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Geraer Unternehmen auf Erfolgskurs

Vielleicht kennen Sie den Ausspruch von Heinrich Heine: "Sie tranken heimlich Wein und predigten öffentlich Wasser". Wie halten Sie’s damit?
Als gebürtiger Franzose liebe ich natürlich einen guten Tropfen Wein. Aber seit ich ab 2001 in Deutschland bin, schmeckt mir auch ein kühles Köstritzer Schwarzbier. Doch ich trinke auch gerne Leitungswasser. Das Trinkwasser, das wir aufbereiten, hat eine hohe Qualität. Es ist das am besten kontrollierte Lebensmittel: appetitlich, farblos, klar, kühl, geruchlos und geschmacklich einwandfrei. An heißen Sommertagen ein Genuss! Damit entspricht es den strengen Maßstäben der deutschen Trinkwasser-Verordnung und den EU-Normen.
Woher kommt das Wasser, das die Geraer trinken?
In Thüringen gibt es 105 Wasserversorger. Seit Januar 2003 ist einer davon die OTWA, Dienstleister für Trinkwasser und Abwasser für den Zweckverband Wasser/Abwasser "Mittleres Elstertal". Unsere Kunden sind Kommunen, Industriebetriebe und private Haushalte. Das Gebiet des Zweckverbandes "Mittleres Elstertal", das wir betreuen, umfasst 40 Kommunen in Ostthüringen mit insgesamt 160.000 Einwohnern. Dazu gehören Gera sowie Kommunen des Landkreises Greiz. Unser Unternehmen erhielt ein Zertifikat für unser Qualitäts- und Umweltmanagement-System. Unsere derzeit 215 Mitarbeiter (davon 15 Lehrlinge: entspricht sieben Prozent der Belegschaft) produzieren jährlich rund 8,5 Millionen Kubikmeter Trinkwasser und reinigen 11,5 Millionen Kubikmeter Abwasser. Zu 80 Prozent kommt das Trinkwasser vom Fernwasserverband Nord- und Ostthüringen (FWZ). 20 Prozent stammen aus zwölf verbandseigenen Quellen (z.B. Zedlitz, Seifersdorf und Gleina) und 18 Tiefbrunnen (z.B. Caaschwitz und Frießnitz). Das Leitungsnetz für Trinkwasser ist 1.100 Kilometer lang. In den kommenden zwei Jahren wollen wir den Anteil von Fernwasser (vor allem gespeist aus der Talsperre Leibis) auf etwa 90 Prozent erhöhen.
Ist für die Geraer das Wasser zum Luxus geworden oder kann man den Wasserpreis noch annehmbar bezeichnen? Es hieß einmal, der tägliche Bedarf an Trinkwasser je Einwohner mache in Deutschland den Preis nur etwa eines Doppelbrötchens aus.
Der Trinkwasserpreis war, ist und bleibt in Gera durchaus moderat. Er beträgt 2,23 Euro pro 1000 Liter plus zehn Euro monatlicher Grundpreis. Das ist deshalb möglich, weil der Zweckverband 2002 beim Fernwasser eine Preissenkung ausgehandelt hat und weil wir als OTWA kostengünstiger arbeiten.
Eine vierköpfige Familie in einem Eigenheim hat im Durchschnitt einen Verbrauch von rund 120 Kubikmetern im Jahr. Also belaufen sich die Kosten auf 388 Euro oder auf reichlich einen Euro pro Tag. Legt man zugrunde, dass die Familie täglich vier Doppelbrötchen verzehrt, dann wird deutlich, dass das Lebensmittel Trinkwasser preisgünstiger ist.
Trinkwasser soll jetzt weicher werden. War es denn bisher zu hart?
Für einige Stadtteile Geras und umliegende Kommunen haben wir den Anteil an Fernwasser erhöht. Damit lässt sich die Wasserhärte von 35 auf 16 Grad deutscher Härte verringern. Die Senkung des Kalkgehaltes bedeutet weniger Waschmittel. Die geologische Struktur der Region bringt es mit sich, dass das Trinkwasser doch recht hart ist.
Sind die Geraer Sparer oder Verschwender von Wasser?
Die Geraer und Ostthüringer sind sparsame Wasserverbraucher. Im Verbandsgebiet liegt der durchschnittliche tägliche Verbrauch pro Einwohner bei etwa 100 Litern (Bundesdurchschnitt: 130 Liter). Das bedeutet natürlich nicht, dass - pardon - sich die hiesige Bevölkerung weniger wäscht. Nein, es gibt in der Region einfach zu wenig Großabnehmer, wie z.B. Industriekunden.
Der größte Wasserschlucker ist im Haushalt die Toilette (bis zu neun Liter bei jeder Spülung), gefolgt von der Dusche (bis zu 25 Liter) und der Waschmaschine (bis zu 70 Liter). Den geringsten Anteil hat das Lebensmittel Wasser zum Trinken (pur oder als Kaffee und Tee sowie zum Speisenkochen). Zur Senkung des Wasserverbrauchs gibt es inzwischen eine Vielzahl von Spararmaturen, wie z.B. Stopptasten und Durchflussbegrenzer sowie wassersparende Waschmaschinen und Geschirrspüler.
Für die Abwasserreinigung gibt es das Klärwerk in Stublach. Ist die Anlage nicht überdimensioniert?
Stublach wurde Ende 1996 in Betrieb genommen und ist für 200.000 Einwohnergleichwerte konzipiert und damit auf lange Sicht ausreichend bemessen. Mit dem modernen Klärwerk, das etwa 80 Millionen Mark gekostet hat, verfügt Gera erstmals in seiner Geschichte über eine ordnungsgemäße, umweltgerechte Abwasserreinigung. 2004 haben wir 7,6 Millionen Kubikmeter Abwasser aus Gera, aus Köstritz und von der dortigen Brauerei geklärt. Außerdem reinigen wir Regenwasser von den Straßen.
Das Kanalnetz im Gebiet des Zweckverbandes beträgt etwa 810 Kilometer, davon Gera allein 460 Kilometer. Das muss instandgehalten, repariert, überwacht und kontrolliert werden. Eine enorme Aufgabe!
Wie steht‘s um den Nachwuchs junger "Wassermänner"?
Die Heranbildung des eigenen Nachwuchses ist uns Herzenssache. Wir bilden jährlich vier bis fünf neue Lehrlinge aus, z.B. als Monteure, Elektriker und Bürokaufleute. Es gibt erfreulicherweise viele Bewerber.

( Harald Baumann, 25.02.2005 )

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