Umschwung denkbar erscheinen ließe. Aber Mario hat sich wieder ganz auf’s Bogenschießen besonnen und ist mit seinen aktuellen Qualifikationsergebnissen ein fester Kandidat zur Berufung am 15. Juni für die Spiele vom 29. August bis 19. September in Peking.
Anteil daran haben Sportfreunde des Thüringer Schützenbundes und zwei Dutzend Jungen und Mädchen aus Gera bzw. Altenburg. Begeistert trainieren die Kinder bei ihm, so wie einst seine eigenen Söhne begannen. Eine Handvoll Talente wie Landesmeister Hannes Fuhrmeister würde er "gern länger und richtig führen". Da spricht Ehrgeiz aus ihm, wie er zu gutem Sport gehört. Und dann war da vor gut zwei Jahren jene verpflichtende Spendenaktion, die Sportfreunde um Stephan Peetz über die Signal Iduna-Versicherung zugunsten aktiver Fortsetzung der Laufbahn des Geraer Promis initiierten.
Oehme legte das Geld zunächst auf Eis. Über den Winter bzw. beim Start ins Olympiadejahr half es ihm, seine Ausrüstung zu erneuern. Für seinen alten Wettkampfbogen fehlt ihm der Zugang zu Ersatzteilen.
Ausgerechnet als Oehme die Finals zur Deutschen Meisterschaft der Nichtbehinderten verpasste, war ihm das Glück hold: Ein Ausrüster bot ihm lang ersehnte C3-Aluminium-Karbon-Pfeile einer besonderen Gewichtsklasse und Marke, wie sie sonst die Amerikaner schießen. Die passen! Trotz aller Experimente zu Beginn der Freiluftsaison und trotz früher Termine der Qualifikationswettbewerbe, Mario lebt offenbar im psychologischen Hoch: Er schaffte sechs von sechs Mal die Norm über die bei Paralympics entscheidenden 70 Meter; reiste dafür zu Vergleichen mit Nationalteams in Holland, Italien und in der Schweiz. In Boekel (NL) eroberte der mit 328 Ringen sogar den Weltrekord und überzeugte Bundestrainer Rainer Schemeit bei allem Risiko vom Effekt der Umstellungen. Andererseits war es auch Mario, der sich zur WM 2007 in Korea nicht ausruhte, als Titelverteidiger einen Quotenplatz für Deutschland beanspruchen zu dürfen, sondern dort nochmals so einen Nominierungsvorteil er-kämpfte. Wer will nun noch an ihm vorbei? Auch Starts im Bundesligateam SV Radeberg können der Vorbereitung des Jahreshöhepunkts dienen. Denn da verlangt der Modus serienweise 70-m-Wettkämpfe wie in Peking. Mario ist wieder ganz der Alte!

( Thomas Triemner, 02.06.2008 )

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