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Ihr Herz schlug für Gera

„Als mein Herz wieder für Gera und die lang vermisste thüringische Heimat schlagen durfte, war mein Entschluss klar: Ich ziehe nach Gera“, das sagte sie in einem Interview in Neuen Gera. Von 1991 an und dann 15 Jahre lang lebte sie in ihrer nie vergessenen und immer geliebten Stadt, in der sie viele Jahre der Kindheit auf Schloß Osterstein verbrachte und später auch einige Jahre mit ihrem Ehemann Heinrich I. Prinz Reuß. Jetzt ist sie tot: Woizlawa-Feodora Prinzessin Reuß. Am 3. Juni entschlief sie nach kurzer schwerer Krankheit in ihrem Haus in Strittmatt im Schwarzwald.
Ihren 100. Geburtstag feierte die Prinzessin mit 800 Gästen aus Gera im Konzertsaal des Theaters im Dezember 2018. Die Orgel erklang, der Konzertchor des Gymnasiums Rutheneum sang und das Reussische Kammerorchester gratulierte musikalisch. „Das alles haben mir meine Kinder und Enkelkinder geschenkt“, sagte die Jubilarin damals stolz. Es war eine besondere Geste der Familie ihrem Geburtstagskind, den Wunsch zu erfüllen, die Feier in Gera und im Theater, wo sie viele glückliche Stunden erleben durfte, durchzuführen. Woizlawa-Feodora wurde am 17. Dezember 1918 in Rostock geboren. Die Mutter starb bei der Geburt. Als das Mädchen 6 Jahre alt war, heiratete der Vater wieder. Zu den Großeltern mütterlicherseits, Fürst und Fürstin Reuß j. L., die auf Schloß Osterstein lebten, zog es Woizlawa-Feodora immer wieder hin. Das kunstverständige Umfeld des Hauses Reuß prägte die junge Prinzessin. Oft besuchte sie mit ihrem Onkel, dem Erbprinzen Heinrich XLV., Theater- und Konzertaufführungen. Das kam nicht von ungefähr, denn der Großvater, Heinrich XXVII. hatte das Geraer Theater mit dem eigenen Konzertsaal (eingeweiht 1902) errichten lassen. Schloss Osterstein war für die Prinzessin nicht nur ein beliebter Aufenthaltsort und eine Gelegenheit, Konzerte und Theateraufführungen zu besuchen, sondern hier lernte sie auch ihren zukünftigen Ehemann, Prinz Heinrich I, den Adoptivsohn des Onkels Erbprinz Heinrich XLV., kennen. Die Verlobung fand 1939 auf Schloss Osterstein statt. 
Der 6. April 1945 war der schwärzeste Tag im Leben der Stadt Gera und auch der Fürstenfamilie. In den Kellern des Schlosses Osterstein erlebte die Familie den schweren Luftangriff auf Gera. Die Bomben trafen das Schloss und zerstörten es fast gänzlich. Alles ging in Flammen auf. Viele Menschen hatten ihr Zuhause und das gesamte Hab und Gut verloren. Die Reußenfamilie und Mitbewohner kommen vorübergehend im Kammergut Ernsee und später auf Schloß Ebersdorf unter. Von hier flieht das Ehepaar mit den Kindern im Sommer 1945 nach Büdingen im Hessischen. Nach anfänglichen schweren Jahren baut sich die Familie eine neue Existenz auf. 
Prinzessin Reuß hatte sechs Kindern das Leben geschenkt. Zu ihrem 100. Geburtstag hatte sie elf Enkel und vier Urenkel. 
Ein friedliches Leben und Gottvertrauen wünschte sie sich für die Zukunft. In diesem Sinne war auch die Denkmalenthüllung der „Flamme des Friedens“ (Flame of Peace) durch die Prinzessin an den Prinzenhäusern. Das Denkmal steht für Frieden, Freundschaft, Freiheit und Völkerverständigung und wird auch immer an die letzte Prinzessin von Gera erinnern.

( Helga Schubert, 19.06.2019 )

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