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"Als ob nichts gewesen wäre"

Am Ende des Konzerts standen die Zuschauer an der Bühne und skandierten "Gän-se-lies-chen!" , "Gän-se-lies-chen!". Die Musiker traten an die Instrumente und spielten das gewünschte Stück. Das Konzert im Geraer "Comma" ging dem Ende zu. Das war vor sechs Jahren. Insgesamt trat Klaus Renft mit seiner Band drei mal im "Comma" auf. Am 19. Mai 2004 konnte man ihn dort bei einer Buchlesung erleben. Inzwischen hat sich das Schicksal von Klaus Renft erfüllt. Er starb am 9. Oktober 2006 an einem schweren Krebsleiden. Er wurde 64 Jahre alt.
1942 bei Jena geboren, hatte er seine ersten Auftritte in der Schülerband "Kolibri". 1958 gründete er die "Klaus Renft Band", die vier Jahre später verboten wurde. Man bemängelte die "Amerikanische Unkultur", Man sprach damals von "Hotmusik" oder "Beatmusik". "The Butlers" war seine nächste Gründung, die aber auch wieder der Obrigkeit weichen musste. Das war ein Auslöser des Leipziger "Beataufstandes", wo sich Polizei und Schüler gegenüber standen. Schließlich entstand 1967 die legendäre "Klaus Renft Combo" ("Nach der Schlacht", "Ballade vom kleinen Otto", "Gänselieschen"). "Aber ich kann’s nicht verstehen" ist die Filmmusik zu dem 1974 gedrehten DEFA-Film "Wie füttert man einen Esel", in dem Manfred Krug mitspielte. Das war der letzte offiziell produzierte Renft-Song. Für den DEFA-Film "Für die Liebe noch zu mager?" entstehen "Ich und der Rock" und "Als ich wie ein Vogel war". Renft stand für Klaus Jentzsch, er nahm den Mädchennamen seiner Mutter an. Übrigens steht im Thüringischen die Bezeichnung "Ranft", "Renfter", "Renftel" für den harten, bissfesten, übriggebliebenen Brotkanten. Seine Musiker haben Spitznamen wie Caesar (Peter Gläser), Jochen (Jochen Hohl), Pjotr (Peter Kschentz), Kuno (Christian Kunert) und Monster (Thomas Schoppe). Neben den "Phudys" und "Panta Rhei" war "Renft" der Publikumsliebling. "Wer die Rose ehrt" oder "Ketten werden knapper" wurden zu Hits, mit denen die FDJ sich identifizieren konnte. "Chilenisches Metall" bekundete Solidarität mit Chile. Andererseits schreibt sein Texter Pannach: "Mensch, wir werden fett gefüttert/ Mit Kampagnen immer neu./ Und ich krieg das große Kotzen." Als Renft trotz Verbotes dessen Lieder spielte, kam das Ende der Band, 1975 das Auftrittsverbot und auch die Sperrung der Zulassung durch den Kulturminister. Die beiden LP’s avancieren zu Raritäten. Klaus Renft geht 1976 nach dem Westen, aber auch hier ist er unangepasst, undiplomatisch, gibt nicht klein bei, arbeitet beim RIAS, als Aufnahmeleiter. Für die Moderation einer RIAS-Sendung spricht er nicht Hochdeutsch: "Ich stehe zu meiner Thüringischen Herkunft!"
Direkt nach der Wende wieder auf Tour durch den Osten, findet er hier eine treue Fangemeinde und 1999 erscheint das dritte Album "Als ob nichts gewesen wäre", später noch "Unbequem woll´n wir sein". Seit 2001 wohnt er im Thüringischen Löhma im alten Pfarrhaus mit der Malerin Heike Stephan. In einem Interview 2005 sagte er: "Ich gehe nicht davon aus, das ich sterben werde, aber wenn es sein muss, dann ist das auch okay". Seine Lieder werden uns in Erinnerung bleiben.

( Dr. H. Christel, 20.10.2006 )

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