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Dr. Geßner zieht den weißen Ärztekittel aus

Eigentlich wollte er nur den Eltern einen Gefallen tun, als er sich entschied, Medizin zu studieren und Arzt zu werden. "Es hat mit aber auch ein bißchen imponiert, zwei Cousins waren bereits Mediziner und Sprechstundenbeginn 9 Uhr hat mir auch gefallen", bekennt er freimütig. Heute, nach 44 Jahren medizinischer Tätigkeit, hat er längst bewiesen, dass es doch Berufung war, dass er ein Arzt aus Leib und Seele ist: MR Dr. Manfred Geßner. Und nun denkt er ans Aufhören.

"Das ist mir nicht leicht gefallen", gibt er zu. Eigentlich hätte er schon vor zwei Jahren aufhören wollen, da habe er aber keinen Nachfolger für seine Praxis im Ärztehaus in Gera-Zwötzen gefunden. Nun aber werde ein ungarischer Kollege aus Debrecen einsteigen. Bei ihm wisse er seine Patienten in guten Händen.
Unter der Geraer Ärzteschaft stellt Dr. Geßner eine Persönlichkeit dar. Bescheiden winkt er ab: "Das waren eigentlich meine Lehrer". Und er nennt mit Hochachtung Oberarzt Schreiber und vor allem Oberarzt Gantenbein, der in der Medizinischen Klinik in Gera tätig war und wo der frisch gebackene Mediziner nach Jena und einem Landjahr in Zeulenroda und Auma sich zum Facharzt ausbilden ließ. "Oberarzt Gantenbein war eine wirkliche Persönlichkeit. Von ihm habe ich viel gelernt, vor allem die Gründlichkeit in der Anamnese. ‚Du musst Dir bei der Untersuchung des Patienten immer alles anschauen, nichts auslassen‘, hat er immer gesagt", erinnert sich Dr. Geßner.

Von den 44 Berufsjahren war Dr. Geßner 29 Jahre in der Poliklinik Zwötzen, dem jetzigen Ärztehaus, tätig. Er löste Dr. Schramm ab und wurde Ärztlicher Direktor. Vom Krankenhaus trennte er sich mit großem Bedauern, Leitungsaufgabe habe er nur ungern übernommen.
"Bestimmt war ich auch in den Augen der Oberen nicht ein so guter Leiter", gibt er zu. "Zivilverteidigung, FDJ-Arbeit, Neuererwesen und Gewerkschaft - In alles war man eingebunden". Das sei nicht angenehm gewesen. Die Mitarbeiter rechneten es ihm hoch an, dass er von ihnen nicht den Parteikram abverlangte. "Zeitungsschau gab es bei mir nicht", sagt er. 1989 nach der Wende stellte er sich einer freien und geheimen Wahl und wurde als Chef gewählt.
"Das hat mich überwältigt", freut er sich. Allerdings sei die Umstrukturierung der Poliklinik eine schwere Zeit gewesen. Damals habe die Stadt noch Unterstützung gegebene. Die Ärzte mussten sich frei niederlassen, und aus der Poliklinik wurde ein Ärztehaus, das mit dem Ärztehaus in Bieblach eine Verwaltungs GmbH bildete. Dr. Geßner ließ sich in der Zwötzener Einrichtung als Internist nieder.

Viele unterschiedlichen Ärzte in einem Haus zu haben, dazu weitere medizinische Leistungen ist von Vorteil, vor allem für die Patienten, aber auch für die Praxen untereinander, bestätigt der erfahrene Arzt. Arbeit und Leistung wird heute belohnt, im Gegensatz zu früher, wo alle das gleiche Gehalt bekommen hätten, ist Dr. Geßner der Meinung. Nicht so gut findet er, dass Unterschiede bei der Behandlung von Privat- und Kassenpatienten gemacht werden. Er habe sowieso jeden behandelt, auch, wenn er die zehn Euro Gebühr nicht bezahlen konnte.

Wenn am 31. Oktober Dr. Geßner Stethoskop ablegt, den weißen Kittel auszieht und die Tür seiner Praxis hinter sich zu macht, greift er zur Hacke und Schaufel in seinem Gärtchen am Haus in der Sommerleithe. "Ich werde zwar noch für Gutachten für das Versorgungsamt zur Verfügung stehen, aber meine Haupttätigkeit wird dann tatsächlich die Gartenarbeit sein, das hat mir meine Frau, die ja auch Ärztin ist, verordnet", sagt er verschmitzt.

Seine große Leidenschaft sei Lesen. Und dann will das Ehepaar noch eine paar weiße Flecken ihrer Reiseliste aufsuchen, soweit es die Gesundheit zulässt, bestätigt er. Seine Patienten werden ihn vermissen, doch die Gesundheit, zu der er ihnen in all den Jahren verhalf, die wünschen sie ihm von ganzem Herzen.

( Helga Schubert, 15.10.2004 )

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