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Torhaus im Zentrum war politische Haftanstalt der Stasi

Als sich der Verein Gedenkstätte Amthordurchgang e.V. 1997 bildete, stellte er sich das Ziel, das so genannte Torhaus zu erhalten. Die Untersuchungshaftanstalt war zur Nazizeit von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) und in der DDR durch die Stasi genutzt worden. Es ist genau belegt, dass die unmittelbar im Stadtzentrum befindliche Einrichtung 45 Zellen besaß, in denen maximal 82 Häftlinge inhaftiert werden konnten.

Allein zwischen den Jahren 1952 bis 1998 waren hier über 2.800 Menschen inhaftiert. Informationen über den Tod des aus Jena stammenden oppositionellen Thomas Domaschk drangen ebenfalls an die Öffentlichkeit, die näheren Umstände konnten bis heute nicht aufgeklärt werden.

Der Verein hatte sich viel vorgenommen, wollte schnell handeln und den Totalabriss der Gebäude verhindern. Genau vor 20 Jahren besetzten daher Vereinsmitglieder gemeinsam mit dem damaligen Thüringer Landesbeauftragen für die Stasi-Unterlagen Jürgen Haschke das Torhaus. Daran erinnerten in einem Pressegespräch aus Anlass des Jubiläums der Vorsitzende des Vereins, Frank Karbstein, weitere Vorstandsmitglieder und Jürgen Haschke die Anliegen des Vereins und seine Wirksamkeit in den zwei Jahrzehnten seines Bestehens.

Die damalige rechtliche Situation war kompliziert, denn der Geraer Stadtrat hat zwei Beschlüsse gefasst, die einander diametral gegenüber standen. Zwar hatten alle Fraktionen dem Bau einer Gedenkstätte zugestimmt, gleichsam aber stand der Verkauf eines weiteren Teils des Geländes an die Drogeriekette Müller fest. Platz sollte außerdem für eine Erweiterung des Landgerichtes vorgehalten werden.

Im Sommer 1999 wurde dann bekannt, dass die ehemalige Haftanstalt am Amthordurchgang abgerissen werden sollte. Zahlreiche Vereinsmitglieder und weitere Bürger der Stadt kämpften für die Errichtung einer Gedenk- und Begegnungsstätte am authentischen Ort auch mit Mitteln des zivilen Ungehorsams. Zu ihnen gehörten Siegfried Reipisch, Kathrin Zimmer, Renate Elmenreich, Pfarrer Roland Geipel und Jürgen Haschke. Natürlich verbreitete sich die „Besetzung“ wie ein Lauffeuer und erreichte auch die Landesregierung in Erfurt. Sie setzte die kurz vorher gefassten Beschlüsse erst einmal außer Kraft. Der Abriss des Haftanstalt-Traktes konnte allerdings nicht verhindert werden. Die Rettung des „Torhauses“ am Verwaltungstrakt wurde dank des Engagements zahlreicher Unterstützer erzwungen.

Bis zur Schaffung der Gedenk- und Begegnungsstätte nach dem Willen der Vereinsmitglieder war es aber noch ein weiter und manchmal steiniger Weg. Vereinsarbeit eben mit Erfolgen, aber auch mit Rückschlägen. In den Jahren 2003/04 gab es dann finanzielle Mittel aus dem Fonds der Bundesregierung „Erlös aus dem Verkauf ehemaliger Mauergrundstücke“.

Mehr als 50 Mitglieder zählt der Verein gegenwärtig. Sie wollen dazu beitragen, dass die Tragödien, die sich in den Stasi-Gebäuden abgespielt haben, nicht vergessen werden. Einige von ihnen haben in den letzten Jahren der DDR Schikanen und Schlimmeres erlitten. Der heutige Vereinsvorsitzende Frank Karbstein hat selbst Bekanntschaft mit der Stasi machen müssen. Er war 1984 von der Stasi inhaftiert, dann verurteilt und sollte schließlich in die BRD abgeschoben werden. Das lehnte er ab. Reaktion der Stasi: Verlust der Arbeit im Geraer Puppentheater. Frank Karbstein machte weiter und verteilte gemeinsam mit der kürzlich verstorbenen Katrin Zimmer Flugblätter gegen die sowjetischen Mittelstreckenraketen. Zwei Beispiele für viele anderen.

Der Verein will deutlich machen, was geschehen ist. Was weder verdrängt noch vergessen werden darf. Die Aufgaben haben nicht abgenommen. Gera ist neben Erfurt die einzige Stadt in Thüringen, die eine Gedenkstätte für die Stasiopfer besitzt. Das sieht der Verein als Verpflichtung. „Unser Verein hat seinen Sitz an einem authentischen Ort – und so soll es bleiben“, so Frank Karbstein, fügt aber hinzu, dass die Vereinsmitglieder stolz darauf sind, das allein die Gedenk- und Begegnungsstätte jährlich 2.500 bis 3.500 Besucher zählt. In diesem Jahr will man verstärkt an die Öffentlichkeit treten, Schwerpunkt wird im Herbst sein und gemeinsam mit Partnern organisiert. Fest steht z. B. am 26. Oktober ein Stadtspaziergang gemeinsam mit Schauspielern des Theaters. Sie werden Texte aus Stasi-Unterlagen vorlesen.

(Über weitere Vorhaben des Vereins werden wir noch berichten)

( Reinhard Schubert, 14.08.2019 )

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