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Malerisches Werk wuchs in isolierter Stille

Er war in den 50-er/60-er Jahren Kunsterziehungslehrer in Gera und später an der Volkskunstschule Rudolstadt. Viele werden ihn aus diesem Grund kennen. Doch nur Wenige wussten, dass er ein Künstler war: Herbert Enke. Aus Anlass seines 90. Geburtstages würdigt die Kunstsammlung Gera das Schaffen des Malers, der zu den bedeutenden Künstlersöhnen Geras gehört, mit einer Ausstellung im Otto-Dix-Haus. "Wir wollen mit ausgewählten Werken aus verschiedenen Schaffensphasen seine Kunst erneut ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken", erklärte Dr. Ulrike Lorenz, Direktorin der Kunstsammlung Gera. Die Kunstsammlung habe bereits 1990 in einer Personalausstellung das wenig bekannte Werk des Malers vorgestellt. Sie selbst habe vor zehn Jahren an einem Werksverzeichnis gearbeitet.
Herbert Enke wurde 1913 in Gera-Untermhaus geboren. Er studierte von 1936 bis 1939 an der Akademie für Angewandte Kunst in München. Nach dem Krieg genoss sein Werk für kurze Zeit öffentliche Anerkennung, jedoch passte seine Malweise immer weniger in die von der SED-Führung geprägte Kunstauffassung des sozialistischen Realismus. Herbert Enke erlebte eine schmerzhafte Zäsur. "So wuchs das malerische Werk der folgenden Jahrzehnte in isolierter Stille und im unermüdlichen Ausloten der eigenen Gestaltungskraft", entdeckte Dr. Lorenz. Jahrzehntelang habe er in der Windstille oder im Gegenwind heimatlichen Provinzgeistes leben und arbeiten müssen.
Erst in den 80-er Jahren erfuhr das Schaffen des Künstlers wieder größere Aufmerksamkeit, und er erhielt Aufträge in der baugebundenen Kunst. Viele dieser Schöpfungen sind allerdings nach der Wende zu Bauschutt geworden oder nicht mehr auffindbar, wie die mit Glaskörpern gestaltete Barwand des ehemaligen Interhotels oder Kranich und Blume aus Metall am ehemaligen "Blumen und Exoten" in der Heinrichstraße. Erhalten sind u. a. eine Plastik in der heutigen gewerblichen Berufsschule in der Eiselstraße und ein Altarbild in der Lusaner Kirche St. Ursula.
Gudrun Langheinrich, die Tochter Herbert Enkes - er hat drei Kinder - kann sich gut erinnern, mit wieviel Wut ihr Vater mitunter auf die Anfeindungen reagiert hat, wie er malte und übermalte, "hingesaut" habe ihr Vater gesagt. "Mein Vater hat sich am meisten durch die Bilder mitgeteilt, auch der Familie" beschreibt sie ihn. Oftmals sei er so verzweifelt gewesen, dass er alles verbrannt hat. Dazu gehörten leider auch Bilder über seine russische Kriegsgefangenschaft, bedauert sie. In der Ausstellung zu sehen sind jedoch "Der Clown" (Das Bild wurde in der DDR als unrealistisch bezeichnet) und das 1975 entstandene Ölbild "Industrielandschaft". Letzteres hat die Kunstsammlung gemeinsam mit der ebenfalls ausgestellten Monotypie "Mobile" angekauft - übrigens die einzigen Ankäufe in diesem Jahr, teilte Dr. Lorenz mit. Doch sie freue sich besonders, die "Instrielandschaft" erworben zu haben, denn es zeige durch seine mehrfache Übermalung, dem Formen und wieder Formen ganz deutlich den inneren Kampf des Künstlers, der in einem "zerstörerischen Talent", wie die Expertin es bezeichnete, mündete.
Die kleine Schau ist bis zum 18. Januar im Otto-Dix-Haus zu sehen.

( Helga Schubert, 09.01.2004 )

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