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Die Leidenschaft eines Sammlers

Es ist kaum noch ein freies Plätzchen in der Wohnung von Frieder Gerlach zu finden. Jede einigermaßen glatte Stelle ist belegt und behängt mit Porträts, insgesamt 250 Zeichnungen und 50 Gemälde. Dem leidenschaftlichen Sammler aus dem süddeutschen Raum haben es die Porträts von Otto Dix, seinen Zeitgenossen, Freunden und vor allem Schülern angetan. Und deswegen spannt sich der Bogen nach Gera und zur Kunstsammlung. Hier ist zur Zeit (bis 31. August) eine Ausstellung zusehen, die 79 Arbeiten von Otto Dix und anderen zeigt. 80 Prozent davonstammen aus der Sammlung von Frieder Gerlach. "Der freut sich, dass er jetzt mal seine Wohnung renovieren kann", schmunzelte Holger Saupe von der Kunstsammlung, denn wie jeder Sammler, trenne er sich auch nur schwer von seinen Bilden. Einige wenige, aber bedeutende Porträts von Otto Dix haben die Kunstsammlung Gera und die Städtische Galerie Dresden, mit der es eine enge Zusammenarbeit gab, beigesteuert. Das Thema "sehen, was da ist", wurde einem Dixschen Ausspruch entlehnt, der seine Modelle überhaupt nicht näher kennenlernen wollte: "will nur das sehen, was da ist, das äußere...". Das Innere ergebe sich von selbst, meinte der wortkarge und eigenwillige Maler, für den die Porträtkunst zuden reizvollsten und schwersten Arbeiten eines Malers zählte. Otto Dix hatte in seiner Dresdner Zeit eine zahlreiche Schülerschaft. Für die Dix-Expertin Dr. Ulrike Lorenz, Direktorin der Geraer Kunstsammlung, ist die Ausstellung, die von Holger Saupe gemeinsam mit Dr. Gisbert Porstmann von der städtischen Galerie Dresden konzipiert wurde, hoch interessant, da sie neben bekannten Dix-Schülern, wie Erika Streit, Heinz Hamisch und Kurt Sillack zum Teil neue Namen von Künstlern mit hervorragenden Bildern entdeckte. Obwohl Otto Dix seine Schüler nie reglementiert - er gab nur Haltungen und Posen des Modells vor - , lässt sich bei vielen der Einfluss ihres Lehrers nicht leugnen. Man muss keinen geübten Kunstausstellungsblick haben, um zu erkennen, dass das gleiche Modell mehrmals auf unterschiedliche Art und Weise dargestellt wurde, je nach Ansicht des Porträtisten. Somit vermittelt die Sammlung Gerlach auch einen tiefen Einblick in die Arbeitsweisen eines Atelieralltages. Der Sammler Frieder Gerlach hat überhaupt nichts mit Kunst zu tun. Er ist ein Naturwissenschaftler und stieß in seiner Studentenzeit eherzufällig auf Dix. Wie Holger Saupe herausfand, erwarb Frieder Gerlach eine Dix-Publikation und war von dessen bitteren Kriegs- und Großstadtszenarien sowie von dessen prägnanten Porträt- und Menschenschilderungen tief beeindruckt. Und nachdem er 1971 die große Stuttgarter Retrospektive zum 80. Geburtstag von Otto Dix gesehen hatte, wollte er sich fortan mit Arbeiten des Künstlers umgeben. Doch erst zehn Jahre später konnte er mangels finanzieller Mittel ein Werk erwerben. Der Grundstück der Sammlung war ein expressionistischer Holzschnitt von Erich Heckel, danach folgten seine erste Dix-Zeichnung "Der Fremdenlegionär" von 1922 und zwei Grafiken von Max Beckmann. Stets waren es Porträts. Sie wurden das zentrale Thema seiner Sammlung. Nachgeraumer Zeit, wenn sich Frieder Gerlach etwas zusammengespart hat, erwirbt er ein weiteres Werk - Leidenschaft eines Sammlers.

( Helga Schubert, 11.07.2003 )

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