Partner

gebr_frank.jpg
verlag_dr_frank_gmbh.jpg
onicom.de.jpg
gera.jpg
RPG_Logo_1.jpg


Hinweise

acrobat_reader.jpg

Button_E_paper.png

Schlagzeilen der Woche

zurück

Die alten Bäume im Park sollen weiter leben dürfen

"In Ronneburg wird eine geschändete Landschaft aufgewertet, in Gera schafft man sich wohl erst mal eine, um dann sein ‚Können’ in Landschafts- und Parkgestaltung zu präsentieren". Die bittere Feststellung des Grünen Hauses Gera in Bezug auf das geplante Fällen von uralten Bäumen im Hofwiesenpark und in Richtung der BUGA scheint das treffend widerzuspiegeln, was den Nerv vieler Geraer getroffen hat. Selbst die auf überwiegende Ablehnung und teilweise sogar Empörung gestoßenen Maßnahmen zur Gesundheits- und zur Rentenreform haben nicht eine so massive Reaktion ausgelöst wie das kommunale Thema der Baumfällungen. Und das in Vorwahlzeiten! Wem wundert es da noch, dass es zu erregten und sogar hektischen Reaktionen gekommen ist und schließlich der Hochwasserschutz bemüht werden musste, um die äußerst unpopulären Maßnahmen zu begründen.

Die BUGA-GmbH jedenfalls reagierte als eine der ersten auf die massiven Proteste und erklärte: "Nach der Hochwasserkatastrophe im Sommer 2002 wurde durch Beauftragung des Staatlichen Umweltamtes in Gera der Flusslauf der Weißen Elster erneut untersucht. Die Überprüfung des Hochwasserschutzes führte zu dem Ergebnis, dass die Durchflussmenge, die als Genehmigungsgrundlage für die weitere Planung gilt, von 500 auf 600 m3 erhöht werden muss. Deren Umsetzung hat zur Folge, dass einige Bäume auf dem Elsterdamm zu fällen sind." Die dann folgende Feststellung macht hellhörig: "Das schließt nicht aus, dass einige weitere schadhafte und überalterte Bäume entfernt werden, um eine Gefährdung von Passanten und umliegenden Gebäuden zu verhindern."
Schließlich wird getröstet: "Die Aufgabe der Bundesgartenschau ist es, im Bereich des Hofwiesenparks Gera 128 neue Bäume zu pflanzen, die jetzt schon einen Stammumfang von 18 - 20 cm, eine Höhe von sechs bis sieben Metern und ein Alter von 15 bis 20 Jahren aufweisen." Und dann die abschließende Erklärung: "Festzustellen ist, dass die Bundesgartenschau weder Veranlasser oder Verursacher der Baumfällung ist."
Naturschützer, Baumfreude und viele andere scheinen aber nicht viel von dem neu geplanten Stadtgrün zu halten, sie wollen ein Lebensrecht für die 16 jahrhundertealten Kastanien und die anderen Bäume sichern.
Über Partei- und Gruppeninteressen hinweg formierte sich der Protest. In hektischer Eile wurde - erst jetzt - ein Bürgergespräch von Stadtverwaltung und BUGA-GmbH einberufen. Rund 150 Geraer kamen ins Dorint-Hotel, einige von ihnen standen die zweieinhalb Stunden mangels ausreichender Sitzplätze sogar in Stehen durch. Fast ist man geneigt - und das ist durchaus nicht ironisch gemeint - zu sagen, standhaft wie ein Baum!
Auf die entscheidende Frage, ob Hochwasserschutz tatsächlich die erheblichen Eingriffe in die Natur rechtfertigt oder nicht, war eine schlüssige und überzeugende Antwort nicht zu bekommen, auch wenn sich die Greizer Landrätin und BUGA-Aufsichsratsvorsitzende Martina Schweinsburg mächtig ins Zeug legte: "Ich möchte nicht wissen, was passiert, wenn unter Hochwasser-Bildern, wie wir sie aus Dresden und Meißen kennen, Gera stehen würde." BUGA-Geschäftsführer Dr. Linsel versicherte wenigstens, dass ohne Genehmigung keine Bäume gefällt würden. Teilnehmer des Abends konnten aber die Befürchtung nicht zerstreut sehen, dass eventuell vollendete Tatsachen geschaffen würden oder zumindest geschaffen werden sollten.
Jedenfalls hatte schon vor der Bürgerversammlung auch bei Politikern Nachdenklichkeit eingesetzt. So ließ der CDU-Landtagskandidat und Stadtratsmitglied Bernd Koob mitteilen, das nach seiner Ansicht das geplante Fällen weiterer Bäume im künftigen Hofwiesenpark überprüft werden müsse. Die Ankündigung dieser Tatsache habe für erhebliche Irritationen in der Öffentlichkeit gesorgt. Koob meinte, die Achtung vor den Sorgen und Gefühlen der Bürgerinnen und Bürge gebiete, die Planungen diesbezüglich noch einmal kritisch zu prüfen. Zudem wünsche er sich gerade bei so sensiblen Themen eine offensivere Bürgerinformation. Eine zurückhaltende Informationspolitik könne sich negativ auf das Image der Bundesgartenschau auswirken, warnte Koob.
Eugen Weber, ebenfalls Kandidat für den Landtag und Sprecher der Geraer Bündnis-Grünen, scharte eine Gruppe von Aktiven um sich, die - verstärkt durch Mitglieder der Ev.-Luth. Kirchgemeinde von Gera-Untermhaus in einer Protestaktion Schilder an den gefährdeten Bäumen anbrachten mit der Aufschrift "Ich muss sterben". Und weil diese Schilder nach kurzer Zeit wieder entfernt waren, durch unbekannte, will man sich an jedem Mittwoch treffen, um die Schilder gegebenenfalls immer wieder neu anzubringen. Vielleicht bis das Prinzip Hoffnung gewinnt und man den Bäumen bescheinigen kann: "Ich darf weiter leben"?!

( Reinhard Schubert, 21.05.2004 )

zurück