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Innovative Textilien aus Gera in die Welt

Eine scheinbar geniale Erfindung ist dem Team um Thorey Gera Textilveredelung gelungen. Hinter traditionsreichen, historischen Mauern verbirgt sich innovativer Forscherdrang. Schon lange stellen Thorey Gera Textilveredelung nicht mehr nur Gardinen und Dekostoffe her. Textilbeton, Bedachungen, antibakterielle Oberflächenstoffe, Mundschutz, Schutzbekleidungen, Filter, Verbundwerkstoffe und Schutzausrüstungen gehören zum Portfolio des Unternehmens. Aber nicht nur das. Bereits Anfang des Jahres machte Thorey von sich und seinen neuen Entwicklungen in Sachen Mundschutz Reden.

Innovatives

Nun brillieren sie mit einer weiteren Innovation: mit dem Thor-Oil-Adsorber. Hinter diesem sperrigen Namen verbirgt sich eine pfiffige Idee. Ein Vlies, welches Öl aus Wasser aufsaugt. „Damit könnten Naturkatastrophen, z.B. beim Kentern von Öltanks auf unseren Gewässern, Einhalt geboten werden”, macht Thorey-Geschäftsführer Andreas Ludwig aufmerksam. Noch steckt diese Erfindung in den Kinderschuhen, bedenkt man, welche Größe derartige Vliese haben und welche Voraussetzungen für etwaige Rettungsboote geschaffen werden müssten. „Tendentiell wäre es machbar. Ähnlich wie bei Fischkuttern, die ihre Netze auswerfen, könnte auch ein solches Vlies um den Ölteppich ausgeworfen werden”, erklärt Entwicklungs- und Laborleiter Marcel Bäuml. Er zeigt anhand eines kleinen Gefäßes, wie fast rückstandslos das Öl aus dem Wasser mittels dieses speziellen Vlies‘ aufgesaugt und vor allem nach dem Auswringen wieder verwendet werden kann.

Forschung

„Die Thorey Gera Textilveredelung GmbH gehört zum forschungsaffinen Mittelstand in Deutschland, der ‚hidden champions‘.

Das 1883 als Gardinenausrüster gegründete Thüringer Unternehmen stellt heute hochinnovative, ökologische, smarte und technische Textilien her, die in die ganze Welt exportiert werden”, postuliert Andrea Weißig, Geschäftsführerin Forschungspolitik der AiF Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ e. V. Um ihre Produkte weltmarktfähig und -führend zu halten, ist für die kleinen und mittleren Unternehmen Forschung unbedingt nötig. Doch oft können sie sich keine eigenen Forschungs- und Entwicklungsressourcen leisten. „Deshalb kooperieren sie unter anderem mit Forschungsvereinigungen ihrer und anderer Branchen und können ihren Bedarf mit Hilfe der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) adressieren und von den Ergebnissen profitieren. 2019 wurden für 3,7 Millionen Euro IGF-Vorhaben an thüringischen Forschungseinrichtungen umgesetzt“, erklärt Andrea Weißig weiter.

Probleme

Gemeinsam mit der Bundestagsabgeordneten Elisabeth Kaiser stattete Andrea Weißig Thorey Gera Textilveredelung einen Besuch ab, um über aktuelle Forschungsprojekte und Bedürfnisse aber auch politische Probleme und aktuelle Situationen zu sprechen.

Die CO2-Bepreisung ab 1. Januar 2021 sei, laut Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie e. V., eine besondere Herausforderung für die deutschen mittelständischen Textilunternehmen. Einer Verbandsumfrage zum Brennstoffemissionshandelsgesetz zufolge erwarten die energieintensiven Textilproduzenten, wie Veredler oder Vliesstoffhersteller, bis zu 20 Prozent höhere Brennstoffkosten für Wärme und Trocknungsprozesse schon ab dem kommenden Jahr. Standortverlagerungen und Existenzbedrohung von deutschen Textil-KMU könnten die Folge sein. Was es bedeute, wenn diese abwandern und grundlegende Produkte nicht mehr im eigenem Land gefertigt werden, zeigt sich bereits schon jetzt bei Mundschutzen und Schutzanzügen.

