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Von der Poliklinik zum leistungsfähigen Ärztehaus

Der Gedanke, alle Ärzte und andere medizinische Einrichtungen unter einem Dach zu finden, hat ebenso 50 Jahre überdauert wie das Stein-auf-Stein-Gemäuer des Ge-bäudes: Am 8. März kann das Ärztehaus Zwötzen Jubiläum feiern!
Bereits im Jahre 1950 entwickelten die Geraer Stadtväter den Gedanken, in der Lasurstraße eine medizinische Einrichtung zu schaffen, die mit der wachsenden Bevölkerungszahl Schritt halten konnte. Was sie damals noch nicht ahnten war die Entwicklung des späteren Neubaugebietes in Lusan, wo ab 1972 die Wohnhäuser wie Pilze aus der Erde schossen und in Hochzeiten rund 40.000 Menschen ein Dach über dem Kopf boten. Viele von ihnen waren von der ersten Stunde an ebenfalls Patienten der Zwötzener Ärzte.
Die Vorbereitungsphase für den Bau verlief selbst für damalige Zeiten in relativ kurzer Zeit, bereits 1952 waren die Projektierungsarbeiten abgeschlossen, so dass die Geraer Stadtverwaltung bereits am 3. Februar 1953 das damalige Entwurfsbüro für Hoch- und Tiefbau in Jena mit der bautechnischen Vorbereitung beauftragen konnte. Das Haus selbst wurde von dem bekannten Geraer Architekten Werner Lonitz geschaffen, der sich bereits in dieser Zeit hohes Ansehen erworben hatte, so u. a. durch seine Bemühungen um den Wiederaufbau der Orangerie in Gera-Untermhaus und die Sicherung und des Aufbau zahlreicher historischer Denkmale in Ostthüringen und darüber hinaus. Die Planer gingen von einer Investitionssumme von 1,25 Millionen Mark (!) aus.
Der Neubau der Poliklinik wurde zum Objekt des Nationalen Aufbauwerkes (NAW) erklärt und ab März 1953 waren es Hunderte fleißige Helfer, die den Bodenaushub ohne größere technische Hilfsmittel bewerkstelligten. Dass es sich dabei um organisierte "gesellschaftliche Einsätze" handelte, schmälert die Einsatzbereitschaft und den Fleiß dieser Helfer in keiner Weise. Es gab durchaus noch Gemeinsinn und soziale Verantwortung.
Die Arbeiter des VEB Bau-Union begannen mit ihrer Arbeit im Juli 1953 und konnten bereits im Februar 1954 den Rohbau fertig stellen. Ohne die später üblichen Fertigteile, sondern Stein auf Stein. Damit wurden - damals natürlich unbeabsichtigt - auch die Möglichkeiten für spätere bautechnische Umgestaltungen vereinfacht.
In medizinisch-funktioneller Hinsicht hatte man von vorn herein geplant, vor allem die chirurgische Erste Hilfe rund um die Uhr einsatzbereit zu halten und damit das Krankenhaus zu entlasten. Die enge Verbindung mit diesem "Mutterhaus" sollte auch dadurch gesichert werden, dass man die Poliklinik in der Anfangsphase als eine Art Abteilung des Krankenhauses betrachtete. Zur Chirurgie kamen noch praktische Ärzte, Kinderabteilung, Gynäkologie, Innere Medizin, HNO, Augenarzt sowie Zahnarzt. Ergänzt wurde das durch eine eigene Röntgenabteilung, Labor und einen Bäderbereich. Auf eine eigene Apotheke hatte man verzichtet, weil sich die "Löwen-Apotheke" im unmittelbaren Einzugsbereich befand.
Im März 1955 nahmen dann die Ärzte, Schwestern und anderes medizinisches Personal sowie weitere Beschäftigte ihre Arbeit auf. Das geschah in würdiger Form. Zu einem kleinen Festakt waren Oberbürgermeister Curt Böhme und weitere Persönlichkeiten der Stadt erschienen. Die Sprechzeiten waren den Bedürfnissen angepasst und reichten von Montag bis Freitag, für einige Abteilungen sogar bis Sonnabend. Zur Eröffnung waren 17 Mitarbeiter beschäftigt, zum Jahresende bereits 34.
