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Glocken mit lieblichem Klang klingen die Erde entlang

Als Friedrich Schiller seine Zeilen schrieb "Fest gemauert in der Erden steht die Form, aus Lehm gebrannt", dachte er an die großen, mächtigen Glocken, die mit ihrem ehernen Klang weithin durch die Lande hallen, und gewisslich nicht an die kleinen Schwestern, die mit der Hand bewegt werden. Diese Handglocken werden zum Musizieren genutzt und verbreiten einen reinen, hellen, fast sphärisch-schwebenden Ton. Nur etwa 25 Handglockenchöre gibt es zur Zeit in Deutschland. Einer von ihnen ist an der Johanniskirche in Gera ansässig und steht unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Burghardt Zitzmann. In Deutschland hat das Handglockenspiel noch keine lange Tradition. Und auch andere europäische Länder können sich dessen nicht rühmen. Obwohl in England schon im 16. und 17. Jahrhundert Handglocken verbreitet waren und um die Mitte des 19. Jahrhunderts schon fast jedes Dorf seinen eigenen Handglockenchor hatte, der durch Straßen zog und kirchliche oder weihnachtliche Choräle spielte, lag der Ursprung weitaus vor Christi in Asien. Nach Überlieferungen stammen die ältesten existierenden Handglocken aus China. Im Buddhismus spielte die Glocke als Königin der Instrumente, in der sich die Klänge aller anderen Instrumente zu einem einzigen vollkommenen Klang vereinigten, eine große Rolle. In Japan, Afrika und auch in Ägypten wurden die zumeist geschmiedeten Glöckchen geliebt und verehrt. Die Puritaner brachten sie schließlich nach Nordamerika. Bis heute gibt es hier die meisten Handglockenchöre der Welt, über 15.000 solcher Gruppen. Als Burghardt Zitzmann 1986 in die USA reisen durfte, hörte er einen solchen Handglockenchor zum ersten Mal und war begeistert. Sofort erwachte in ihm die Neugier auf dieses Instrument, aber für sich sah er keine Chance, eine solche Gruppe in Deutschland aufzubauen. "Diese Art von Glocken wurden in Deutschland ganz einfach nicht hergestellt", erinnert er sich. Es gab sie nur in Amerika und Japan. Das Gehörte blieb jedoch in seiner Erinnerung, wie eine wunderschöne Melodie, die man nicht vergisst. 1997 vernahm er ihn wieder, diesen herrlichen Klang. Während eines Aufenthaltes in Geras amerikanischer Partnerstadt Fort Wayne erlebte der Kirchenmusikdirektor einen Handglockenchor, der den Gottesdienst in der Methodistenkirche begleitete und mit Gesang und mit Orgel zu hören war. "Da bekam ich große Augen", gibt er zu. "Das würde ich gern einmal machen", äußerte er sich. Aber auch damals musste es bei dem Wunsch bleiben. "Wir konnten es uns einfach nicht leisten. Denn, um richtig spielen zu können, benötigten wir drei Oktaven. Das sind mehrere tausend Dollar." Burghardt Zitzmann legte den Wunsch als unerfüllbar beiseite. Dennoch: Heute leitet er neben dem Heinrich-Schütz-Chor, dem Männerquartett, den zwei Posaunenchören, dem Kinderchor und dem Spiel auf der großen und kleinen Orgel in der Johanniskirche auch einen Handglockenchor. Zu verdanken ist dies amerikanischer Großzügigkeit und den partnerschaftlichen, freundschaftlichen Verbindungen mit Fort Wayne. Im Jahr 2000 besuchte eine Gruppe der Methodistischen Kirche aus Fort Wayne St. Johannis in Gera und übergab dem Kirchenmusikdirektor 37 Handglocken und dazu gehörende Noten. Interessierte Spieler fanden sich zusammen, zunächst acht, dann elf. "Die werden benötigt, um in drei Oktaven spielen zu können", erklärt der Experte. Im September 2000 begannen die Proben für die Enthusiasten und bereits in der Adventszeit konnte das erste kleine Konzert gegeben werden. Jede Spielerin und jeder Spieler bedient bis zu vier Glocken. Notenkenntnisse sind natürlich von Vorteil, denn der Chorleiter legt jedem die vollständige Partitur vor. Burghardt Zitzmann ist stets auf der Suche nach geeigneter Literatur, arrangiert und komponiert auch selbst, kombiniert Handglocken mit Gesang, mit Orgel, mit Bläsern und auch mit Blockflöte, so dass es auch neue Klangbilder gibt. Für den Kirchenmusikdirektor war der Aufbau des Handglockenchores eine neue Herausforderung, wie auch für die Spieler. Übung ist wie bei jedem Instrument aller Talente Anfang. Kommen dann noch die Begeisterung und die Motivation durch den Leiter hinzu, dann stellt sich der Erfolg ein. Burghardt Zitzmann besitzt diese Fähigkeiten. "Ich liebe die Handglocken", bekennt er. "Das ist Glaubenseinsatz mit Musik, die angenommen wird und die Spaß macht. Das können Katharina Trautmann und Anja Franke bestätigen. "Wenn keine Probe ist, dann fehlt was", gibt Anja Franke zu, die von Anfang an dabei ist, selbst noch Blockflöte spielt, ihr Mann dagegen Sänger im Schützchor ist. Und Katharina Trautmann meint freudig: "Die Schwingungen machen glücklich, denn sie werden ja mit dem Körper abgebremst und so auch aufgefangen." Als sie schwanger war, habe sie die Handglocken sogar an ihren Bauch gehalten. Das sei ihrem Kind gut bekommen, lacht sie glücklich. Am vierten Advent wird 17 Uhr zur Adventsmusik bei Kerzenschein in die Johanniskirche eingeladen. Dann wird auch der Handglockenchor eine Probe seines Könnens geben. "Macht hoch die Tür" werden die Glocken singen, die süßer nie klingen, als zu der Weihnachtszeit.

( Helga Schubert, 19.12.2003 )

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