Gemeinsam mit anderen Thüringer Entwicklern und Forschern machte sich Thorey auf den Weg Atemschutzmasken nach FFP2* und sogar FFP3*-Standard herzustellen. „Wir haben Masken entwickelt, die zwar bis heute noch nicht FFP zertifiziert sind, aber als Corona SARS-Cov-2-Pandemie-Atemschutzmaske zugelassen sind. Grund für die Nichtzertifizierung ist die lange Wartezeit, da es in Deutschland nur noch zwei Zertifizierungseinrichtungen gibt”, erklärt Thorey-Geschäftsführer Andreas Ludwig. Diese Idee und Entwicklung galt als vielversprechend, waren doch Grenzen geschlossen und Export nur bedingt möglich. „Doch lediglich ein paar tausend Masken haben wir verkauft, denn auch weiterhin werden Masken importiert”, kritisiert Ludwig.

Wenngleich ein Umdenken gefordert und nicht zuletzt in diesem Jahr laut wurde, bleibt die Globalisierung ein Hemmschuh der innerdeutschen Industrie. So produzierte bis vor einigen Jahren Thorey u.a. noch medizinische Einweg-Schutzkleidung. Doch der Zulieferer verlagerte die Produktion für den nötigen Fließstoff ebenfalls wegen der günstigeren Kosten nach Israel. Thorey nahm die Einweg-Schutzkleidung daraufhin aus ihrem Sortiment. „Wir sind in Bezug darauf nur ein Beispiel vieler deutscher mittelständischer Unternehmen. Die Corona-Krise hat uns sehr deutlich gemacht, dass wir umdenken und die – ehemals – vorhandenen Kapazitäten in Deutschland wieder aufleben lassen müssen. Wenn wir hier produzieren, müssen wir auch hier kaufen. Es ist kontraproduktiv, wenn Masken auch aus dem Ausland bezogen werden“, erklärt Andreas Ludwig auch in Richtung Bundestag. Denn nicht nur Schutzmasken sondern auch Ausrüstung und Kleidung für die Bundeswehr werden auch aus dem Ausland, vorrangig aus China, bezogen.

Andreas Ludwig sieht ab 2021 ein weiteres Problem auf die Textilindustrie zu rollen. „Wir haben zu viel Energie übrig, in Summe: 32.000 Kubikmeter je Stunde. Wir nutzen diese Energie, um Textilien zu trocknen und unsere Produktionshallen zu wärmen. Es ist nicht das Problem eine neue energieeffizientere Fabrik auf die grüne Wiese zu stellen. Unsere überschüssige Energie produzieren wir im Prozess und diese wird im kommenden Jahr 41.000 Euro Mehrkosten verursachen.

Über die AiF

Die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ e. V. ist das Forschungsnetzwerk für den deutschen Mittelstand. Sie fördert Forschung, Transfer und Innovation. Als Dachverband von 101 gemeinnützigen Forschungsvereinigungen mit mehr als 50.000 eingebundenen Unternehmen und über 1.200 beteiligten Forschungseinrichtungen leistet sie einen wichtigen Beitrag, die Volkswirtschaft Deutschlands in ihrer Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken. Die AiF als gemeinnütziger Verein organisiert die Industrielle Gemeinschaftsforschung und betreut über die AiF Projekt GmbH und die AiF F∙T∙K GmbH, ihre einhundertprozentigen Tochtergesellschaften, weitere Förderprogramme der öffentlichen Hand. Im Jahr 2019 setzte die AiF über 496 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln ein. Seit ihrer Gründung im Jahr 1954 lenkte sie 12,5 Milliarden Euro öffentliche Fördermittel in neue Entwicklungen und Innovationen und brachte 238.000 Forschungsprojekte auf den Weg.

Hintergrund

*FFP2-Atemschutzmasken eignen sich für Arbeitsumgebungen, in denen sich gesundheitsschädliche und erbgutverändernde Stoffe in der Atemluft befinden.

*FFP3-Atemschutzmasken eignen sich für giftige, krebserregende und radioaktive Partikel. Bei ordnungsgemäßen Sitz der Maske hält diese mindestens 98 Prozent der Partikel zurück.

( Fanny Zoelsmann, 22.10.2020 )

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