Seit dieser Zeit praktizieren übrigens die Dermatologin Sanitätsrat Dr. med. Weidner sowie der auf Naturheilverfahren/Chirotherapie spezialisierte Praktische Arzt Medizinalrat Dr. med. Nicolai ununterbrochen an der Zwötzener Klinik.
Das Spektrum der Aufgaben verbreiterte sich in den Folgejahren erheblich, bald kamen die ärztliche Betreuung der Kindergärtem und -krippen sowie der Schule hinzu. Ab 1976 gehörten weitere Arztpraxen, die sich um Umfeld befanden, als Außenstellen zu Poliklinik, so dass die Zwötzener Einrichtung über 22 Außenstellen verfügte.
In diesem Zusammenhang ist noch eine Besonderheit zu erwähnen: Sieht man von der unmittelbaren Gründungsphase unter Chefarzt Dr. med. Wiedenfeld ab, so hat die eigenständige Poliklinik mit Obermedizinalrat Dr. med. Schramm, Facharzt für innere Medizin, und Medizinalrat Dr. med. Geßner, ebenfalls Facharzt für Innere Medizin, bis 1990 nur zwei Ärztliche Leiter gehabt. Sie praktizierten natürlich trotz hohen Verwaltungsaufwand selbst weiter und waren hochgeschätzte Ärzte .
Der medizinische Standard der Poliklinik ging weit über den damaligen Durchschnitt hinaus, so dass eine große Anzahl von Ärzten auch für den Unterricht an der damaligen Medizinischen Fachschule gewonnen werden konnten.
Nach der politischen Wende war der Fortbestand der Einrichtung gefährdet. Die damalige Poliklinik wieder auf eigene Füße zu stellen, ist vor allem einer engen Zusammenarbeit von Chefarzt Dr. Geßner und der langjährigen Geraer Gesundheitsdezernentin Elvira Krumflek mit dem ebenfalls viele Jahre tätigen Geschäftsführer der neu gegründeten Verwaltungs-GmbH Kurt Haudek zu verdanken.
Und so mag der eine oder andere Gesundheitspolitiker gegenwärtig mit gewisser Zufriedenheit konstatieren, dass die sich von der Poliklinik zum Ärztehaus gewandelten Einrichtungen hervorragend be-währen und die Entscheidung von 1990, "alles unter einem Dach" zu lassen, richtig gewesen ist und mancherorts sogar eine Art Renaissance erleben.
Der Sprung in die Selbständigkeit war aber für viele Ärzte eine schwierige Herausforderung, der Charakter des Hauses hat sich geändert. "Heute haben wir keine zentrale Aufnahme mehr, jede Praxis arbeitet selbständig", meint Frau Pharmazierat Anneliese Peterhänsel, die neben ihrer Haupttätigkeit als Inhaberin der 1992 ins Haus umgezogenen "Löwen-Apotheke" auch als Geschäftsführerin der Verwaltungs-GmbH fungiert. Die Patienten haben sich daran gewöhnt. Vieles wurde auch einfacher, z. B. durch den Einbau eines behindertengerechten Aufzuges. Und das gesamte Haus ist auch weiterhin bemüht, nach Fertigstellung der Stadtbahnlinie 1 weitere Pkw-Stellplätze zu schaffen.
Und wie geht es in medizinischer Hinsicht weiter? "Naja, Pläne haben wir schon", so die Apothekerin. Wir haben viele gute Ärzte, die eine optimale ambulante Versorgung garantieren. Sie hofft darauf, auch noch einen guten Orthopäden zu finden, der die "Stammbesatzung" dann komplettieren könnte.
Werden die 50 Jahre nun gebührend gefeiert? Nicht so großartig, meinte Frau Peterhänsel. Aber für ihre Apotheke hat sie doch schon einmal eine Jubiläumstombola vorbereitet, bei der man nur gewinnen kann. Und vielleicht kommt doch der eine oder andere Patient oder ein "Offizieller" zur Gratulation. Neues Gera gratuliert - das darf man zum 50-jährigen ausnahmsweise tun - und wünscht weiterhin viel Freude beim Dienst für die Gesundheit der Patienten!

( Reinhard Schubert, 04.03.2005 )

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