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In den Schoß von St. Margaretha zurückgekehrt

Wer war wohl aufgeregter an diesem vergangenen Pfingstsonntag, die drei Konfirmanden Kerstin Rose, Jacqueline Starke und Alexander Jörk oder die Mitglieder des Gemeindekirchenrates um den Gemeindeältesten Andreas Jörk? Für die einen war es ein neuer Abschnitt und Schritt in das Erwachsenenleben, für die anderen ging ein langgehegter Traum in Erfüllung: die erste Konfirmation nach über 30 Jahren in der Tinzer Kirche und die Wiederkehr des wunderschönen Flügelaltars an seinen Bestimmungsort nach 25 Jahren "Dass wir das geschafft haben, verdanken wir vielen Menschen aus Tinz und anderen Kirchgemeinden", sagte Andreas Jörk überglücklich und dankte allen Spendern und Helfern, die sich für die Überführung des Altars eingesetzt und die Tinzer Kirche für den Empfang und die Konfirmation vorbereitet haben. War das kleine bescheidene Gotteshaus in vergangenen Jahrzehnten dem Verfall preisgegeben, hat es in DDR-Zeiten im Kirchenleben kaum noch eine Rolle gespielt, dass sogar Altar und Orgel, um diese zu retten, ausgelagert werden mussten, erlebt es jetzt eine neue Blüte. Was sich hier in den letzten Jahren getan hat ist sehenswert. Das neue Dachleuchtet schon von Weitem, Fußboden und Wände im Inneren erstrahlen inschöner Gestaltung, ebenso das ausgebesserte Gestühl. Möglich wurde dies nur durch das starke Engagement des Gemeindekirchrates und ihres Gemeindeältesten Andreas Jörk, der Fördermittel beschafft, mit Handwerkern spricht und weiß, was zu tun ist. Und vieles entsteht in Eigeninitiative nach Feierabend. Der Erfolg ist ihrer Mühe Lohn. Prächtig ist der spätgotische Flügelaltar anzusehen. Bis März 1976 schmückte er die Tinzer Kirche. "Doch da diese bereits sehr baufällig war, beschloss der damalige Gemeindekirchenrat, das wertvolle Kunstwerkan die Stadtgemeinde St. Johann auszuleihen", weiß Andreas Jörk, der sich in Kirchenbüchern und Akten sachkundig machte. Dem Altar sei aber der Umzug in die Johanniskirche nicht gut bekommen, ermittelte er. Schon nach kurzer Zeit lösten sich durch Temperatur und Luftfeuchtigkeit Farbschichten ab. Pfarrer Urbig, der namhafte Kunstsachverständige hinzugezogen hatte, organisierte dann die Überführung des Flügelaltars in das Leipziger Grassi-Museum. Es wurden jedoch keine Restaurierungsarbeiten vorgenommen. Dieses geschah erst 1992 durch den bekannten Geraer Restaurator Kurt Thümmler in Gera, denn Pastorin Doering holte das Kunstwerk in ihre Kirche nach Roschütz. Nun, nachdem das Tinzer Gotteshaus baulich wieder in Ordnung war, war es an der Zeit, den Altar an seinen Ursprungsplatz zurückzuholen. "Es galt jedoch, einige sicherheitstechnische Vorkehrungen zu treffen. Außerdem mußte ein Sachverständiger den Umzug leiten und überwachen, den fanden wir im Sohn des inzwischen verstorbenen Restaurators Johannes Thümmler, der in die Fußstapfen seines Vaters getreten ist", erzählte Andreas Jörk. Wenn die Kirchgemeinde Tinz am 12. Juni, 19 Uhr, einen Dankgottesdienst anläßlich der Wiedereinweihung des Flügelaltars durchführt, kann das Kunstwerk bewundert werden: Die in drei Viertel Lebensgröße dargestellten Figuren zeigen im Mittelschrein in der Mitte Maria auf der Mondsichel, daneben Maria Magdalena, links davon stehen St. Margaretha, die Schutzheilige der Kirche, und die heilige Barbara, im linken Flügelsind St. Sebastian und Andreas zu sehen, der rechte Flügel zeigt St.Wolfgang und St. Valentin. Der Altar stammt aus dem Jahr 1497, als Schnitzer werden Mats Plawner und Herfurth aus Zeitz genannt. Herauszufinden, welchen kunstgeschichtlichen Wert er besitzt, ist sicherlich einmal eine Aufgabe für Kunstwissenschaftler, für die Kirchgemeinde Tinz hat er jetzt schon einen unschätzbaren Wert.

( Helga Schubert, 24.05.2002 )

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