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Eine vielfältige Lebensmelodie

Seit 2013 ehrt der Freistaat Thüringen über das Thüringer Landesprogramm für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit Menschen und Initiativen, deren zivilgesellschaftliches und couragiertes Handeln für eine breite Öffentlichkeit sichtbar wird.

Der Thüringer Demokratiepreis ermutigt Menschen, sich mit kreativen Ideen für ein demokratisches Miteinander zu engagieren. In diesem Jahr erhielt Pfarrer Michael Kleim für dieses Engagement den Demokratiepreis. „Ich habe mich sehr gefreut, denn es ist wichtig, dass Menschen und Initiativen gewürdigt werden, die sich in diese Gesellschaft einbringen und die Demokratie stärken“, sagt der 59-jährige.

Vor 24 Jahren kam Michael Kleim nach Gera. Auf Initiative von Christhard Wagner übernahm er neben seiner Pfarrstelle das Stadtjugendpfarramt. Geboren in Crimmitschau versuchte er schon früh in der damaligen DDR einen eigenen Weg zu finden. Er war von der Hippiebewegung fasziniert, empfand die Gesellschaft mit den festgelegten Lebensvorgaben zu eng und wurde schon früh zu einem Kritiker des Systems. Während seines Theologiestudiums in Naumburg engagierte sich Michael Kleim in Friedens- und Menschenrechtsgruppen. Internationale Kontakte bestanden zu Gleichgesinnten in Holland, Polen oder Rumänien.

Wenn Michael Kleim zurückdenkt, so habe er schon einen hohen Preis für sein Engagement für Demokratie und Menschenrechte bezahlen müssen. In den Zeiten der DDR wurde er fortwährend vom MfS bespitzelt und angefeindet. Seine Stasi-Akte zeigt Dokumente, die für einen Prozess vorbereitet waren. Nach der friedlichen Revolution blieb sein Eintreten für Menschenrechte, der Einsatz für Verfolgte, der Kampf gegen Antisemitismus, die Erinnerung an Diktaturen und Menschenrechtsverletzungen weiterhin sein Anliegen. Gerade im Engagement gegen Rechtsextremismus im Zusammenhang mit Rechtsrockkonzerten waren er und seine Familie massiven Druck und Anfeindungen über Internet und Telefon ausgesetzt. Selbst vor Morddrohungen machte man damals nicht Halt. „Der Glaube, meine Familie, Freunde und die Kirche haben mir immer wieder Mut gemacht, nicht aufzugeben und weiter für den demokratischen Gedanken zu streiten. Damals hat mich Christhard Wagner seelsorgerlich betreut und mir auch in schwierigen Situationen, Trost und Mut zugesprochen“, so Michael Kleim. Der heutige Oberkirchenrat und Beauftragter der Evangelischen Kirchen bei Landtag und Landesregierung Thüringens sagte in seiner Laudatio während der Preisübergabe: „Es gehört zur bewundernswerten Kontinuität Michael Kleims, in schwierigen Situationen nicht zurückzuweichen, sanftmütig und entschieden für Freiheit, Menschenrechte und Toleranz einzustehen.“ Eben diese Kontinuität bewies Michael Kleim während seiner Arbeit in Gera. Als die Stimme der Kirche in der Gesellschaft und in den Kirchengemeinden, durch Friedensgebete und Gottesdienste und innerhalb der Ökumene im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Gera (ACK) hat er sein christliches Demokratieverständnis zum Ausdruck gebracht. Dabei lobt er besonders die Zusammenarbeit mit den anderen Christlichen Kirchen der Stadt. „Gottesdienst und Friedensgebete, wie zum Pogromgedenken am 9. November, dem Völkermord an den Armeniern, für die Opfer des Stalinismus oder zum Gedenken an Hiroshima, beinhalten den Ökumenischem Gedanken und werden in einer verlässlichen und respektvolle Atmosphäre gemeinsam gestaltet“, sagt Michael Kleim. „Aus der Tradition der DDR-Menschenrechtsbewegung, weiß ich, welchen Preis die heutige Freiheit und Demokratie haben, sie fielen nicht vom Himmel, wir haben sie uns erstritten. Dass alles friedlich, ohne Gewalt verlief und der Sieg der Freiheit erreicht wurde, ist ein großes Geschenk Gottes, das uns zuteil wurde“, ist sich Michael Kleim sicher. „Während vor 30 Jahren die Erkämpfung der Demokratie im Vordergrund stand, steht heute die Bewahrung und Verteidigung selbiger auf der Tagesordnung.“ Aus diesem Grund habe sich Kleim ganz klar gegen extremistische Ansichten gewandt, gegen religiös fanatische Kräfte, Neostalinismus und gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Sein Einsatz für eine Pluralität in der Gesellschaft vergleicht er mit einer Lebensmelodie. Wir er gern unterschiedliche Musik höre, habe jeder Mensch seine eigene Lebensmelodie, mal laut, mal leise, mit Harmonien und Disharmonien. „Mein Ziel und mein Traum ist es, die unterschiedlichen Lebensmelodien miteinander zum Klingen zu bringen. So wie ich im interreligiösen Dialog viel gelernt habe, so müssen Toleranz, Respekt und die Akzeptant von Vielfalt die Grundlage für einen Dialog in der Gesellschaft bilden. Lebensentwürfe, Lebensstile, Glaubensrichtungen, Kulturen, sexuelle Vielfalt und die Begegnung mit anderen könnten hierbei positiv zur eigenen Lebensmelodie beitragen.

( Wolfgang Hesse, 18.12.2019 )

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