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Das Universum in der Stube

Allerlei Seltsames und Geheimnisvolles gab es in einem separaten Raum über der Löwen-Apotheke in Leipzig im 17. und 18. Jahrhundert zu sehen. Exotische Tierpräparate, Herbarien mit gepressten seltenen Pflanzen, tierische und menschliche Anomalien, Mineralien, Hölzer- und Drogensammlungen, Gerätschaften aus Physik und Astronomie und völkerkundliche Objekte zeigte der Apotheker Johann Heinrich Linck (1674 - 1734) dem neugierigen und staunenden Volk. Handelsleute und Missionare brachten die kuriosen und monströsen Stücke von ihren Reisen aus fernen Ländern mit. Der Apotheker wollte damit jedoch nicht nur die Schaulust seiner Kundschaft befriedigen, sondern er hatte starkes naturwissenschaftliches Interesse. Christel Russe, Direktorin des Museums für Naturkunde, nannte diese Kabinette den Ausgangspunkt der modernen Wissenschaft und die Vorläufer der naturwissenschaftlichen Museen. Unzählige Erkenntnisse und Entdeckungen gingen auf die Existenz solcher Kabinette zurück. Über drei Generationen wuchs das Leipziger Linck-Kabinett - es existierte von 1670 bis 1807 - zur stattlichen Größe. Von nahezu jedem Wissenszweig der Naturhistorie fanden sich Exponate. Man wollte das gesamte Wissen als Universum in die Stube holen. 1840 kaufte Otto Victor I., Fürst von Schönburg-Waldenburg, die Sammlung auf und begründete in Waldenburg eines der ersten öffentlich zugänglichen Naturkundemuseen. Es kann heute auf rund 8000 Exponate verweisen und zählt zu den ältesten Museen in Deutschland. Die neue Ausstellung im Geraer Naturkundemuseum "Vom Drachenkopf zum Saufisch" zeigt Teile des Kuriositätenkabinetts Waldenburg. Da das Geraer Haus in einer eigenen Gelehrtenstube aus dem 18. Jahrhundert wunderliche Dinge zeigt, konnte sich Ralph Zenker, Leiter der Waldenburger Einrichtung, der eigentlich sonst nichts aus der Sammlung auf Reisen schickt, von einigen Stücken trennen. Darüber zeigte sich Christel Russe sehr erfreut, denn die Schau passe sehr gut in das Ausstellungsprogramm zum 125-jährigen Jubiläum des Naturkundemuseums. Ralph Zenker überließ dem Geraer Haus etliche seiner kostbaren Raritäten als Leihgaben. Ergänzt wird die Schau durch eigene Wunderdinge. Insgesamt sind rund 200 Stücke zu sehen. Dazu gehören das Kalb mit den zwei Köpfen, die missgebildete Frühgeburt eines Tieres, ein Walfischpenis, Chamäleon, Nilkrokodil und andere seltsame Tiere in Spiritus, aufgespießte Insekten und Käfer aller Arten, aber auch ein gläserner Hohlspiegel oder die Erdkugel aus dem Jahr 1645. Die Ausstellung wird bis Februar gezeigt.

( NG/hs, 28.11.2003 )

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