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Armee von Motten befällt die Kastanienbäume

Noch stehen die Rosskastanien in vollem Laubkleid, spenden Schaffen in den Parks und in manchen Biergarten. Zur Freude der Besucher. Damitkönnte es allerdings bald vorbei sein, die gefürchtete und gefräßige Kastanien-Miniermotte ist auch in diesem Jahr wieder auf dem Vormarsch. Erst 1984 war in der Nähe des Ohrid-Sees in Mazedonien ein bis dahin unbekannter Kleinschmetterling entdeckt worden. Seine Larven leben in den Blättern von Rosskastanien leben. Die Cameraria ohridella ? so ihr biologischer Name - verbreitete sich anschließend nahezu explosionsartig in Mitteleuropa. In Deutschland traten die Kleinschmetterlinge in erstmals 1993 auf, sieben Jahre später war das gesamte Land befallen. Die Motte tritt vorwiegend an den weißblühenden Rosskastanien auf, seltener an ihrer rotblühenden Schwester oder auch an Ahornbäumen, die sich in unmittelbarer Nähe der Kastanien befinden. Gera erlebte im vergangenen Jahr eine Art Masseninvasion der Insekten. Die Blätter der Kastanien zeigen im Anfangsstadium hellbraune Flecken und fallen vorzeitig ab. Erste Anzeichen eines Befalles sind auch in diesem Jahr zu verzeichnen. "Nicht besser als in den Vorjahren", meinte Bärbel Kaschka, Sachbereichsleiterin Baumpflege bei der Geraer Stadtverwaltung. Allerdings: Der Befall ist von Ort zu Ort ganz unterschiedlich, weil nach Meinung der Expertin das Mikroklima Einfluss ausüben kann. In Leipzig z.B. hatten die Kastanien im Vorjahr bereits Anfang Juli braune Blätter, in diesem Jahr haben sie weniger unter der Motte zuleiden. Bei genauerem Hinsehen sind allerdings auch hier erste Fressspuren erkennbar. Das Leipziger Grünflächenamt hat eine einfache Erklärung: Im Jahre 2002 war schon im Juli die zweite Larvengenerationin den Blättern, in diesem Jahr ist es wegen der relativ langen Frostperiode des vergangenen Winters erst die erste Generation. Die Leipziger Einschätzung wird vom Institut für biologischen Pflanzenschutz der Biologischen Bundesanstalt (BBA) Darmstadt mitgestützt, allerdings wird auch das schlechte Frühjahrswetter als Grundangegeben, weil nasskaltes Wetter den Faltern schadet, sie kommen dann nicht zur Paarung und Eiablage. Die Folge sei eine Population auf niedrigem Niveau. "Allerdings," so warnen die Biologen, "auch aus kleinen Gruppen können sich im Laufe des Sommers ganze Motten-Armeenentwickeln. Das führt Horst Bathon von der BBA zu der Einschätzung: "Wir werden in Zukunft damit leben müssen, dass die Rosskastanien im August die Blätter verlieren."Da ist es nur ein Trost, dass die meisten Bäume inzwischen genug Reservestoffe gebildet haben, um in den kommenden Jahren wiederauszutreiben. Allerdings werden sie geschwächt und sind auch für andere Schädlinge oder Schadstoffe weit mehr anfällig geworden. Fieberhaft wird nach einem Gegenmittel geforscht, die Aktion läuft unter dem Spitznamen "Trampermotte", was daran erinnert, dass der nur wenige Millimeter große Schädling offenbar im Güter- und Fernverkehrs einen Weg nach Mitteleuropa gefunden hat. Nun fressen die Larven Jahr für Jahr große Gänge zwischen den Blattadern der Kastanien. Die Blätter sind dann im wahrsten Sinne des Wortes leer gefressen. Der Biologebezeichnet diese Gänge als "Minien". Praktisch sei es unmöglich, eine natürliche Bekämpfungsmethode zufinden, musste selbst die BBA resümieren. Das Bundesverbraucherministerium weiß auch keinen Rat und stellt zu "Abwehrmaßnahmen" fast hilflos fest: "Die Ansätze für Bekämpfungsmöglichkeiten der Rosskastanien-Miniermotte sind vielfältig, wobei aber alle Methoden erhebliche Schwachpunkte haben. Spritzapplikationen von Insektiziden in der Krone sind zwar durchauswirksam - bei Versuchen haben sich insbesondere Mittel aus der Gruppe der Häutungshemmer bewährt - allerdings nicht unproblematisch und müssten bei stärkerem Befallsdruck mindestens einmal jährlich erfolgen. Abgesehen von dem Aufwand könnten wiederholte Spritzanwendungen in großer Höhe an den exponierten Standorten der Kastanien wegen möglicher Abdrift kaum akzeptiert werden. Alternativen dazu wären Bodenapplikationen oder Stamminjektionen mit systemischen Mitteln (Mittel, die sich im Baum verteilen). Sie haben sich in Versuchenebenfalls als erfolgreich erwiesen. Hinderungsgründe für eine praktikable Anwendung dieser Techniken sind aber zum einen die Bodenbelastung, zum anderen die Nachteile der vielen Stammverwundungen bei ständig zu wiederholender Behandlung. Seit der Sexuallockstoff der Motten synthetisiert werden konnte, wird auch mit Lockstoff-Fallen zur Bekämpfung experimentiert, bislang allerdings mitunzureichendem Erfolg. "Was nun tun, wenn sich eine schöne Rosskastanie auf dem Grundstück oder neben dem Garten befindet und das Laub eingesammelt werden muss? Bärbel Kaschta rät zur Kompostierung. Allerdings müsse sie sehr sorgfältig erfolgen. Vor allem sei es erforderlich, den Komposthaufen mit mindestens zehn Zentimeter Erde oder mit Folie abzudecken, damit sich bei der Verrottung hohe Temperaturen bilden, die die Puppen abtöten können. Man kann also nur hoffen und den Wissenschaftlern wünschen, dass sie vielleicht doch die Nadel im Heuhaufen finden.

( Reinhard Schubert, 11.07.2003 )

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