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Alles dreht sich um das liebe Geld

Schon mal was von einer "Genussrechtsurkunde" gehört? Das war weniger ein Dokument für Genießer, sondern mehr für Nutznießer. Brachte esjedoch Nutzen, konnte man sich etwas leisten, also genießen. Die Rede ist von einer Aktie, der einst herausgegeben von der "Geraer Jute-Spinnerei und Weberei zu Triebes". Das Schmuckstück kann man im brecht-klub des Kulturbundes in der Greizer Straße bestaunen. Es gehört zu Dutzenden hochinteressanten Exponaten auf 30 Tafeln, die in einer Auswahl zur Geraer Münz- und Geldgeschichte zusehen sind. Urheber der soeben eröffneten Ausstellung (die vierte schonin diesem Jahr!) sind diesmal Wilfried Piehler und Ronald Knoll, der eine Numismatiker, der andere Heimatgeschichtler, beide nun in trauter Zweisamkeit vereint. Ein geglücktes Novum, dass zwei Fachgruppen desrührigen Kulturbundes sich erstmals gemeinsam präsentieren. Was ranken sich nicht alles für Sprüche und Weisheiten ums liebe Geld! Schon Shakespeare lässt uns in seiner Komödie "Die lustigen Weiber von Windsor" wissen: "Wo Geld vorangeht, sind alle Wege offen". Das war in der Historie Geras nicht anders, wie der ehemalige Direktor des Stadtmuseums Siegfried Mues nachwies. Der wirtschaftliche Aufschwung der Stadt ist untrennbar mit den Moneten verbunden. Sobald ein lokaler Markt entstand, wurden Münzen geprägt. Schon ab 1180 ist Gera Münzstätte. In einer Urkunde der Vögte von Weida, Plauen und Gera aus dem Jahre 1255 ist die Rede davon, dass das KlosterLausnitz eine Schenkung von "Tria talenta et quindecim solidi Gerensismonetae" erhielt. Das waren drei Pfund und und 15 Schilling Geraer Geldes. Die erste Bank in Gera war 1844 die Fürstliche Sparkasse. 1855 kam die Geraer Bank hinzu, von der in der Ausstellung originelle Sachzeugen zu sehen sind. Zuweilen wurden in der Geschichte des Geldes nicht nur Münzen, sondern auch Kuriosa geprägt. Und manchmal lassen sich Parallelen zur Gegenwart ableiten. Der DDR-Bürger hat gerademal drei Umtauschaktionen erlebt: von der Reichsmark zur DDR-Mark, von der DDR-Mark zur D-Mark und von der D-Mark zum Euro. Es gab aber Zeiten, da wurde das Geld oftmals schon nach einem Jahr "verrufen", also erneuert und musste umgetauscht werden. Was heute mit dem Euro nicht geht (und vor ihm auch nicht ging): die Münzen mit der Schere halbieren. Das aber geschah damals mit den sogenannten Brakteaten, einseitig geprägten Münzen. Unter Heinrich Posthumus kamen Münzen mit dem Reußischen Wappen heraus. Der pfiffige Mann brachte auch einen Phönix darauf mit unter - Symbol des Wiederaufstiegs. Wie schön wäre es, Gera könnte in der Gegenwart eine Münze mit dem Phönix herausbringen - als Zeichen vielleicht für eine wie Phönix aus der Asche wiederentstehende Industrie. Übrigens hat Gera sich eine Zeitlang quasi als Gesellschafter der Münzpräge betätigt: Welch eine Perspektive, sich jede Menge Moneten selbst herstellen zu können, da die Stadtkasse wie derzeit mehr Luft als Geld enthält! Geras Handel und Gastronomie klagen heutzutage über das zögerliche Konsumverhalten der Leute. Die Idee eines bayerischen Finanzlers vermag Abhilfe zu schaffen. In der Zeit der Weltwirtschaftskrise 1929-32, alsdie Leute sich mit dem Kaufen zurückhielten (kein Wunder bei 6 Millionen Arbeitslosen!), kritisierte er den langsamen Umlauf des Geldes. Er empfahl ein sogenanntes Freigeld (Schwundgeld genannt) einzuführen, das von Woche zu Woche an Wert verlor. Je schneller man es ausgab, desto geringer war der Verlust. Aber brauchen wir solches Geld in der Jetztzeit? Der Wert des Euro schwindet doch auch so schon genug. All diese Geschichtchen und noch viel mehr tangieren mit dersehenswerten Ausstellung, die in den Räumen des Kulturbundes dienstags, mittwochs und donnerstags jeweils von 10 bis 12 Uhr oder nach Vereinbarung Tel. (0365) 2 63 95 ) zu betrachten ist.

( Harald Baumann, 26.04.2002 )

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