Partner

gebr_frank.jpg
verlag_dr_frank_gmbh.jpg
onicom.de.jpg
gera.jpg
RPG_Logo_1.jpg


Hinweise

acrobat_reader.jpg

Button_E_paper.png

Schlagzeilen der Woche

zurück

9. Thüringer Apothekertag in Gera

Zum 9. Thüringer Apothekertag haben die Landesapothekerkammer Thüringen und der Thüringer Apothekerverband e.V. nach Gera eingeladen. Namhafte Referenten werden mit ihren Vorträgen den Anstoß zu Diskussionen unter den Teilnehmern geben. "Über den Gewinn von Dr. Joachim Gauck als Referent des Festvortrages freue ich mich besonders", so der Geraer Apotheker Siegfried Schellin, Vizepräsident der Thüringer Landesapothekerkammer. Dr. Gauck spricht zum Thema "Verantwortung trotz aller Widrigkeiten". Daran schließt sich ein politisches Forum an. Ergänzt wird der Apothekertag durch Informationen und Gespräche sowie einen Besuch der BUGA. Im Vorfeld der Tagung sprach Neues Gera mit dem Pressesprecher der Apotheker von Gera und Umgebung, Sascha Jung.


Die Apothekerkammer spricht von zusätzlichen Belastungen für Patienten und Apotheken, ist das eine freundliche Umschreibung für die Auswirkung der Gesundheitsreform?
Sicher auch. In Folge der neuen gesetzlichen Regelungen müssen sowohl Ärzte, Apotheker und Patienten eine Reihe von Widrigkeiten ertragen. Aber wir müssen und werden unserer Verantwortung zum Wohle der Patienten voll nachkommen.

Die Apotheker sind am Ende der medizinischen Kette so etwas wie ein Blitzableiter. Fühlen Sie sich so?
Oftmals schon, vor allem was die gesetzlichen Regelungen angeht. Ganz kurz: Es sind jetzt Verträge zwischen den Krankenkassen und den Arzneimittelherstellern erlaubt und werden auch kräftig praktiziert. Die Umsetzung ist deshalb für uns Apotheker so schwierig, weil wir dann die vertraglich gebundenen Arzneimittel abgeben müssen. Es gibt rund 300 Krankenkassen, von denen jede mit unterschiedlichen Herstellern eigene Verträge macht, das ist schon bei der EDV-Umsetzung äußerst kompliziert. Manchmal dauert es ewig, bis der Apotheker das richtige Mittel herausgefunden hat. Diesen Hergang müssen wir natürlich jedem Patienten erläutern.

Wenn ein Kunde auf "sein" Medikament besteht, kann er dann die Differenz zuzahlen?
Nein, das ist gesetzlich verboten, es sei denn der Arzt hat auf dem Rezept vermerkt, dass er auf einem bestimmten Präparat besteht.

Können Sie als Apotheker guten Gewissens bestätigen, dass ein Austauschpräparat genau die gleichen Wirkstoffe hat wie das ursprünglich verabreichte Mittel? Bittere Pillen mit Nebenwirkung?
Eindeutig ja, die Wirkstoffe sind genau identisch, sonst dürfen sie nicht in die Verträge aufgenommen werden. In ganz seltenen Fällen ist es möglich, dass ein Patient allergisch auf Hilfsstoffe reagiert. Das wird im Gespräch geklärt.

Auch wenn Ihre Argumentation schlüssig ist, wird sie auch von den Patienten verstanden?
Vor allem bei älteren Menschen gibt es schon Probleme. Sie orientieren sich an Form oder Aussehen der Tabletten. Und das unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller. Da ist auch eine gewisse Verwechslungsgefahr nicht auszuschließen.

Grund für die neue gesetzliche Regelung sind Sparmaßnahmen. Nun drängen auch Versandapotheken auf den Markt. Sind Sie mit der gegenwärtigen Gesetzeslage auf diesem Gebiet einverstanden?
Vor allem die Versandapotheken, die im Ausland ansässig sind, arbeiten nach generell anderen Bedingungen. Sie nehmen nicht am Notdienst teil, sie fertigen die individuellen Rezepturen nicht an, sie unterliegen anderen Mehrwertsteuersätzen, also ganz andere Bedingungen.

Der Gesetzgeber hat die Preisbindung für freiverkäufliche Medikamente aufgehoben, es entsteht aber der Eindruck, dass die Abgabe nahezu überall zu einem einheitlichen Preis erfolgt.
Das kann ich so nicht sehen. Bei freiverkäuflichen Arzneimitteln gibt es schon Bewegung am Markt, auch in Gera. Aber viele meiner Kollegen, vor allem im ländlichen Raum, können sich Preiskämpfe nicht leisten.

Ist der Arzneimittelmarkt noch überschaubar?
Das ist nicht so leicht zu beantworten. Lassen Sie es mich so sagen: Es kommt darauf an wie sie zählen. Wenn ich zum Beispiel ein bestimmtes Schmerzmittel nehme, das es in unterschiedlichen Wirkstärken gibt und in mehreren Verpackungsgrößen, so kommt schon eine große Anzahl zusammen - und dann gibt es noch mehrere Hersteller.

Das können Sie kaum alles vorrätig haben…
Nein, aber wir haben die pharmazeutischen Großhandel, von ihm erhält meine Apotheke z.B. vier Lieferungen am Tag. Damit ist die Versorgung voll gesichert. Die meisten Apotheken haben auch einen Zustellservice, der die Medikamente kostenlos ins Haus bringt, so dass jeder Patient gut und schnell versorgt werden kann.

Einen Bereitschaftsdienst an Wochenenden, Sonn- und Feiertagen können nur die Apotheken vor Ort gewährleisten, klappt das auch in Gera?
Es gibt in Gera einen reibungslosen Dienst, der sogar vom Landesverwaltungsamt geprüft wird, 24 Stunden am Tag ist die Versorgung garantiert. Es ist auch gesetzlich geregelt, welche Medikamente ständig vorzuhalten sind.

Das klingt alles gut, aber trotzdem geht es auf dem Thüringer Apothekertag auch um die bereits erwähnten Belastungen. Wo drückt Sie denn noch der Schuh?
Da muss ich auf Ihre Ausgangsfrage zurückkommen. Durch die genannten Verträge zwischen Krankenkassen und Herstellern ist es sogar zu Lieferengpässen gekommen, aber bisher haben wir noch immer jedes Medikament besorgen können. Niemand muss sich Sorgen machen.

Ein weiteres Problem: Warum sind manche Medikamente im Ausland billiger.
In Deutschland gibt es für die verschreibungspflichtigen Arzneimittel eine Preisverordnung, die der Apotheker nicht umgehen kann. Der Anteil des Staates ist inzwischen nahezu genauso hoch wie die Spanne, die Großhandel und Apotheken gemeinsam erhalten. Im EU-Bereich gibt es übrigens nur noch zwei oder drei Länder, die für Arzneimittel die volle Mehrwertsteuer verlangen, Deutschland ist eines davon. Andere Länder haben ermäßigte oder gar keine Steuer. Aber dabei geht es um mehrere hundert Millionen für den Fiskus.
(Das Gespräch führte
Reinhard Schubert)

( 11.05.2007 )

zurück