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"Goldene Maske" mit venezianischer Nacht

Ein edles Restaurant öffnete kürzlich seine Pforten: "Die goldene Maske". Wer verbirgt sich dahinter? Chef des Hauses ist Engelbert Sieler, der gemeinsam mit Ehefrau Eveline den Kostümverleih Nostalgie in der Theaterstraße betreibt. Und wer Glück hat, kann den Chef höchstpersönlich im Gehrock aus feinem Tuch am Klavier, wo er Kaffeehausmusik zelebriert, erleben.
"Als wir damals von der Bahnhofstraße ausgezogen sind, suchten wir eigentlich eine große Halle, um unsere rund 7000 Kostüme ordentlich zur Schau stellen konnten, doch als uns das Haus angeboten wurde, haben wir uns sofort dafür entschlossen", erzählt Engelbert Sieler. Ganz Künstler und Geschäftsmann erkannte er die Möglichkeiten, die dieses an markanter Stelle in Gera stehende Gebäude bot. Damals allerdings hatte mächtig der Zahn im Inneren und Äußeren genagt. Gebaut wurde das imposante Haus 1887 von der Geraer Bankiersfamilie Oberländer. Auf alten Fotos ist es als Einzelhaus zu sehen. In seiner Nachbarschaft befanden sich weder das Theater, noch die Eisenbahn oder gar die Straßenbahn. "1920 wurde es umgebaut", weiß der jetzige Besitzer, "und alles Verspielte, der feine Golddekor, die gedrechselten Sandsteinsäulen, Stuck und verschnörkelte Türelemente sind dem modernen Bauhausstil zum Opfer gefallen". In ehrgeizigen Plänen wollte Engelbert Sieler große Teile zurückbauen und die Räume im alten Glanz erstrahlen lassen. Zweieinhalb Tonnen Stuckgips wurden verarbeitet.

Als der Bauherr am Anfang des Jahres von der Stadt 200 000 Euro aus dem EU-Stadtsanierungsprogramm Urban II zugesichert bekam, schilderte er seine Pläne. Er hatte vor, nicht nur das Haus für seinen Kostümverleih zu sanieren, sondern im Erdgeschoss sollten eine Gaststätte entstehen und weiter unten im Kellergewölbe eine Bar. Das Restaurant ist inzwischen geöffnet, die Bar soll am 11. 11. die ersten Gäste empfangen. "Die Nachfrage ist bereits sehr groß", staunt der Chef. Familienfeiern, Geburtstagsrunden, Jubiläen sogar Silvesterbestellungen seien schon im Bestellbuch eingetragen. Kein Wunder. Das Ambiente ist aber auch einmalig und sucht seinesgleichen. Vergoldete Spiegel, Kristalllüster aus der Wiener Swarowski-Werkstatt, Deckenmalereien, goldene Ähren- und Weinlaubkanten an den Stuckdecken, Parkett und lederbezogene Stühle gehören zur Ausstattung. Im Hochzeitszimmer sorgen kapriziöse Wandmalereien für Stimmung, im Barockzimmer überrascht die bemalte Holzudecke. "Sie fanden wir unter einer Schicht von Latex und haben sie aufwändig restauriert", schildert Engelbert Sieler. Dann gibt es noch einen roten und einen grünen Salon. Diese sind mit unterschiedlichen Wandverkleidungen versehen, "in den Farben, wie wir sie vorgefunden haben", ergänzt er. Wer rauchen will, darf das Herrenzimmer aufsuchen. Es enthält neben Sitzgruppen ein gemütliches Plüschsofa und Bücherregale (Vielleicht ist ja hinter einem Buchrücken der feine Cognac versteckt?). In der Küche steht ein junger Koch, der drei Jahre in Österreich tätig war, und so ist die Speisekarte thüringisch, aber auch österreichisch ausgerichtet. Das berühmte Wiener Schnitzel, das in zwölf Varianten angeboten wird, darf da nicht fehlen. Aber Engelbert Sieler denkt nicht nur an die kulinarischen Genüsse, sondern auch an die geistiger Natur. Geplant sind ein venezianischer Abend, eine Barocknacht, ein Fürstenmahl, Lesungen zu "Napoleon in Gera", zur De Smit-Biografie oder Geschichte des Hauses. Für Engelbert Sieler selbstverständlich, dass Akteure und das Bedienungspersonal in historischen Kostümen auftreten. Engelbert Sieler ist des Bauens noch nicht überdrüssig. Im Nachbarhaus geht es weiter. Hier sollen adrette, aber preiswerte Fremdenzimmer entstehen.

( Helga Schubert, 27.10.2006 )

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