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Von der alten Tankstelle in den Kinostuhl

Ein modernes Museum, nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen aufgebaut, wegweisend für andere ähnliche Häuser im gesamten Land, in einer historischen Hülle - das verkörpert das Stadtmuseum, das am Sonnabend, 21. Mai für die Besucher wieder eröffnet wird. Vor drei Jahren schloss das Museum seine Pforten, die Objekte wurden sorgfältig verpackt und in sechs Außenmagazinen ausgelagert. Der Auszug nahm ein Vierteljahr in Anspruch. Der Einzug dauert wesentlich länger, denn gleichzeitig mit dem inneren Umbau wurde auch eine völlig neue Ausstellungskonzeption verwirklicht, wie die stellvertretende Leiterin Ute Heckmann versicherte.
"Zukünftig zeigen wir eine Dauer-, eine Sonder- und eine Themenausstellung", erklärte sie. Die Dauerausstellung, an der noch gearbeitet wird, wird das erste und zweite Obergeschoss einnehmen. Gera von der Erstbesiedlung bis zum 19. Jahrhundert soll 2006 und Gera im 20. Jahrhundert soll 2007 zu besichtigen sein. Ungewöhnlich, aber nicht uninteressant ist es, das Museum deswegen mit einer Themenausstellung zu eröffnen. Sie trägt den Titel "Stromauf". Den Namen erhielt die Schau nach dem Titel eines Holzschnittes des Geraer Malers Kurt Günther aus dem Jahr 1919. "Das Thema ‚Stromauf’" signalisiert den hoffnungsvollen, manchmal auch ungestümen Prozess der gesellschaftlichen Veränderungen jener Jahre, verweist aber zugleich auch auf Widerstände, die in begleitet haben", umschreibt Ute Heckmann den Inhalt der Ausstellung.
In 13 thematischen Bildern wird die Geschichte der ostthüringischen Industriemetropole zwischen Beginn des 20. Jahrhunderts und der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten - vom Fürstenhaus über das zeittypische Bauen bis hin zur modernen Kunst und zur Massenkultur gezeigt. Im Erdgeschoss ist der geschichtliche Teil aufgebaut, während die dritte Etage der künstlerisch-kulturellen Ge-schichte vorbehalten ist. Dem Besucher wird in inszenierten Bildern deutlich gemacht, das die Stadt Gera in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wirtschaftlich auf dem Höchststand war. Die Stadt machte sich auch einen Namen durch fortschrittliche Kommunalpolitik, durch weitsichtige Stadtplanungen und durch soziale und kulturelle Innovation. "Es gab viele zukunftweisende Visionen", schwärmt Ute Heckmann, leider habe die Zeit durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten nicht ausgereicht, um die Pläne und das überaus fortschrittliche Gedankengut zu verwirklichen, bedauert sie.
Aufgebaut sind neben einer Tankstelle und einem Künstlercafé mit Bildern der bekannten Geraer Maler auch ein Kino der 20-er Jahre. Er erinnert an das 1928 eingeweihte Palast-Theater, das für den Bau der Amthorpassage abgerissen wurde. Das Palast-Theater schrieb Kinogeschichte. Es zählte damals mit 1100 Sitzplätzen und großer Leinwand zu den größten und modernsten in Deutschland. Übrigens hatte Gera Ende der 20-er Jahr acht Kinos. Sie wurden von rund 500 000 Menschen im Jahr besucht! In der Schau erinnert das Minikino mit Klappsesseln, Kassenzone, Plakaten und Projektor an diese Zeit. Filme werden auch gezeigt, allerdings von einem modernen Beamer an die Leinwand projiziert.
Um die gesamte Ausstellung "Stromauf" zu sehen, muss sich der Besucher drei Stockwerke nach oben begeben. Hier ist der künstlerische Teil zu erleben: Gemälde, Grafiken, Plastiken. Wolfgang Schwarzentrub von der Kunstsammlung Gera, der diesen Teil mitgestaltete, verwies darauf, dass einige der Kunstwerke bereits in Gera in den 20-er/30-er Jahren ausgestellt waren. Künstler der Moderne fanden in der Stadt ein interessiertes Publikum. Namen von Otto Dix, Thilo Schoder, Alexander Wolfgang, Kurt Günther, Paul Weiser und viele andere werden zum lebendigen Geschichtsunterricht.

( Helga Schubert, 20.05.2005 )

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