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Straßenbahn startet mit einem feuerigen Kuß

Wenn sich am Freitag, 3. November, 15 Uhr, zwei Straßenbahnen auf dem Puschkinplatz zu einem feurigen Kuss begegnen, wird es Funken regnen. Nicht etwa, weil die Elektrischen so geladen sind, sondern weil nach vierjähriger Bauzeit die neue sechs Kilometer lange Strecke freigegeben ist. Ab Sonntag, 5. November, startet die Stadtbahnlinie 1 zu ihrem regulären Fahrbetrieb. Neues Gera konnte an der Jungfernfahrt teilnehmen.
Start an der neuen Haltestelle Puschkinplatz nach Untermhaus: Schon in der Tollerstraße spürt man das völlig neue Fahrgefühl. Über das Rasengleis mit lärmdämmendem Boden werden sich die Anwohner freuen. 900 Quadratmeter ehemals versiegelte Fläche ist jetzt begrünt. Narzissen, Krokusse und Herbstzeitlose bilden im Frühjahr bzw. im Herbst die Farbtupfer. Dann folgt die Bahn dem neuen Strang zum Hauptbahnhof. Großstädtisch bietet sich die Sicht mit dem Blick durch den Tunnel auf das gegenüberliegende Theater und das perfekt sanierte Gebäude des Kostümverleihs und dem dazugehörenden eleganten Treppenaufstieg zur Gaststätte. Der 70 Meter lange und 15 Meter breite Tunnel musste unter dem Bahndamm freigelegt werden. "Dieser Bauabschnitt war unser härtester Brocken", verriet Norbert Reinholdt, Geschäftsführung Stadtbahnbau, und verwies auf den Einbau der Behelfsbrücken. Hier musste mit einem 500-Tonnen-Schwenkkran Maßarbeit geleistet werden. 20 000Tonnen Beton brauchte allein die Grundwasserwanne zum Grundwasserschutz für die Haltestelle. Die direkten Aufgänge zum Zugbahnsteig - eine ziemlich seltene Lösung auf deutschen Bahnhöfen - werden allerdings durch Verzögerungen der Bauarbeiten durch die Bahn erst mit dem Buga-Start fertig.
Das nächste Stück vorbei am Küchengarten und Orangerie hat schon einmal Straßenbahnschienen getragen. Das war vor 38 Jahren. Heute wirkt alles viel freundlicher und großzügiger. Der Park zeigt seine Konturen, die Orangerie - ein architektonisches Kleinod, links, wo einst Gebäude der Elektronik standen, zieht sich der große Parkplatz. Von der Haltestelle Küchengarten aus geht es ganz schnell in das Buga-Gelände, zur Schwimmhalle und natürlich zum Theater, zur Orangerie oder nach Alt-Untermhaus. Die Straßenbahn biegt dann in die Gutenbergstraße ein. Von dieser Seite aus haben PKW keine Ein- und Ausfahrt mehr. "In der Gutenbergstraße zu bauen, war auch nicht ganz einfach", denkt Norbert Reinholdt zurück. Die Tiefbauarbeiten seien durch die vielen unterirdischen Versorgungsleitungen sehr kompliziert gewesen. Beim Bau der Stadtbahnlinie hatte sich der Geraer Verkehrsbetrieb zur Aufgabe gemacht, generell auch den unterirdischen Bauraum zu sanieren. Das gleiche trifft auch auf die Leibnizstraße zu, wo es besonders eng zugeht. Die Linie endet in der Wendeschleife, und es geht jetzt zurück in Richtung Zwötzen. Wer sich die Stadtbahnreise einmal gönnen möchte: 18 Minuten benötigt die Bahn für eine Strecke. Doch bevor es weiter geht, noch ein kurzer Blick auf den bereits begonnenen Bau der Fußgängerbrücke über die Elster zwischen Leibniz- und Conradstraße. Mit der Eröffnung der Buga soll das beeindruckende Bauwerk mit 30 Meter hohen Pylonen fertig sein.
Inzwischen passieren wir die zentrale Umsteigehaltestelle Heinrichstraße, biegen über die Enzianstraße in die Reichsstraße ein. Hier fuhr auch schon einmal die Straßenbahn, neu ist allerdings die Ulmenallee mit dem Rasengleis. Während früher die Straßenbahn über die Ochsenbrücke, die es nun nicht mehr gibt, zuckelte, geht es nun im rasanten Tempo über den neuen Bahnkörper Gessentalstraße und Pfortener Gut. Hier sagen sich nicht die Füchse und Hasen Gute Nacht, dafür haben Fledermäuse und anderes schützenwertes Getier eine Bleibe gefunden. Das marode Gut wurde abgerissen. "Gruben voller Öl und Ölschlamm mussten wir entsorgen", erzählte der Fachmann. Der erhaltenswerte Turm bekam ein Fundament und ein neues Dach. Idyllisch der Teich und das gesamte Gelände, das sich als Naherholungsgebiet und Biotop darbietet. Der Gessenbach durfte wieder in sein altes Bett zurück. Neu dagegen ist die Unterquerung der Eisenbahnstrecke nach Weischlitz. Insgesamt kreuzen sich Straßenbahn und Deutsche Bahn an drei Stellen.
Jetzt saust die Bahn schneller als ein PKW im Stadtgebiet fahren darf. 70 km/h zeigt das Tachometer, und schon wird die Straße der Völkerfreundschaft auf dem Rasengleis passiert, eine glatte Strecke bis zur Wendeschleife, die völlig neu entstand. Hier präsentiert sich das GVB-Service-Center. In dem Neubau aus Glas und Metall kann sich der Fahrgast nicht nur im Trockenen und Warmen aufhalten, sondern Bäcker, Blumen und bunte Illustrierte findet er ebenfalls. Für uns keine Zeit zum Aufenthalt. Es geht zurück an unseren Ausgangsort.

( Helga Schubert, 27.10.2006 )

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