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Auf den zweiten Blick

Eigentlich entstehen seine Fotos ohne konzeptionelle Hintergedanken. Das zumindest behauptet der Fotograf Andreas Rost aus Berlin, der in diesem Jahr beim 12. Aenne Biermann Preis in Gera als erster Preisträger ausgezeichnet wurde. Seine Bilderserie unter dem Titel „Projekte zur Bestätigung des Neuen“ hat die Jury in diesem Jahr überzeugt, denn es gab wenig Diskussionsbedarf bei der Festsetzung des ersten Preises, war zu erfahren. Rost blickt mit dem Auge der freien Welt auf die Überbleibsel von diktatorischen Systemen und stellt sie der Hoffnung auf Freiheit gegenüber. Eine Reise nach Minsk brachte ihn auf diese Idee. „Minsk ist das größte weltweit erhalten gebliebene, architektonisch und flächendeckende Denkmal des Kommunismus. Hier existiert die stalinistische Architektur in ihrer propagandistischen und ideologischen Gestaltung und wird von Weißrussland bewahrt und gepflegt“, erklärt er. Andreas Rost hält die Propaganda im Detail fest, jedoch nicht ohne ein Augenzwinkern. „Mir ging es darum, was ist aus dieser Ideologie geworden. Es war damals und ist heute immer noch Fassade, der äußere Schein einer Diktatur. Dem habe ich die Jugend gegenüber gestellt, die in dieser fest zementierten Ideologie ihre Nischen sucht. Die Porträts entstanden während eines illegalen Underground-Konzertes und spiegeln die Aufbruchsstimmung in eine freie Zukunft wider.“ Rost nahm bereits 1995 am Fotowettbewerb in Gera teil und erhielt damals den dritten Preis. Die lange Kontinuität dieses dotierten Aenne-Biermann-Preises schätzt auch Frank Rüdiger. Dem Geraer Fotograf, Autor und Verleger ist es letztendlich zu verdanken, dass dieser Wettbewerb ins Leben gerufen wurde und heute noch existiert. „Ich glaube“, so vermutet Rüdiger schmunzelnd, „mit 24 Jahren gehört der aller zwei Jahre ausgelobte Fotopreis zu den Dienstältesten Deutschlands.“ In all den Jahren, so der Kurator weiter, habe der Wettbewerb die Erinnerung an die Geraer Fotografin Aenne Biermann bewahrt und ist zu einer Plattform für zeitgenössische Fotografie geworden. Bei täglich einer Milliarde im Internet hochgeladener Fotos wird das Bild als solches immer mehr vergänglich. „Unser Fokus liegt auf der künstlerischen Fotografie“, erklärt Frank Rüdiger. „Die ausgestellten Fotos brauchen Entschleunigung in der Zeit der Massenfotografie. Nur so ist es möglich, die sieben unterschiedlichen Handschriften der Fotografen zu entdecken. Mit Geduld und einem zweiten Blick wird dies gelingen.“

Zu sehen sind die Arbeiten von drei Preisträgern und vier Künstlern, die eine Anerkennung erhielten. Einer davon ist Philip Poppel. Der 1987 in Berlin geborene bildende Künstler und Fotograf erhielt eine Anerkennung für seine fotografische Betrachtung der Vergänglichkeit. Er fotografierte Bauwerke und Plätze, die das Werden und Vergehen, auch in Hinsicht auf die Zukunft dokumentieren. Dabei vermeidet er bewusst eine genaue Beschreibung, so dass der Betrachter selbst Orte assoziieren kann. Im letzten Raum der Ausstellung in der zweiten Etage des Museums für Angewandte Kunst (MAK) finden sich Arbeiten von Hayahisa Tomiyasu. Der in Leipzig lebende Japaner unterrichtet derzeit an der Zürcher Hochschule für Künste. Die Fotos sind aus dem achten Stock eines Leipziger Hochhauses entstanden. Seine Serie „TTP“ zeigt die überraschend variable Gestaltungs- und Nutzungsmöglichkeit einer Tischtennisplatte. Hier wird gefeiert, sich gesonnt oder einfach nur abgehangen. Hier sitzen Vögel oder der Ort liegt verschlafen unter Schnee. Diese fotografische Langzeitstudie hielt Situationen fest, die eine Gesellschaftsstudie zulassen.

Der Aenne-Biermann-Preis wird unterstützt durch das Land Thüringen, der Kunst- und Kulturförderung der SV SparkassenVersicherung und der Stadt Gera. Der Leiter der Kunstsammlung Gera Holger Peter Saupe sieht in der Kontinuität des Wettbewerbes auch einen guten Ansatz für die Erweiterung der musealen Sammlungen. Prof. Klaus Honnef, Publizist und Kurator aus Bonn war selbst Mitglied der Jury. Er würdigt den Wettbewerb mit den Worten: „Und nicht zuletzt erweist sich der Aenne-Biermann-Preis als zukunftsweisend.“

Die Schau ist bis 11. Februar als Sonderausstellung „12. Aenne-Biermann-Preis für deutsche Gegenwartsfotografie“ im MAK zu sehen.

( Wolfgang Hesse, 16.12.2017 )

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