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Fotografien ohne Schnörkel Albert Ammer

Sein Name war in Gera in Vergessenheit geraten. Obwohl er ein Sohnunserer Stadt war und zu einem bedeutenden Fotografen und Kameramann wurde: Albert Ammer. Aber das Vergessen war in der DDR-Vergangenheit sicherlich auch eine gewollte und forcierte Sache, denn Albert Ammer hat am 17. Juni 1953 verbotener Weise den Aufstand in Halle gefilmt und wurde zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Dabei hatte er kurz zuvor für seinen Dokumentarfilm über die Arbeit im Kupferbergbau Eisleben "BrigadeTrinks" der DDR den Heinrich-Greif-Preis für hervorragendes Filmschaffen erhalten. 1956 verließ er nach seiner Haftentlassung die DDR und siedelte sich in München an, wo er 1991 verstarb. Nun zeigt das Museum für Angewandte Kunst die Retrospektive "AlbertAmmer-ein Fotograf wird entdeckt" und setzt damit eine Reihe fort, in Vergessenheit geratene Künstler aus Gera und Umfeld in das Rampenlicht zu rücken. Da Albert Ammer beruflich als Kameramann gearbeitet ist, ist dies die erst zweite große Personalausstellung seines Fotowerkes. (Die erste fand 1942 in den Räumen des Kunstvereins in Gera statt)Albert Ammer wurde 1919 in Windischenbernsdorf als Sohn eines Fabrikarbeiters geboren. Er erlernte den Beruf eines Dekorateurs, fühlte sich aber schon damals zur Fotografie hingezogen. Wie seine Frau Jutta zur Eröffnung der Ausstellung in Gera erzählt, entwickelte er die ersten Bilder in der heimischen Küche. 22-jährig wagt er einen entscheidenden Schritt und bewirbt sich mit seinen Fotos bei dem damals schon bekannten Schauspieler, Regisseur und Bergfilmer Luis Trenker. Dieser engagierteden jungen Mann auf der Stelle, und es entstand eine lebenslange tiefe Freundschaft. Im 2. Weltkrieg arbeitete Albert Ammer als Filmberichterstatter für die Wochenschau. 1945 kehrte er nach Gera zurück, arbeitete zunächst als freier Fotograf. In dieser Zeit entstanden bewegende Bilder, die für Gera wichtig und einzigartig sind. Er fotografierte Vertriebene und Flüchtlinge aus dem Sudetenland, die1945 erschöpft und ohne Habe in Gera ankamen. Außerdem hielt er den ersten freien Markt auf dem Rossplatz im Bild fest. Nach 1960 arbeitete Albert Ammer bis zu seiner Pensionierung 1981 als Kameramann beim Bayerischen Rundfunk. Für Museumsdirektor Hans-Peter Jakobson haben die Ammer-Fotografien einen hohen künstlerischen Wert, weil sie sehr persönlich sind mit dem Blick auf seine Zeit und nicht aus der Distanz eines Dokumentaristen heraus, sagt er. Aber Albert Ammer habe die Menschen nicht bloßgestellt, sondern immer die Würde des Menschen in den Mittelpunkt gestellt. Dies zu bewahren, mache die Ausstellung so wichtig, schlussfolgert Hans-Peter Jakobson. Wer die Bilder von Albert Ammer betrachtet, glaubt, selbst einen Blick durch die Linse zu werfen. Menschen in vielen Situationen, Alltägliches, nichts Spektakuläres, Eindrücke - das waren für Albert Ammer Fotomotive. Seine Frau Jutta Ammer, die 33 Jahre mit ihm verheiratet war, erinnert sich: "Viele seiner Bilder entstanden unter hohem persönlichen Einsatz. Es sind Bilder ohne Schnörkel, dafür ehrlicher. Mein Mann hatte die Bilder stets im Kopf. "Oftmals sei er mehrfach an die gleiche Stellegegangen, um die richtige Stimmung und das richtige Licht einzufangen. Sohn Alexander, der jüngere von zwei Söhnen, hat die Auswahl von 250 Bildern für die Ausstellung in Gera gemeinsam mit Frank Rüdiger, dem Kurator der Schau, vorgenommen. Er weiß, wenn sein Vater beruflich als Kameramann unterwegs war, hatte er auch stets seinen Fotoapparat dabei. So hatte er auch oftmals Zutritt zu Fotos, die andere vielleicht nicht hatten. "Aber mein Vater war ein altmodischer Fotograf", stellt er nicht ohne Stolz fest. Es habe nach alten fotografischen Regeln fotografiert und streng auf die Lichtführung und die Wahrhaftigkeit der Situation geachtet. "Es war viel Leidenschaft dabei", sagt er schlicht. Die Ausstellung ist bis zum 7. Juli im Museum für Angewandte Kunst zusehen. Erschienen ist ein Katalog, der Albert Ammers Leben in Bilderndokumentiert.

( Helga Schubert, 03.05.2002 )

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