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Als Gera unter Wasser stand

Für den 7. Juli vor 50 Jahren sah die Wettervorhersage für den Thüringer Raum so aus: wechselnd bewölkt, einzelne Schauer, zu kühl. Doch damit lagen die Meteorologen voll daneben. Bereits am Nachmittag setzten besonders im Ostthüringer Raum starke Regenfälle ein, die bis zum 10. Juli anhielten. Am Oberlauf der Elster und im westlichen Erzgebirge bildete sich eine Hochwasserwelle, die nach Gera vorrückte.
Bis zum 11. Juni erreichte die Elster in Gera die höchsten bis dahin gemessenen Wasserstände, die Dämme weichten auf, und in Langeberg, Untermhaus, Zwötzen und anderen Stadtteilen nahe der Elster hieß es bereits am 10. Juli "Land unter"
"Land unter - Hochwasserkatastrophen in Gera" so auch der Titel einer Ausstellung, die derzeit bis zum 22. August im Museum für Naturkunde zu sehen ist. Gemeinsam mit dem Stadtmuseum und dem Stadtarchiv wurde der schwersten Überschwemmung in der Geschichte Geras mit fotografischen Bilddokumenten gedacht. Aber auch andere Hochwasserereignisse des 20. Jahrhunderts werden beschrieben.
Ute Heckmann, stellvertretende Leiterin des Stadtmuseums, ging noch weiter in die Geschichte zurück. Zur Eröffnung der Ausstellung berichtete sie von zwei Überschwemmungen im 18. Jahrhundert: 1769 im Juni hat das Wasser die gesamte Heuernte vernichtet (eine Katastrophe für die Pferde, die eine wichtige Hilfe für die Menschen waren) und 1799 im Februar war dem Hochwasser eine große Kälte, vorausgegangen. An-schließendes Tauwetter führte zu hohem Eisgang auf der Elster, dass sogar die Heinrichsbrücke zerstört und weggeschwemmt wurde. Ähnlich 1909. Auch da war es im Februar sehr kalt mit dickem Eis auf der Elster. Schneeschmelze und Tauwetter ließen den Fluss anschwellen und über die Ufer treten. Beschreibungen zufolge sollen die Eisschollen über das Wehr gekracht sein. Zwötzen, Debschwitz und Untermhaus waren überflutet. Darüber gibt es in der Ausstellung die ersten Fotografien. 1924 waren wieder Teile von Debschwitz, Untermhaus und Zwötzen betroffen. Im August des Jahres hatte es mehrere Tage hintereinander geregnet. Das Wasser drang sogar durch die den Eisenbahndamm querenden Straßenführungen weiter in Richtung Stadtzentrum bis zur heutigen Heinrichstraße vor.
Mit dem 1954-er Hochwasser hat sich der Leiter des Stadtarchivs, Klaus Brodale befasst. Auch viele Geraer können sich noch sehr gut daran erinnern und auch an die vielen Helfer, die aus anderen Städten kamen, aber auch an die Hilfsaktionen der sowjetischen Soldaten. Darüber berichtet eine Kopie des Gemäldes, das im Haus der DSF hing. Das riesengroße Bild hätte hier nirgends hingepasst, sagte Klaus Brodale. Es sei in der Festung Königstein in einem Kunstdepot gut verwahrt.
Natürlich darf auch das Hochwasser von 1981 in der Ausstellung nicht fehlen, obwohl damals nicht die Elster, sondern die Nebenbäche wie der Saarbach und der Erlbach die zerstörenden Fluten brachten. In Scheubengrobsdorf, Rubitz, Thieschitz und Milbitz waren fast sämtliche Häuser in Mitleidenschaft gezogen, und es kam zu drei tragischen Todesfällen.
"Land unter", so meinte die Leiterin des Naturkundemuseums Christel Russe, sei ein wichtiges Thema zur richtigen Zeit, um die Diskussion zum Hochwasserschutz um den Hofwiesenpark richtig zu verstehen. Sie wies darauf hin, dass die Idee zur Ausstellung von Oberbürgermeister Ralf Rauch stamme. Sie sei aber schon vor der Diskussion geboren, versicherte er. Die Arbeit an der Entwicklung des Hochwasserschutzes läge beim Staatlichen Umweltamt, erklärte er. Im Herbst würden die Daten vorliegen. Danach würden die Entscheidungen getroffen.


( Helga Schubert, 16.07.2004 )

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