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Gedenkstätte Torhaus - Zeugnis des Leidens und der Schicksale von Menschen

Rund 16 Jahre nach der politischen Wende hat Gera mit der Gedenkstätte Torhaus ein in Thüringen einzigartiges Mahnmal erhalten. Das Torhaus - der frühere Eingangsbereich des Stasi-Untersuchungsgefängnisses - ist von der früheren Haftanstalt übrig geblieben. Der Verein Gedenkstätte Amthordurchgang konnte wichtige historische bewegliche und unbewegliche Teile der Haftanstalt sichern, hat einen großen Fundus von teilweise erschütternden Dokumenten zusammengetragen und macht sie als Zeugen des Leidens und der Schicksale der von 1933 bis 1989 Inhaftierten in der Gedenkstätte jetzt der Öffentlichkeit zugänglich.
An der Eröffnung der rund 160 Quadratmeter großen Gedenkstätte nahmen Thüringens Landtagspräsidentin Prof. Dr. Dagmar Schipanski, zahlreiche weitere Persönlichkeiten und weit über 100 Besucher teil. Ein Teil von ihnen war aktiv an der Auflösung der Geraer Stasi-Dienststelle beteiligt, so Oberpfarrer Geibel, der in der Wendezeit auch am Runden Tisch mitgewirkt und im Auftrag seiner Kirche moderiert hatte. Prof. Schipanski würdigte die Arbeit zahlreicher Mitglieder des Vereins, der ein Hauptanliegen darin sieht, die Botschaft der Opfer nicht zu vergessen.
Das Stasi-Untersuchungsgefängnis war bereits in der Nazizeit von der Gestapo genutzt worden, danach hatte die sowjetische Militärpolizei von 1945 bis 1992 hier ein Auffanggefängnis eingerichtet. Das DDR-Ministerium für Staatssicherheit trat die Nachfolge an und inhaftierte hier politisch Andersdenkende. Ursprünglich lautete die Beschuldigung auf "Wirtschaftsverbrechen". Damit wollte die SED die Grundlage für Enteignungen von Unternehmern und anderen durchsetzen, später sprach man überwiegend von "Boykotthetze", um politisch Unbequeme zu isolieren und mundtot zu machen.
Eine besonders unrühmliche Rolle spielte die Haftanstalt auch während des Arbeiteraufstandes vom 17. Juni 1953. Gegen 15.30 Uhr hatten Arbeiter versucht, in das Gebäude einzudringen. Daraufhin versammelten sich im Hof des Hauses kasernierte Polizeikräfte, die gegen die Leute mit Stahlrohren vorgingen, ihnen wurde schließlich der Schusswaffeneinsatz befohlen. Als sowjetische Panzer kamen, flüchteten die Menschen vor der Übermacht. Durch Dokumente belegt ist auch, dass in dem Gefängnis vier Männer in Alter von 16 bzw. 17 Jahren inhaftiert waren und noch im April 1964 zum Tod verurteilt worden waren.
Insgesamt hatte die Stasi im Gebäude von 1952 bis 1989 rund 2700 Frauen und Männer inhaftiert. Der Jenaer Matthias Domaschk ist hier nur wenige Jahre vor der Wende aus bisher nicht geklärten Umständen zu Tode gekommen.

( (NG/ert), 25.11.2005 )

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