Partner

gebr_frank.jpg
verlag_dr_frank_gmbh.jpg
onicom.de.jpg
gera.jpg
RPG_Logo_1.jpg


Hinweise

acrobat_reader.jpg

Button_E_paper.png

Schlagzeilen der Woche

zurück

Modern, großzügig, mitten im Wald

Mit wenigen Worten und in kleinem Rahmen wurde auf ein Jubiläum aufmerksam gemacht, welches nicht alle Tage stattfindet.

2020 ist das Jahr, in dem das SRH Waldklinikum Gera, seinen 100. Geburtstag feiert. Ein Jahr in dem eine Pandemie den Vordergrund bestimmt und Jubiläen in den Hintergrund rücken lässt.

Ein kleines Zeichen, ein Symbol der Symbiose aus Tradition und Moderne soll fortan erinnern, an eine Zeit und eine Generation, die einst den Grundstein für das heutige SRH Waldklinikum legte. „Erbaut 1913 bis 1914” steht es in Stein geschrieben. Auf einem Stein, gefunden während der Sanierungsarbeiten auf dem Dachboden des Hauses „Simmel”. 1914 geplant, wurde das städtische Krankenhaus erst 1920 fertig. Der Erste Weltkrieg verzögerte die geplante Bauzeit von zweieinhalb Jahren auf lange sechs Jahre.

„100 Jahre ist es her, dass Geras Stadtväter den großen Wurf wagten: Für die Stadt entstand ein ambitionierter Klinik-Neubau: modern, großzügig, mitten im Wald, 275 Betten, 90 Mitarbeiter. Heute, 100 Jahre später, steht wieder ein Klinik-Neubau. 2020 zählen wir knapp 1.000 Betten und 2.000 Mitarbeiter. Mit über 90 neuen Azubis pro Jahr bilden wir so viel Nachwuchs aus wie seit Jahren nicht mehr. Geräte der neuesten Generation stehen für die Diagnose und Therapie für jährlich rund 90.000 Patienten bereit. Während vor 100 Jahren die Verweildauer im Krankenhaus bei rund einem Monat lag, verlassen heute die meisten Patienten innerhalb einer Woche unsere Klinik”, bilanziert Chef des Hauses, Dr. med. Uwe Leder.

Das SRH Waldklinikum ist heute Geras größter Arbeitgeber. Neben der stationären Versorgung, setzt das Haus zunehmend auf die dezentrale Gesundheitsdienstleistung mittels medizinischer Versorgungszentren. 120 Arztpraxen, eine Tagesklinik in Eisenberg, zwei eigene Pflegedienste und ein Reha-Zentrum, welches 2021 Eröffnung feiern wird, zählen zum Bestand. Nicht alle Patienten verlassen ein Klinikum gesund. Um auch jenen Menschen, die ihren letzten Weg vor sich haben, so viel Leben wie möglich zu schenken, betreibt das SRH ein eigenes Hospiz in Werdau sowie ein ambulantes Palliativteam, welches im Raum Altenburg, Greiz, Saale-Orla und Gera schwerstkranken Menschen Halt gibt.

„Wir sind stolz als SRH, dass wir in Gera ein Haus haben, welches für uns ein Vorzeigeobjekt darstellt. Wir werden weiter auf das Waldklinikum setzten und investieren, z.B. in die Verbesserung der Parkplatzsituation. Mit Uwe Leder haben wir einen Geschäftsführer, der vor Ideen sprüht”, zeigt sich Werner Stalla, Geschäftsführer der SRH Kliniken GmbH, beeindruckt.

Als verlässlichen Partner schätzt auch Oberbürgermeister der Stadt Gera, Julian Vonarb, das SRH Waldklinikum. Neben der modernsten Versorgung der Patienten von ausgewiesenen Spezialisten und kompetentem Fachpersonal, ist die SRH auch in Sachen Bildung vorn dran.

Während die SRH Fachhochschule seit 14 Jahren wächst und damit junge Erwachsene in der Stadt bleiben und in selbige lockt, sind nun auch die kleinsten Erdenbürger in den Bildungsblickpunkt gerückt. Seit diesem Jahr wuseln Kindergartenkinder auf dem Gelände des SRH Waldklinikums herum. Bis zu 120 Knirpse im Alter von 0 bis 6 Jahren finden im Kindergarten „Am Wald-Klinikum” einen Betreuungsplatz.

100 Jahre Waldklinikum

Seit circa Mitte des 19. Jahrhunderts, spätestens seit dem Deutschen Kaiserreich war die Haupt- und Residenzstadt des Fürstentum Reuß jüngerer Linie Gera industriell geprägt. Die Arbeiterfamilien wohnten in engen Quartieren und Hinterhöfen mit ungesunder Luft, die von den oft naheliegenden Fabriken in die Quartiere zog. Besonders betroffen waren die Karrees der Mietshäuser in der Nähe des Südbahnhofes sowie im Gebiet der Plauenschen Straße.

