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Zukunft des Küchengartens - Eine schwierige Entscheidung

Im Stadtarchiv hat sich eine Lithographie erhalten, übrigens in dem sehr informativen Bildband "Das war das 20. Jahrhundert in Gera" von Friedemann/Brodale öffentlich gemacht, die auf Nachfrage auf das Jahr 1888 datiert wurde. Was ist das Besondere daran?
Erstens: Man sieht in der Küchengartenallee schon die erste von sechs kleineren Villen stehen. Gegenüber der Orangerie kann man auf der einen Seite die Hausmühle erkennen und auf der anderen eine Schule. Da wo sich heute das Hotel Courtyard by Marriot befindet, lag damals die fürstliche Hofgärtnerei, von der man über Stufen direkt in den Küchengarten gelangen konnte.
Zweitens: Man erkennt eine große Anzahl von alleenartig gepflanzten Bäumen, die sich von der Untermhäuser Brücke bis zur Orangerie in vier Reihen entlang ziehen und sich kurz vor derselben zentral aufweiten, um so den Blick auf den repräsentativ gestalteten Zugang zum Küchengarten freizugeben. Folgt man der geschwungenen Form der Orangerie, so schließen sich die heute so umstrittenen beidseitigen Randstreifen an. Damals wurde jedoch die Anlage auf beiden Seiten auf der ganzen Länge von einer Kastanienallee flankiert, die jedoch noch weiter außen lag. Der Garten nach französischem Muster, der Begriff Barock wurde erst später für eine ganze Epoche geprägt, wurde durch eine horizontal verlaufende Kastanienallee begrenzt, daran schloß sich ein Landschaftsgarten nach englischen Intentionen an. Die Kastanienalleen wurden nach Prof. Brückner "vor 1870 von Heinrich XXX." angelegt.
Drittens: Die Alleen, die Orangerie und der Küchengarten bilden in der Anlage eine Einheit, die heute schwer zu erfassen ist, da das gesamte Gelände von unzähligen Straßen und vor allem von Verkehr umgeben ist und unterbrochen wird. Kernstück der Anlage war aber damals schon der gestaltete Garten mit einem zentralen Wasserspiel und symmetrisch angelegten Wegen und Grünflächen mit Blumenrabatten und Bosketts. Die Blumenarrangements sind übrigens auf alten Ansichtskarten immer wieder in verschiedenen Variationen zu bewundern und besonders um den zentralen Brunnen wurde sich viel Mühe gegeben.
Es ist der Buga nicht zu verübeln, wenn sie sich auf ihre Fahnen geschrieben hat, diese Anlage im Sinne des Barock wieder herzustellen.
Heute stehen im zentralen Teil des Küchengartens die herrlichen Blutbuchen, die im Sommer den ersehnten Schatten spenden, ebenso wie die beiden Magnolien, die im Frühjahr mit ihrem üppigen Blütenschmuck die Geraer in den Park locken. Die beiden Randstreifen aber sind das eigentliche Highlight des Parkes heute. Im nördlichen Streifen steht z.B. eine der ältesten Platanen Deutschlands. Man schätzt sie auf ca. 220 Jahre, mit einem Umfang von 5,95 m in 1,3 m Höhe gemessen. Direkt am Kulissenhaus gelegen, bildet sie mit ihrer auffälligen Rinde und den Verwachsungen und vor allem in ihrer Stärke und 30 m hohen Schönheit einen Blickfang, der mehr hervorgehoben werden müsste. Auch auf dem nördlichen Randstreifen stehen gleich hinter dem Orangerieflügel zwei Kultivare der Douglasie. Die eine hält ihre Äste wie einen Reifrock und die andere hat weiter reichende Zweige. Im südlichen Streifen steht eine Eibe, die durch ihre schlangengewundenen, verzweigten Äste auffällt und inzwischen 14 m in die Breite gewachsen ist. Ihr unregelmäßiger Wuchs ist wahrscheinlich auch auf die Bombenschäden 1945 zurückzuführen. Heute sind die immergrünen Eiben nur noch selten anzutreffen.
Weiter wäre zu berichten von den alten Rosskastanien, die 2005 zum Baum des Jahres erhoben wurden, den prächtigen Blutbuchen, den wunderbaren Hainbuchen, den stattlichen Tulpenbäumen und, und, und... Es ist daher kein Wunder, wenn sich am 6. Februar ca. 400 Bürger der Stadt Gera, darunter Leute vom Kulturbund, Geschäftsleute, Ärzte, und Politiker, im Küchengarten zusammenfanden, um ihren Willen zu bekunden, etwas für diese dendrologischen Kostbarkeiten zu tun.
Am 12. Februar erschienen ebenfalls fast 400 interessierte Geraer. Bei einer anschließenden Extra-führung vom dafür prädestinierten Spezialisten, Herrn R. Conrad, habe ich auch erfahren, dass diese Bäume etwas Besonderes sind, dass sie einmalig und eigentlich unersetzbar sind, mit ihrer Geschichte, in ihrer Schönheit, mit ihrem prachtvollen, stattlichen Wuchs. Eine Frau sagte anschließend: "Ich habe gar nicht gewusst, dass hier so kostbare Bäume stehen und jetzt kann ich auch verstehen, dass die Geraer sich mit ihren Bäumen solidarisieren. Ich werde auf jeden Fall am nächsten Sonntag wieder dabei sein. Für die Buga und die Stadt Gera wären dendrologische Führungen eine Bereicherung, zumal im Hofwiesenareal noch weitere seltene Bäume und Naturdenkmale anzutreffen sind.
Ich möchte nicht in der Haut der Verantwortlichen stecken, die zu entscheiden haben, welche Vision nun verwirklicht wird. Ein Konglomerat verschiedener Stile kann es eigentlich auch nicht sein, dazu ist der Küchengarten, gemessen etwa am Dresdener Zwinger, am Park von Schloß Charlottenburg in Berlin oder an der Parkanlage Großsedlitz zu klein, zu unbedeutend. Für den Architekten wäre es besser, die Anlage auf freiem Felde neu entstehen zu lassen, da man sich so nicht um Konventionen kümmern müsste und freies Spiel hätte. Aber leider sind die Verhältnisse nicht so und deshalb ist die Angelegenheit so schwierig, sie zur richtigen von den Bürgern akzeptierten Entscheidung zu bringen. Ein Gedicht von Friedrich Schiller, dessen 200. Todestag wir dieses Jahr feierlich begehen, spricht das Für und Wieder in einer solchen Situation an:
Spinoza
Hier liegt ein Eichbaum umgerissen,
Sein Wipfel tät die Wolken küssen,
Er liegt am Grund - warum?
Die Bauren hatten, hör ich reden,
Sein schönes Holz zum Bau vonnöten,
Und rissen ihn deswegen um.

( Dr. H. Christel, 18.02.2005 )

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