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Neues Gera berichtet von der BUGA Gera-Ronneburg 2007

Zugegeben: Unsere Überschrift über eines der sehenswertesten Erlebnisvorhaben auf der BUGA ist recht gewagt. Es stimmt: Meist heißt es doch "Glück auf! Glück auf! Der Steiger kommt! Und er hat sein helles Licht bei der Hand schon angezündt..." Wobei das schon im 18. Jahrhundert entstandene Volkslied nicht vom Steiger sang, sondern vom Bergmann, der da kommt und das "feinste Gold aus Felsenstein" gräbt.
Nun wissen wir aber, dass der fleißige Wismuter nicht Gold, sondern Uranerz aus dem Felsenstein grub. Wer darüber mehr und das auf höchst anschauliche Weise erfahren möchte, sollte sich mit seinem BUGA-Ticket in der Hand ins Gelände der Neuen Landschaft Ronneburg begeben. Dort präsentiert die Wismut pünktlich zum Beginn der Gartenschau eine einzigartige Ausstellung, die sie in falscher Bescheidenheit "Informationszentrum Objekt 90" nennt. Beheimatet im und am ehemaligen Rittergut, von der Stadt Ronneburg mietfrei zur Verfügung gestellt und gemeinsam mit der BUGA GmbH saniert.
Als wir zu vormittäglicher Stunde das 3000 Quadratmeter große Gelände aufsuchen, wovon 770 Quadratmeter auf das Gebäude entfallen, reißt der Besucherstrom nicht ab. Es sind Familien mit Kind und Kegel. Einheimische, aber auch fremde Dialekte schwirren durcheinander. Trotz Ansturms nimmt sich der Leiter der Exposition Reinhard Schäffner die Zeit, uns durchs Anwesen zu führen.
Der 57-Jährige kennt sich aus. Erst war er 23 Jahre lang im Bau- und Montagebetrieb (BMB) 17 tätig, dann weitere 14 Jahre im Uran-Forschungszentrum. Soeben war er ganz stolz, dass er den Bundespräsidenten Horst Köhler herumführen durfte. Der Politiker zeigte sich beeindruckt von der spannenden Zeitreise durch den Uranbergbau in Sachsen und Thüringen, von der Historie des drittgrößten Uranproduzenten der Welt (154 Millionen Tonnen) und der ebenso weltweit einmaligen Sanierung einer geschundenen Landschaft, für die die Bundesregierung seit 1991 über sechs Milliarden Euro bereitstellte.
Wie Schäffner berichtet, sind seit Eröffnung bereits tausende Besucher fasziniert von den Darstellungen zur Geschichte und Gegenwart der Wismut. Es gibt Leute, die sich alles mehrfach anschauen. Ja, einige Ehepaare machten extra ein paar Tage Urlaub, um sich ausführlich mit der Fülle der Exponate, Schautafeln, überraschender und sogar verwunderlicher Details vertraut zu machen.
Schon im Außenbereich darf gestaunt werden. Da stößt der Besucher auf eine riesige Seilscheibe vom ehemaligen Schacht 401 des Bergbaubetriebes Beerwalde, Durchmesser sechs Meter. Da sind Untertagetechnik wie Hunte und Mannschaftswagen zu entdecken, ein Bohrwagen, Untersuchungsgesenk/Messcontainer und noch vieles mehr.
Bei der Umgestaltung der alten Rittergutsscheune in ein modernes Ausstellungsgebäude ist die Hand fähiger Architekten zu spüren. Planung und Errichtung haben Experten der Firma Ö-Konzept aus Zwickau gemeistert. Die Wismut sollte auf andere Art vorgestellt werden. Mit breitem Horizont, also nicht nur als Förderbetrieb, sondern was das Großunternehmen auch war: riesige Werkstatt übertage, leistungsfähiger Transportbetrieb mit eigener Anschluss-bahn und großer Busflotte, vielseitiger Bau- und Montagebetrieb, beachtliches Sozial- und Wirtschaftsgefüge. Für vier Jahrzehnte gab die Wismut zehntausenden Leuten Arbeit und Brot. Es war ein anstrengender und gefährlicher Job!
Besuchermagnet ist mitten im Gebäude eine Kugel als Ausstellungsform, in der ein Film über den unsäglichen Wettstreit zweier Supermächte um die Atombombe berichtet. Das Wettrennen brachte die Menschheit an den Rand des Untergangs. Die Kugelform symbolisiert den Erdball mit der Gitterstruktur des Atoms.
Weitere Exponate erwecken unsere Aufmerksamkeit, so ein Labor der 70-er Jahre, ein Modell des Schachtes Königstein, ein riesiges Rad der Caterpillar-Flotte, eine Modellbahnanlage, die unsere Ostthüringer Landschaft samt Schachtanlagen zeigt. Aufgebaut ist auch ein Teil der Neuen Landschaft, die in natura zu begehen sich jetzt zur BUGA lohnt. Beim Rundgang stößt man auf zwölf Monitore und einen Kinoraum. So kann man sein spezielles Thema wählen, z.B. wenn man etwas zur Haldensanierung wissen möchte.
Wer Auskunft haben will: bitteschön, Erklärer stehen bereit. Dazu gehört auch die 19-jährige Monique Friedrich, speziell geschult als "Fremdenführerin". Ansonsten erlernt sie bei der Wismut Kauffrau für Bürokommunikation.
Im Gästebuch schreibt das Ehepaar Ursula und Dr. Dieter Brose: "Eine Ausstellung, die das Prädikat ‚Ausgezeichnet‘ verdient. Das ist kein Museum im herkömmlichen Stil; es ist wie ein gutes Lehrbuch".
Überm Eingang steht "Objekt 90". Viele Besucher, vor allem westdeutsche, wissen mit dieser Bezeichnung wohl kaum etwas anzufangen. Nach sowjetischem Vorbild hießen die Wismut-Schächte "Objekte". Früher nannten Bergleute ihre Gruben "Gottes Segen", "Jeremiasglück" oder ähnlich. Unser Vorschlag für die Schrift überm Eingang: In großen Buchstaben "Glück auf", daneben Hammer und Schlägel und darunter "Ausstellung der Wismut GmbH".

( Harald Baumann, 11.05.2007 )

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