Das städtische Krankenhaus befand sich seit 1848 bzw. in ausgebauter Form seit 1852 im Gebiet des Tillyschen Gartenhauses (Bereich Robert-Koch-Straße). Damals gab es noch verhältnismäßig wenige Fabriken entlang des weiter westlich gelegenen Mühlgrabens. Spätestens ab 1871 lag der Standort des Krankenhauses in unmittelbarer Nähe einer Fabriklandschaft, die aus mehreren hohen Schornsteinen bestand. Diese ungünstige Lage sorgte dafür, dass die Patientengenesung nicht unbedingt schneller vonstattenging.

Der neueingestellte Leiter des Krankenhauses, Hermann Schomburg, beklagte diese Umstände. Im Jahr 1905 verfasste er ein Schreiben an den Stadtrat und Oberbürgermeister Ernst Huhn, worin er bekräftigte, dass ein neuer Standort angebracht wäre. Der Geraer Rat konnte erst sieben Jahre später überzeugt werden und Hermann Schomburg wurde im März 1912 mit der Ausarbeitung beauftragt. Bereits im Oktober desselben Jahres konnte der Neubauplan vorgelegt werden. Dr. Otto Plarre suchte sich den genauen Ort im Stadtwald aus.

Für 100.000 Mark wurde das Grundstück der Stadt Gera abgekauft und der Wald zügig abgeholzt. Im Juni 1913 wurde der Grundstein für den Neubau gelegt. Bauleiter war Architekt Max Hubricht, das medizinische Bauprogramm oblag Hermann Schomburg und die Heizungs- und Sanitäranlagen standen unter der Schirmherrschaft von Professor Hüttig. Die Maleraufgaben übernahm die Geraer Firma Oehme. Für die Bauzeit wurden zweieinhalb Jahre berechnet.

Doch am 28. Juni 1914 kam es zum Attentat des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Frau, das zum Auslöser für die politische Julikrise wurde. Seit Anfang August 1914 befanden sich die Großmächte Europas im Ersten Weltkrieg. Daraufhin wurden in der Hauptstadt des Fürstentums Reuß jüngerer Linie die Bauarbeiten am Krankenhaus eingestellt. Im November 1918 fand in Deutschland die Monarchie ein Ende und ein Jahr später entstand die Weimarer Republik. Während dieser Nachkriegswirren konnte im Oktober 1919 das Städtische Waldkrankenhaus fertiggestellt werden.

Bei herrlichem Wetter fand am 12. April 1920 die feierliche Eröffnung statt. Die Stadt Gera gehörte zu dem Zeitpunkt noch zum Volksstaat Reuß, der sich noch in den Nachwehen des republikfeindlichen Kapp-Putsches vom März 1920 befand. Die Gebäude wurden im neoklassischen Stil mit Fachwerk-Giebelelementen errichtet und erfüllen zugleich die Richtlinie der damals entstehenden Bauhaus-Kunstform, deren Philosophie es war, hell, begrünt und gesund zu bauen. Beispielsweise lag die Kinderstation in der dritten Etage, sodass für die Jüngsten die Sonne allgegenwärtig war. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass für Ärzte ein Casino und ein Spielzimmer zum Musizieren eingerichtet wurde.

Hermann Schomburg leitete noch bis 1921 das Krankenhaus, bevor er in Ruhestand ging und im Jahr 1943 verstarb. Sein Nachfolger wurde der Kasseler Professor Karl Fritsch. Seine erste Tätigkeit war die Neuorganisation der infektiologischen Abteilung. Das Gebäude, welches hinter dem großen Haupthaus errichtet wurde und heute nicht mehr steht (hier ist heute die Plaza), diente als Infektionsgebäude, war jedoch zu klein. Darum wurde das Sanatorium Ernsee, was sich zwei Kilometer weiter westlich hinter dem „Schwarzen Weg“ (heute Dr.-Semmelweis-Weg und Dr.-Sauerbruch-Weg) befand, aufgekauft und als Tuberkulosestation umfunktioniert. Im Krankenhaus arbeiteten währenddessen etwa 90 Angestellte und bereits im Jahr 1928 waren 146 Personen beschäftigt.

Im Jahr 1927 legte Professor Fritsch sein Amt als Leiter nieder, behielt jedoch die Chefarztstelle der Chirurgie. Der neue Krankenhausleiter wurde 1928 Hans Simmel, der fortan auch die Abteilung für Innere Medizin leitete.

