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Das breite Angebot der Kirche als "Lebenselixier"

Haben Sie heute schon gebetet?
Aber ja doch. Das tue ich jeden Morgen und mehrmals am Tag. Das Gebet als ständiger Kontakt zu Gott ist mir ein Herzensbedürfnis. Das gibt mir Kraft für mein Privatleben und für meine verantwortungsvolle Tätigkeit als Superintendentin.
Den politischen Parteien und auch den Organisationen wie beispielsweise den Gewerkschaften laufen die Mitglieder davon. Geht es Ihren "Schäfchen" auch so?
Ja, und zwar vor allem durch die beängstigend hohe Abwanderung von Berufstätigen aller Generationen. Wir haben kein Austrittsproblem, wohl aber ein Eintrittsproblem. Wir zählen in Gera derzeit etwa 10.000 Gemeindeglieder, und wir schätzen die Anzahl der Sympathisanten auf die gleiche Grö-ßenordnung.
Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Gera, zu der rund 30 Kirchengebäude und Gemeindezentren gehören, ist so strukturiert, daß es in jedem der vielen Ortsteile ein Kirchengebäude gibt, für das ein Pfarrer oder eine Pfarrerin als Ansprechpartner zuständig sind. Derzeit verfügen wir im Bereich der Superintendentur über 20 Pfarrstellen.
Wir möchten die Geraer ermutigen, das Angebot der Kirche als Lebenselixier zu nutzen. Wir wollen durch unsere Arbeit helfen, dem christlichen Glauben Sprache zu geben, Suchenden einen Weg zu zeigen, die atemlose Seele zur Ruhe kommen zu lassen und christliche Gemeinschaft zu leben. Noch immer gilt das Christus-Wort: "Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken".
Als Beispiel für eine thüringenweite "Rückholaktion" möchte ich das Projekt zum Wiedereinstieg "Sie werden erwartet" nennen. Es beginnt mit dem Buß- und Bettag am 17. November 2004 und geht bis 28. März 2005 (Ostermontag). Als Auftakt ist in Gera an der Sorge auf dem Platz vor dem Galeria-Kaufhof am 18. November eine Veranstaltung geplant mit Informationen, persönlichen Ge-sprächen, Mit-mach-Aktionen, Open-Air-Gottesdienst und musikalischen Darbietungen.
In Krisenzeiten suchen die Menschen verstärkt nach einem Halt. Kann Ihnen das die Kirche bieten?
Ich denke schon. Wir wollen mit den menschlichen Erfahrungen, wie sie in der Bibel zu lesen sind, Orientierung, Halt, Lebensmut und Zuversicht vermitteln. Immerhin enthält die Bibel eine imposante Zahl an Lebensweisheiten und Handlungsrichtlinien, die wir in unsere Zeit transformieren. Zum Instrumentarium der Vermittlung gehören Sonntagspredigten und Bibelgespräche, jährlich einmal eine Bibelwoche und viele weitere Formen der Begegnungen und Kontakte.
Seit der Gründung im Jahre 1992 bewährt sich zum Beispiel als Treffpunkt für junge Leute (täglich etwa 30 Besucher) unser "Evangelisches Jugendhaus in der Berliner Straße, für das wir die hebräische Bezeichnung "Shalom" (Frieden) gewählt haben. Unser Konzept zielt darauf, traditionelle kirchliche Jugendarbeit mit offenen sozialpädagogischen Angeboten zu verbinden.
Noch immer ist die Dominanz der atheistisch geprägten Jugendweihe unübersehbar. Wie halten Sie mit der Konfirmation dagegen?
Nun, indem wir im Konfirmandenunterricht die Vermittlung christlicher Werte (z. B. Nächstenliebe oder gewaltlose Konfliktbewältigung) und von Glaubensinhalten mit interessanter Freizeitgestaltung verbinden. In diesem Jahr haben wir 80 Jugendliche konfirmiert. Beliebt sind in den beiden Jahren der Vorbereitung auf die Konfirmation beispielsweise unsere zwei mehrtägigen Ausfahrten, die wir "Konfirmanden-Freizeit" nennen. Übernachtet wird in unseren Rüstzeitheimen (Jugendherbergen), von denen die Landeskirche in Thüringen 15 unterhält.
Das soziale Engagement der Kirche wird sicher auch von ihren Gegnern anerkannt. Wie steht’s damit in Gera?
Im Raum Gera befinden sich in kirchlicher Trägerschaft sechs Kindertagesstätten, ein Altenheim sowie ein Heim für betreutes Wohnen. Ein bedeutendes Pensum sozialer Arbeit leisten das moderne Diakonie-Zentrum und die Kreisdiakoniestelle in Gera-Untermhaus. Hier gibt es ein umfangreiches Beratungsangebot, so im psycho-sozialen Bereich. Auch die Schuldnerberatung wird stark in Anspruch genommen. Ebenso holen sich Spätaussiedler und Asylsuchende häufig Rat. Im diakonischen Bereich Geras stehen 138 Personen in Lohn und Brot.
Soeben hat eine ZDF-Sendung die Kirche angegriffen, weil sie angeblich von Ostdeutschen, die aus der Kirche ausgetreten sind, Kirchensteuer will. Wie halten Sie’s damit?
Wir anerkennen grundsätzlich jeden zu DDR-Zeiten offiziell erfolgten und dokumentierten Austritt. Dienststellen, wie z. B. Amtsgericht oder Standesamt, nahmen die schriftlich oder mündlich erfolgte Austrittserklärung entgegen. Dort kann man sich jederzeit den Nachweis holen, um so von der Kirchensteuer befreit zu sein.
Mit Musik geht alles besser, sagt der Volksmund. Sieht das die Kirche auch so?
Auf jeden Fall. Musik und Bildende Kunst sind elementare Lebensäußerungen der Kirche. Chöre und Instrumentalgruppen verschiedenster Prägung laden zum Hören oder Mitmachen ein. Die Kirchenmusik leistet einen besonderen Beitrag in der kulturellen Landschaft Geras. Herausragende Aufführungen in den letzten Jahren waren Oratorien, Bachs Johannis-passion, das Brahmssche Requiem und weitere.
Wie wird man Superintendentin?
Ich bin gebürtige Pößneckerin, Jahrgang 1964, verheiratet, drei Kinder und habe in Rostock und Naumburg Theologie studiert, war 13 Jahre lang Pfarrerin in zwei Thüringer Gemeinden. 2002 ernannte mich der Landeskirchenrat zur Superintendentin in Gera.

( Harald Baumann, 29.10.2004 )

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