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Ein Fenster in die Vergangenheit -Geschichte zum Anfassen

Die alte Johanniskirche stand ursprünglich auf dem Johannisplatz in der Nähe der alten Stadtburg. Sie hat wahrscheinlich schon vor 1237, der Ersterwähnung von Gera, als Pfarrkirche bestanden, die allmählich umgebaut und vergrößert wurde. Im sächsischen Bruderkrieg im Jahre 1450 legte böhmisches Hilfsvolk die Kirche in Schutt und Asche. Ab 1467 beginnt der Wiederaufbau. Um die Innengestaltung zu realisieren, wird 1480 von zehn römischen Kardinälen ein Ablassbrief der Kirche zugeeignet.1488 erfolgt die Neuweihe. 1639 legten schwedische Söldner einen Brand, der das Gotteshaus zerstörte.
Der Kaufmann Stockelmann, De Smits Stiefsohn, kreditierte den Wiederaufbau, so dass die Kirche 1641 wieder erstanden war. Der Brand von 1686 verschonte die Kirche, jedoch der große Stadtbrand von 1780 zerstörte sie. Ferdinand Hahn schildert eindringlich die Geschehnisse: "Das große Kutschenbach`sche Haus (jetzige Hofapotheke) hatte vom Hauptmarkte her schon mit halb vier Uhr zu rauchen begonnen. Mit dem Schlag vier brach die Flamme dort aus. Gleichzeitig geriet an der südlichen Seite des Platzes das neue Regierungsgebäude in Brand. Vorn an der Ecke der Kirchgasse zündete das Kaufmann Reißig`sche Haus und im Kollegienhofe das Komödienhaus. In wenigen Minuten stand der ganze Kollegienhof, das Gymnasium, die Superintendentur, sowie die sämtlichen Häuser rings um den Platz in hellem Feuer. Unversehrt stand inmitten des Platzes noch die St. Johannis-Kirche. Von der umwogenden Glut erhitzt, fing auch sie zu dampfen an, mit einem alles übertönenden Brausen stieg nach wenigen Minuten schon die mächtige Flamme vom Dache empor... Kaum eine halbe Stunde später hörte man außerhalb der nahen hohen Stadtmauer eine dröhnende Erschütterung, von gellenden, schwirrenden Metalltönen begleitet."
Die Glocken von St. Johannis stürzten von Gebälk zu Gebälk bis auf die Gewölbe herab, zersprangen und schmolzen in der großen Glut und verstummten für 105 Jahre. Die reichgeschmückte Kanzel, der von Prager Bildhauern geschaffene Altar, die Gemälde von David Ricke, die Finke - Orgel, das Epitaphium Heinrichs des Jüngeren, Posthumus, die im Chor befindlichen Gemälde von 12 Superintendenten seit der Reformation wurden u.a. ein Raub der Flammen. Die Ruine stand noch einige Jahre, bis man 1805 den Chorteil und 1811-24 den Turm und das Langhaus abtrug.
In der Burgstraße nun wurden im Zuge der Vorbereitung der Neugestaltung des Johannisplatzes archäologische Grabungen vorgenommen, die uns einen Augenblick lang ein Fenster in die Geschichte dieser Kirche und unserer Stadt geöffnet haben. Auf meine Frage ob er mir einmal zeigen könne welche Fundamente gotisch oder romanisch sind, lud mich Diplomrestaurator Roland Altwein vom Thüringer Landesamt für Denkmalpflege ein, zu ihm zwischen die Steine herabzusteigen. Das sensationelle an diesen Grabungen ist, dass gleichzeitig Mauerreste romanischen und gotischen Ursprungs freigelegt wurden, durchschnitten von Wasser- und anderen Versorgungsleitungen die man achtlos in den Untergrund verlegt hatte.
Es bestätigte sich die Vermutung, dass es schon einen romanischen Kirchenbau gab. Man legte u.a. die Fundamente der 1.10 m dicken südlichen Mauer des Kirchenschiffs frei. Im Inneren des herausgearbeiteten Chorraumes stellten sich die Außenmauern des romanischen Vorgängerbaues dar. Es handelt sich um den halbrunden Abschluß des Langhauses, die Apsis. Die Kirche erstreckte sich etwa 45 m von der Burgstraße bis zum Gymnasium und war 25 m breit. Das Goethegymnasium/Rutheneum seit 1608 ist auf den Grundmauern des Kirchenschiffes errichtet. Die freigelegten Fundamente ragen noch etwa 1m tief in die Erde.
Am Rande der Grabungen wurde der ziegelgemauerte halbrunde Eingang zur neuen herrschaftlichen Gruft gefunden. Bei dem großen Brand von 1780 blieb diese Gruft nicht unverschont, das Feuer verzehrte die Särge samt Inhalt von Heinrich XXV., dessen Gemahlin und Prinzessin Ernestine Friedericke aus der Lobensteiner Linie. Die Gewölbe der alten herrschaftlichen Gruft, sowie eine weitere Gruft wurden ebenfalls nachgewiesen. Wenn die freigelegten Fundamente wieder abgedeckt und verfüllt sind, kann jeder, der sich die Ausgrabungen angesehen hat, für sich verbuchen, einen Blick in die Vergangenheit geworfen zu haben, etwas was so bald nicht wieder möglich sein wird.

( Dr. H. Christel, 05.04.2007 )

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