Die Stadt Gera war zur Zeit der Weimarer Republik und seit Mai 1920 im Land Thüringen aufgegangen eine Hochburg der Kommunisten und Sozialdemokraten. Die Nationalsozialisten hatten es hier eher schwerer als anderswo, sich endgültig zu etablieren. In Thüringen und damit deutschlandweit kam es jedoch im Jahr 1930 zu einem ersten Kabinett, an dem die NSDAP bereits beteiligt war. Darum wuchs der Druck auf die Städte und die Regierung verfügte darüber, dass Hans Simmel wegen seiner jüdischen Abstammung zu entlassen sei. Erst nach der deutschlandweiten „Machtübernahme“ der NSDAP im Januar 1933 wurde Simmel wegen staatsfeindlicher Äußerungen in Schutzhaft genommen und kurz darauf tatsächlich entlassen. Er zog nach Stuttgart, kam daraufhin ins KZ Dachau, wurde wieder freigelassen und emigrierte in die USA, wo er im Jahr 1943 an den Folgen seines KZ-Aufenthaltes starb. In Debschwitz wurde nach ihm eine Straße benannt.

Ab 15. Mai 1933 leitete Dr. Werner Läsker das Krankenhaus. Von 1939 bis 1945 fand der Zweite Weltkrieg statt. Das Krankenhaus wurde ab 1940 zum Reservelazarett umfunktioniert. Im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg, bei dem der Großteil des Landes keine Bomben zu spüren bekam, änderte sich nun die politische Lage. Nun gab es mehr Luftkriege und deutlich mehr Bombenhagel auf deutsche Städte. In Gera gab es die größte Zerstörung April 1945, weshalb niemand mit Freude das 25-jährige Jubiläum des Krankenhauses feiern wollte.

Das größte Ziel war Anfang 1960 erreicht, als das Städtische Krankenhaus zum Bezirkskrankenhaus umbenannt wurde. Seit 1952 existierten in der damals drei Jahre alten DDR vierzehn Bezirke, wovon Gera eine der vierzehn Bezirksstädte war.

Parallel dazu wurden ab den 50er Jahren drei Villen in der Vollersdorfer Straße für die Kranken der Wismutregion Gera-Ronneburg genutzt. Da diese aber zu klein wurden, entstand von 1957 bis 1964 ein großer Krankenhauskomplex für die Wismut nördlich vom traditionellen Bezirkskrankenhaus.

Der Ärztliche Direktor des Versorgungsbereiches Gera des Gesundheitswesens Wismut war ab 1957 Dr. Wappler. Für ihn und weitere Chefärzte wurden westlich des Wismut-Krankenhauses vier „Chefarzthäuser“ errichtet, die durch ihre Planung eigentlich Villa genannt werden müssten. Das zeigt, dass es auch in der DDR vornehmere Eigenheimsiedlungen gab, die fernab der städtischen Strukturen errichtet wurden.

1979 begann die Stadt Gera mit dem Bau eines neuen Bettenhauses für das Bezirkskrankenhaus. Dieses entstand zwischen Bergarbeiterkrankenhaus und dem Bezirkskrankenhaus am Dr.-Semmelweis-Weg. Im Jahr 1984 wurde zum Tag des Gesundheitswesens dem Ärztlichen Direktor Professor Kinzl der Schlüssel überreicht und das Haus wurde in Betrieb genommen.

Nach der Deutschen Wiedervereinigung im Oktober 1990 beschloss der Stadtrat unter Oberbürgermeister Michael Galley im November das Statut für das kommunale Krankenhaus. Am 18. Januar 1991 wurden beide Häuser vereint.

2003 wurde das Geraer Krankenhaus von der Stiftung Rehabilitation Heidelberg, kurz SRH, übernommen. Im Jahr 2006 erfolgte schließlich und endlich der Spatenstich zum Neubau des Geraer Klinikums. Im Jahr 2010 wurde das „Haus am Wald“ bereits fertiggestellt.

Im März 2013 wurde auch der Verbindungsgang mit dem „Haus im Park“ und dem OP-Zentrum eröffnet. Die Idee des Gesamtkonzepts lautet: Kulturkrankenhaus. Jede Ebene trägt den Namen einer historischen Persönlichkeit. Während im Haus im Park das Mittelalter vom 10. bis ins 14. Jahrhundert mit Personen wie Hildegard von Bingen oder Elisabeth von Thüringen vertreten ist, steht das „Haus am Wald“ für die Frühe Neuzeit und die Moderne mit Personen wie Schiller oder Zeiss. 

( Ferdinand Kämpfer und Fanny Zölsmann, 16.10.2020 )

zurück