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Liebschwitzer beklagen fehlende Hilfe

Vor mehr als vier Wochen hat der Schwammspinner Teile von Liebschwitz in Beschlag genommen. Die Anwohner kämpfen seitdem mit Millionen der kleinen Raupen, denn diese frisst sich nicht nur durch die Wälder und Grundstücke, sondern macht auch vor Fassaden und den Wohnungen nicht Halt (wir berichteten in der vergangenen Ausgabe). „Anfangs waren es vereinzelt ganz kleine Raupen, denen wir keine Beachtung geschenkt haben. Das hat sich schnell geändert als die Tiere groß wurden, alle Bäume und Pflanzen kahlgefressen hatten und auch unsere Fassade und Räume im Haus belagerten“, erzählt Bernd Schmidt, der mit Familie im Niebraer Weg wohnt. So traut sich die Tochter kaum noch raus und wie Bernd Schmidt selbst feststellen musste, sind die Tiere alles andere als nicht gesundheitsschädlich. An den Armen hat er rote Flecken von Berührungen und den herumfliegenden Haaren. Das bestätigen auch andere Anwohner bei der Versammlung in der alten Turnhalle, bei der die Stadt über das weitere Vorgehen berichtet. Hier wird zudem klar, dass so mancher plötzlich mit Asthma zu kämpfen hat und andere über Lungenprobleme klagen. „Jetzt, wenn die Raupen sich verpuppen, kam zweimal die Kehrmaschine durch den Ort gefahren. Mehr ist von Seiten der Stadt nicht passiert. In Gunzenhausen, wo die Plage ebenfalls gravierend ist, hat die Stadt Personen abgestellt, die die Raupen ständig ablesen, wegbringen und alles säubern“, erklärt Schmidt weiter. In der Versammlung wird dies oft angebracht und beklagt, dass man den Anwohnern „nur“ gute Tipps mit auf den Weg gegeben hat und nichts getan habe.

Konrad Nickschick, Fachdienstleiter Umwelt in der Stadtverwaltung, ist seit Wochen mit dem Problem beschäftigt. Er bekommt den Unmut der Bürger zu spüren, die seinem Amt anhaltende Untätigkeit vorwerfen. Doch er verwies darauf, dass auch er an Gesetze und Wege gebunden ist, die nach der ersten Meldung über die Vielzahl der Raupen, welche am 24. Mai im Amt erfolgte, eingehalten werden mussten. So hat man darüber nachgedacht Insektizide einzusetzen, was die Behörde aber nicht einfach entscheiden und durchführen darf. Doch die Anwohner sind sauer auf die bisherige Vorgehensweise und der Meinung, dass es anders gelaufen wäre, wenn die Plage in der Innenstadt eingefallen wäre. Nickschick nahm sich der Kritik an und versprach, dies in dem Arbeitskreis einzubringen, welcher sich jetzt um die weitere Vorgehensweise kümmert. „Wir wollen Maßnahmen ergreifen, so dass dies in den nächsten Jahren nicht mehr so massiv auftreten kann. Die Raupen verpuppen sich jetzt und werden zu Schmetterlingen. Mit Hilfe von Duftstofffallen werden Tiere eingefangen, so dass man mit wissenschaftlicher Hilfe feststellen kann, wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer neuen Plage im nächsten Jahr ist“, erklärt Nickschick den Zuhörern. Hier kommt es darauf an, wie viele Eier abgelegt werden, pro Tier könnten das bis zu 1.000 Stück sein. Erfolgt dies mehrfach an einem Baum kann man vom Befall besprechen und von einer neuen Plage ausgehen. Hier weiß man im Herbst mehr und will dann entscheiden, ob im nächsten Frühjahr biologische Insektizide zum Einsatz kommen müssen, um die Larven zu bekämpfen. „Dem müssen wir genau nachgehen, denn wenn sich zeigt, dass wieder mehrere Ablagen pro Baum bevorstehen, müssen viele Hürden genommen werden, um dagegen mit der Keule vorzugehen. Deshalb ist es auch wichtig, dass Betroffene die Krankheiten, ausgelöst durch die Plage, melden“, so Nickschick weiter. So soll jeder, der jetzt beim Arzt war oder noch hin will, alles dokumentieren lassen oder selbst dokumentieren, um dies dann beim Ortsteilbürgermeister abzugeben, der es weiterleitet, so dass die Daten, wenn nötig in das Genehmigungsverfahren zum Vorgehen gegen eine erneute Plage, einfließen können.

Das etwas passiert wollen die Anwohner aber nicht so recht glauben, denn auch jetzt gibt es wieder nur den Tipp, die verpuppten Tiere abzulesen und in schwarze Säcke zu stecken. Zudem führt man an, dass es auch ohne große Genehmigungsverfahren, Einsatzmöglichkeiten für Insektizide geben würde. Weiterhin habe das Forstamt die Aussage getätigt, dass im Wald nichts zum Einsatz kommt, damit sich die Bäume erholen können. Dann sieht man hier keine Notwendigkeit tätig zu werden. So verweist man auch immer wieder auf den in Bayern gelegenen Ort Gunzenhausen. Konrad Nickschick bringt hierzu an, dass die Voraussetzungen anders sind und es deshalb nicht vergleichbar ist. „Wir stehen mit den Kollegen in Kontakt, aber vor Ort handelt es sich zum einen um staatlichen Wald und zum anderen grenzt dieser nicht direkt an Privatgrundstücke. Hier liegt eine Straße dazwischen, die Sperrungen möglich machte. Ebenfalls ist in Gunzhausen kein fließendes Gewässer in der Nähe”, erklärt er weiter. Den Anwohnern bleibt somit nichts anderes übrig, als weiterhin gegen die Plage zu kämpfen.

Das heißt: Tiere ablesen, alles säubern und hoffen, dass die Raupenplage im kommenden Jahr nicht wieder an die Tür klopft.

( Lars Werner, 03.07.2019 )

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