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"Donnerwetter, hab‘ ich das gut gemacht!"

"Das stammt alles von Rolf F. Müller? Wann hat er das gemacht?" entfuhr es einem Besucher in der Ausstellung "felix fecit" im Museum fürAngewandte Kunst anlässlich des 70. Geburtstages des wohl bekanntesten Geraer Gebrauchsgrafikers und Illustrators, Plakatgestalters und Cartoonisten. Die Kette der Besucher zur Ausstellungseröffnung riss jedenfalls nicht ab. Längst war das Foyer des Hauses hoffnungslos überfüllt, und eine riesige Schlange von geduldig Wartenden zog sich die gesamte Treppe hinab bis zur großen Eingangstür. "Was gibt`s denn hier?" scherzte ein Gast. Es gab Zeichnungen, Plakate, Bücher und ein ganzes Zimmer voller Spatzen. Der Schöpfer all dieser Werke war selbst erstaunt, was er im Laufe von fast 50 Jahren zu Papier gebracht hat und gab seinen Kommentar ab: "Donnerwetter, hab‘ ich das gut gemacht!""Es ist eine richtig schöne Müller-Ausstellung geworden", freut sich Museumsdirektor Hans-Peter Jakobson. Beide Seiten, Künstler und Aussteller, waren sich einig, dass es nicht einfach wird, ein umfassendes Schaffensbild wiederzugeben, denn ein Gebrauchsgrafiker archiviert nicht alles. Sobald das Blatt, das Plakat oder das Produkt Buch aus der Druckerei gekommen ist und seinem eigentlichen Zweck zugeführt wird, ist es für den Schöpfer vom Tisch. Dennoch kann man "felix fecit" als Generalausstellung für das Lebenswerk von Rolf F.Müller bezeichnen, denn sie enthält die Breite seines gesamten Schaffens, von der Diplomarbeit bis zum jüngsten Plakat. Nicht von ungefähr ist der Schwerpunkt der Ausstellung das Plakat. Immerhin schuf der Grafiker mehr als 300 Plakate. Etwa 130 sind in den Räumen des MAK zu sehen. Gleich zu Beginn empfängt den Besucher eines seiner umstrittensten Plakate, bei dem Rolf F. Müller mit Schmunzeln an eine Geschichte denkt, die sich 1966 zugetragen hat. Er hatte den Auftrag erhalten, zu Hochhuths "Der Stellvertreter" ein Theaterplakat zugestalten. Mit dicken schwarzen Pinselstrichen malte er ein Labyrinth, das in der Mitte ein Hakenkreuz zeigt und in einer Kirchenkuppel, in der ein Priester zu sehen ist, mündet. "Wie kann der nur? ...ein Hakenkreuz? Die Funktionäre sahen offensichtlich Böses in meiner Idee", erinnert sich der Künstler. Das Hakenkreuz wurde zugeklebt, das Plakat von den Wänden entfernt. "Ich sollte es vernichten, aber zum Glück habe ich das nicht getan", erzählt er weiter. Denn er reichte das Corpus delicti zu einem Wettbewerb nach Berlin ein, und plötzlich war es im Neuen Deutschland abgedruckt. Da war auch für die Geraer Bezirksleitungsfunktionäre die Welt wieder in Ordnung: "Ja, wenn es nachmir gegangen wäre..." hätte einer gemeint. Solche und ähnliche Situationen waren für den Gebrauchsgrafiker keine Seltenheit. Er kann noch heute über eine Konsumgeschichte lachen. Der Auftrag lautet, für Thüringer Gastlichkeit im Winterwald zu werben. Für Rolf F. ergab sich sofort ein Kloßes senden Mann mit einem Weinglas auf dem Tisch, ein symbolisches schneebedecktes Dach mit einem Skifahrer und einem tropfenden Eiszapfen. "Was es da alles auszusetzen gab. Für Klöße braucht man Kartoffeln und die waren gerade knapp in der DDR, der Eiszapfen tropft in das Weinglas, was verwässerten Wein andeuten könnte und schließlich dürfe ja auch auf dem Dach kein Skifahrer heruntersausen". Heute ein Lacher, aber damals haben solche Meinungen das Leben der schöpferisch tätigen Menschen schwer gemacht. Weitere Plakate kündigen Veranstaltungen an: Filmbälle, die Woche des Buches oder "Junge Leute um 18", Bezirksfotoschau, Satiricon, Pantomime-Tage und vieles andere mehr. Dem Geraer Theaterplakat ist ein Raum gewidmet und natürlich dem Spatzen. Rolf F. Müller, auch als Spatzenvater bezeichnet, hat schon in den 60er Jahren den Spatz als Symbol für Kinderfilm verwendet, seit 1979 tschilpt dieser für das Kinderfilm- und Fernsehfestival. In unzähligen Variationen fliegt das lustige freche Federtier von Plakaten, Programmheften, Aufklebern oder Taschen. Verweilen möchte man bei seinen Buchillustrationen, seinen Vignetten, mit flottem Federstrich und leichter Hand hingeworfen, bei den mi tAugenzwinkern entworfenen Zeichnungen. Ideen über Ideen, aber der Inhalt des Buches sei immer entscheidend für seine Arbeit gewesen. Eine Ausnahme seien jedoch die Krimis vom Mitteldeutschen Verlag gewesen. "Mensch, die waren doch so langweilig, mein Titelbild sollte aber zum Verkauf anregen", hat er schon wieder eine Anekdote parat. Ein Freundsei fürchterlich sauer gewesen, weil er einen solchen Krimi, angeregt von Müllerschem Titelbild mit Revolver, geheimnisvoller Uhr und Frauenkopf, wirklich gekauft und ihm dann um die Ohren gehauen hatte, denn von Spannung keine Spur. Mit dem Wort Gebrauchsgrafik hat Rolf F. Müller, der viele Jahre eine Professur an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig hatte, keine Probleme. "Ob ich ein Künstler bin oder nicht. Die Möglichkeit, ein Kinderbuch zu gestalten, was dann viele Kinder in die Hand nehmen, ist doch viel schöner als Kunst zu machen. Das Anliegen ist mir wichtig", sagt er. Die Ausstellung ist bis 15. September im MAK zu sehen. (Über die Ausstellung zum 60. Geburtstag von Volkmar Kühn in der Orangerie werden wir noch berichten.) Helga Schubert

( Helga Schubert, 26.07.2002 )

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