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Starke Bilder für starke Bäume

"Von Menschen und Bäumen" lautet der Titel einer Foto-Ausstellung von Dr. Holger Christel in der kleinen aber feinen Galerie des Kulturbundes in der Greizer Straße. Und den Titel darf man durchaus als Programm betrachten, dem sich eine ursprünglich kleine, aber dann immer umfangreicher werdende Schar von Baumfreunden in Gera verschrieben hatte und hat: Die Natur für den Menschen zu bewahren.
Christels Fotos und andere Dokumente sind so "lokale Zeitdokumente, aber auch Zeugnisse der Schönheit zugleich". So jedenfalls charakterisierte Eugen Weber in seiner kurzen Laudatio das Anliegen, wie es auch der Fotograf gesehen haben mag.
Blenden wir zurück: Als bekannt wurde, dass die ehrwürdigen Kastanien am Elsterufer gerodet werden sollten, um "modernerer" Gestaltung des Naturraumes Platz zu machen, kam es im Mai des Jahres 2004 zu Demonstrationen. Die Baumfreunde gewannen den Kampf. Anders im Winter des vergangenen Jahres, als sich erneut an die 400 Personen im Küchengarten trafen und selbst bei strenger Kälte für den Erhalt alter Bäume und damit für den Reichtum des Parkes kämpften - ein engagierter Bürgerwille! Erst spontan, dann organisiert, mit guten Argumenten, und vor allem immer friedlich. "Die Polizei hatte maximal einen Streifenwagen mit zwei Polizisten geschickt", erinnert sich Eugen Weber. Die Würfel sind nun längst gefallen und damit eine stattliche Anzahl der Bäume, heute alles Vergangenheit, trotzdem aber keinesfalls vergessen.
Bei allen vier großen Demonstrationen war Dr. Christel dabei und hat zudem über alle vier Jahreszeiten Bäume fotografiert. Es entstanden Bilder, die von der urwüchsigen Kraft der Holzgewächse zeugen, ihrer unbestreitbaren Schönheit - und auch von ihrem Ende. Die Menschen hat der Fotograf dabei nicht vergessen, sondern in der Menge und im Detail dargestellt, ihren Zorn und ihren Optimismus, ihr Engagement und ihre Ohnmacht, hier Hoffen und die Niederlage. Mit der Gewalt des Augenblickes hielt der Fotograf die Ereignisse fest, es entstanden unbestechliche und nicht zu bestreitende Dokumente dieses Wechselspiels der Gefühle bei den Baum- und Naturfreunden. Dabei hat Dr. Christel auf Objektivität geachtet, ohne seine eigene Meinung zu verbergen, nie idealisiert, nicht stilisiert oder verfremdet; die Fotos vermitteln trotzdem viel mehr Gefühl, Verständnis und Zuneigung für die Bäume und die gesamte Natur, auf jeden Fall viel mehr, als das noch so geschliffene Worte vermögen. Die Momentaufnahmen dokumentieren für die Zukunft.
Das alles wird durch Zeitdokumente illustriert und ergänzt, ohne den Charakter der Fotoausstellung zu verbiegen. Dass sich unter den Exponaten eine stattliche Reihe von großflächigen Artikeln im Neuen Gera aus der Feder von Dr. Christel befinden, sei nur am Rande erwähnt.
Zur Vernissage blieb kein Stuhl leer. Die Schar der Baumfreunde scheint nicht kleiner geworden zu sein, der Bürgersinn für die Erhaltung der Natur ist geblieben. Die Zeit wird es zeigen, ob der Konsens, der schließlich in Sachen Küchengarten gefunden wurde, eine tragbare Lösung ist oder nicht und auch dem Urteil späterer Generationen standhält. Gabriele Hartmann trug jedenfalls nicht zufällig die "Konsensfindung" von Petra Bohl bei der Ausstellungseröffnung vor. Warten wir es ab!
Nicht hinausschieben sollte man den Besuch der Kulturbunds-Galerie, denn Dr. Christels Ausstellung hat viel Aufmerksamkeit verdient. Geöffnet ist sie bis 16. November. Mit einer Verlängerung ist nicht zu rechnen, denn die Räume sind schon bis zum Jahre 2008 restlos ausgebucht!

( Reinhard Schubert, 20.10.2006 )

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