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Handgravuren wie zu Dürers Zeiten

Zeit und Geduld, handwerkliches Geschick und zeichnerisches Talent benötigt ein Graveur für seine Tätigkeit, umschreibt Joachim Jahn die Merkmale seines Berufs. Er hat 1960 seine Lehre bei dem bekannten Graveurmeister Oswald Kleinert abgeschlossen, 1979 seine Meisterprüfung abgelegt und 1980 sein eigenes Geschäft in der Lutherstraße 33 eröffnet. Heute wird die Firma 25 Jahre alt, und Graveurmeister Jahn kann auf Höhen und Tiefen zurückblicken.
Unzählige Pokale, Teller, Krüge und Namensschilder sind durch seine Hände gegangen. Jedes Stück ist ein Unikat, denn alles wird mit der Hand graviert und nur bei einigen Arbeiten die Graviermaschine verwendet. Doch vorher fertigt sich der erfahrene Handwerker eine Zeichnung an. Erst müssen die Schriftzüge, Wappen, Logos oder Figuren auf dem Papier entworfen sein, dann geht er mit dem Stichel ans Werk. "Die Handgravuren wie zu Dürers Zeiten können nicht durch moderne Maschinen ersetzt werden. Den Reiz der zarten und kräftigen Linien schätzen die Kenner unter meiner Kundschaft", bestätigt er.
Graviert wird Gold, Silber, Messing, Bronze, Kupfer, Aluminium, Edelstahl und sogar Glas und Holz. So manch ein Trauring trägt die Gravuren von Joachim Jahn. Er arbeitet eng mit Goldschmiede- und Uhrmacherwerkstätten zusammen. Nach den individuellen Kundenwünschen werden dann Siegelringe, Armbänder, Anhänger oder Uhren graviert. Monogramme, Namen oder Familienwappen werden auf Bestecke aus Edelstahl für den täglichen Gebrauch oder aus Silber für besondere Anlässe aufgebracht. Stolz ist der Graveurmeister auf seinen berühmtesten Kunden: Loriot alias Victor von Bülow. Er ließ sein Wappen in ein Besteck gravieren. Und stolz kann er auch auf ein besonderes Unikat sein. Für einen Fußballer gravierte er auf einen Zinnteller die Originalunterschriften seiner Teamkameraden.
Wetterfahnen für Kirchen, historische Gebäude oder private Villen, Grabkreuze, Glocken, Schreibgeräte, Zigarrenhüllen, Etuis und viele andere Dinge zum Verschenken, zur Erinnerung oder auch als Preis zur Auszeichnung werden von Joachim Jahn graviert. Viele Artikel von Zinnkrügen über Römer bis zu Pokalen und Schützenketten werden im Geschäft zum Verkauf angeboten. Vereine, Feuerwehr, Polizei, Bundeswehr, Behörden, und natürlich viele private Kunden gehören zu seinen Auftragsgebern.
Und trotzdem denkt der Graveurmeister an die Aufgabe seines Geschäftes. "Die Brötchen sind halt kleiner geworden. Der goldene Boden hat ganz schön gelitten im deutschen Handwerk", meint er besorgt. Aber der Meister will sich nicht ganz auf das Ruhekissen setzen.
Zum Ende des Jahres will er die Werkstatt in der Lutherstraße schließen und sie in sein Wohnhaus verlagern. "Viele Kunden haben schon Interesse angemeldet, auch in die Quellenstraße zu kommen", freut er sich. Vom Aussterben seines Berufes ist Joachim Jahn überzeugt, aber noch ist er Geras einziger Handgraveur.

( Helga Schubert, 02.09.2005 )

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